Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Benni82
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Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 12:09

Hallo zusammen.

Folgendes Szenario:
Person A und Person B seien nicht verheiratet und haben zusammen ein Haus für 300.000€ gekauft.
Person A hat dafür 150.000€ Schulden aufgenommen, Person B ihren Teil aus Barmitteln bestritten.
Es seien sonst keine Vermögen/Schulden vorhanden.
Beide heiraten, ohne Ehevertrag somit Zugewinngemeinschaft

1. Folgende Annahme korrekt?
Person A geht mit Vermögen 0 in die Ehe (150.000 Haus - 150.000 Schulden), Person B mit Vermögen=150.000 (das halbe Haus)


Sagen wir es kommt nach 20 Jahren zur Scheidung. Person A hätte in dieser Zeit seine Schulden komplett getilgt. Anderweitig sei von beiden Personen kein Vermögen geschaffen worden.

2. Folgende Annahme korrekt?
Vermögen Person A=150.000 (halbe Haus), Person B=150.000(halbe Haus) (Wertänderungen des Hauses nicht betrachtet)
Somit hätte Person A einen Zugewinn seines Vermögens von 150.000€ und müsste 75.000€ Ausgleich an Person B zahlen.


Wie wäre es, wenn der Hauskauf nach der Heirat stattgefunden hätte.

3. Folgende Annahme korrekt?
Zum Zeitpunkt der Eheschließung beide Personen Vermögen 0 (die Barmittel bekäme Person B erst zum Zeitpunkt des Hauskaufs von Ihrem Vater)
Während der Ehe Hauskauf. Person A nimmt Darlehen auf, Person B erhält Barmittel aus Ihrer Familie als Schenkung.
Es käme wieder nach 20 Jahren zur Scheidung. Person A hätte in dieser Zeit seine Schulden komplett getilgt. Anderweitig sei von beiden Personen kein Vermögen geschaffen worden.
Vermögen Person A=150.000 (halbe Haus), Person B=150.000(halbe Haus) (Wertänderungen des Hauses nicht betrachtet)
Somit hätten Person A sowie Person B je einen Zugewinn ihres Vermögens um 150.000 und es würde kein Ausgleich stattfinden.

4. Folgende Annahme korrekt?
Im zuletzt betrachteten Szenario kommt es bereits nach 5 Jahren zur Scheidung.
Restschuld Person A =100.000€
Vermögen Person A=50.000 (halbe Haus - 100.000 Restschuld), Vermögen Person B=150.000 (halbe Haus)
Zugewinn Person A=50.000, Person B=150.000. Somit müsste Person B an A 50.000€ Ausgleich zahlen.


In allen Szenarien sei Person A alleiniger Darlehensnehmer, jedoch haftet Person B mit ihrer Hälfte des Hauses mit.


Wenn alle Annahmen korrekt sein sollten, wäre es in dem Szenario mit dem Hauskauf VOR der Eheschließung theoretisch möglich, nachträglich zu vereinbaren, dass das Haus und das Darlehen nicht für die Berechnung des Zugewinns berücksichtigt werden würden? Wie wäre dies machbar und auf was müsste in so einem Fall geachtet werden?

Wie ist die Rechtslage?

windalf
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von windalf » 04.07.19, 12:33

Es ist eher unwahrscheinlich anzunehmen, dass der Wert des Hauses im Zeitablauf fix bleibt. Da eher auf nicht absehbare Zeit weiter Geld gedruckt wird, ist eher anzunehmen, dass der Wert des Hauses während der Ehe weiter steigt und der Zugewinn den es zu teilen gibt (bei Scheidung deutlich größer wird)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Benni82
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 12:35

in diesem fiktiven szenario wird aber angenommen der wert des hauses bleibt unverändert ;)

windalf
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von windalf » 04.07.19, 12:39

Benni82 hat geschrieben:
04.07.19, 12:35
in diesem fiktiven szenario wird aber angenommen der wert des hauses bleibt unverändert ;)
Tut es das? Ich konnte das oben nicht lesen. Da stand nur sowas wie
2. Folgende Annahme korrekt?
Da stand aber nicht
in diesem fiktiven szenario wird aber angenommen der wert des hauses bleibt unverändert
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Benni82
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 12:44

es steht "(Wertänderungen des Hauses nicht betrachtet)" und somit ist ja eigentlich ersichtlich dass die Wertänderung eben nicht betrachtet wird in diesem Szenario ;)

edit: faslche Rechnung von mir aus dieser Antwort entfernt, es dürfte eigentlich nirgends wirklich Auswirkungen haben, aber ist auch egal da es sowieso nicht betrachtet wird

Und nun bitte keine weiteren Diskussionen über die evtl. Wersteigerung, danke!

SusanneBerlin
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von SusanneBerlin » 04.07.19, 13:44

Hallo,

Antworten auf Ihre Fragen:

1. ist keine Annahme, sondern Tatsache des vorgegebenes Szenarios.

2. Unter der unrealistischen Prämisse, dass das Hausgrundstück in den 20 Jahren keinerlei Wertsteigerung erfährt, ist Annahme 2 korrekt.

