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recht.de • Thema anzeigen - Anwalt weigert sich, Forderungen einzutreiben
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BeitragVerfasst: 05.02.18, 15:28 
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Beiträge: 114
Hallo zusammen,

folgender angenommener Fall:

Ein Geschädigter aus einem Verkehrsunfall überträgt die Forderungseintreibung aus dem Schadensereignis einem Rechtsanwalt.
Dieser reicht das Gutachten bei der gegnerischen Versicherung ein. Die gegnerische Versicherung bezahlt daraufhin die darin ausgewiesenen (wesentlichen) Positionen.

Der Mandant macht seinen Rechtsanwalt daraufhin darauf aufmerksam, dass neben Schmerzensgeld auch Nutzungsausfall geltend gemacht werden soll. Dazu dann noch die von der Versicherung gekürzten Positionen aus dem Gutachten (UPE-Aufschläge und Verbringungskosten). Der Rechtsanwalt erwidert daraufhin, dass die vom Mandanten gewünschten Positionen „niemals“