3. Schenkungen zählen zum Anfangsvermögen (§ 1374 Abs 2 BGB), somit wäre die korrekte Antwort im Fall 3 genau die gleiche wie unter Annahme 2.

4. auch hier ist die Anmerkungen zu 2. und 3. zu beachten, damit ergibt sich:
Zugewinn Person A=50.000,
Zugewinn Person B=150.000 ist falsch, korrekt = 0.

Somit müsste Person A an B 25.000€ Ausgleich zahlen.


Klingt ungerecht? Abhilfe verschafft ein Ehevertrag, mit dem man den Zugewinnausgleich ausschließen könnte.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 04.07.19, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

Benni82
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 13:49

zählt das auch für die mit der Schenkung des Geldes erworbene Sache?
Es wurde in dem Szenario nicht das (halbe) Haus geschenkt sondern Geld mit welchem dann die Hälfte des Hauses erworben wurde.

SusanneBerlin
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von SusanneBerlin » 04.07.19, 13:53

Benni82 hat geschrieben:
04.07.19, 13:49
zählt das auch für die mit der Schenkung des Geldes erworbene Sache?
Es wurde in dem Szenario nicht das (halbe) Haus geschenkt sondern Geld mit welchem dann die Hälfte des Hauses erworben wurde.
Das gilt für alle Schenkungen, es spielt keine Rolle ob Auto, Haus, Geld oder wertvolle Gemälde.

Wenn 150.000 € geschenkt werden, zählen die 150.000 € als Anfangsvermögen. Es spielt keine Rolle, dass die Schenkung tatsächlich erst 1 Jahr nach der Heirat stattfand, und es spielt auch keine Rolle, was man mit dem Geld gekauft hat. Selbst wenn B das geschenkte Geld sinnlos verschleudert hätte, wäre das Anfangsvermögen 150.000 €.
Grüße, Susanne

Benni82
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 14:05

Ich galube ich habe Sie zuerst falsch verstanden, ich nahm an Sie wollten ausdrücken durch die Schenkung des Geldes und den damit verbundenen Hauskauf zählt der Wert des Hauses/das halbe Haus zum Anfangsvermögen.
Jedoch hebt die Schenkung nur das Anfangsvermögen in Höhe der Schenkung unabhängig des (Wert des) Hauses.
Der Wert des halben Hauses/das halbe Haus zählt natürlich nicht zum Anfangsvermögen, auch wenn es mit Geld einer Schenkung erworben wurde.
Da aber eben jenes Anfangsvermögen durch die Schenkung angehoben wird, findet in diesem Szenario kein Zugewinn für B statt.

Benni82
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Benni82 » 04.07.19, 14:24

Das ganze war ja jetzt nen vorgegebenes Szenario.

Darüberhinaus kommt bei mir nun folgende Frage dazu:
Unabhängig der ganze Hausgeschichte, A ginge mit Vermögen=0 in die Ehe, B auch.
B erhält über die Zeit durch Schenkungen und Erbe, sagen wir 3 Millionen (Steuer, Kosten etc, schon raus gerechnet).
B verzockt das ganze Erbe wie auch immer.
Es käme zur Scheidung.

Hätte B nun ein Anfangsvermögen von 3 Millionen, ein Endvermögen von 0, somit einen Zugewinn von -3 Millionen und A müsste 1,5 Millionen an B zahlen?

hambre
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von hambre » 04.07.19, 14:46

Hätte B nun ein Anfangsvermögen von 3 Millionen, ein Endvermögen von 0, somit einen Zugewinn von -3 Millionen und A müsste 1,5 Millionen an B zahlen?
Nein, da der Zugewinn nicht negativ sein kann (§ 1373 BGB). B hat daher einen Zugewinn von 0 in diesem Szenario.

Froggel
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Re: Fragen rund um Zugewinnausgleich in Bezug auf Hauskauf vor/nach der Eheschließung

Beitrag von Froggel » 04.07.19, 19:00

Benni82 hat geschrieben:
04.07.19, 14:24
Hätte B nun ein Anfangsvermögen von 3 Millionen, ein Endvermögen von 0
Ein Anfangsvermögen, d.h. jedes Vermögen, das vor der Ehe vorhanden ist oder auch während der Ehe durch eine Schenkung oder ein Erbe hinzukommt, zählt nicht in den Zugewinn mit hinein. Der Zugewinn besteht tatsächlich nur aus der Erhöhung des Vermögens. Wenn der eine Partner also 3 Millionen Anfangsvermögen hat, zählt dieses nicht mit in den Ausgleich hinein, wohl aber Zinsen, die durch die 3 Millionen auf dem Konto auflaufen. Bringt ein Partner ein Haus im Wert von 200000€ mit in die Ehe (oder kauft es mit seinem Anfangsvermögen), zählen die 200000€ nicht mit in den Zugewinn, wohl aber der Mehrwert, den das Haus im Lauf der Zeit bringt. Wird es am Ende der Ehe für 500000€ verkauft, so sind die 300000€ der Zugewinn und diese sind zu teilen.
Ich bin kein Jurist.
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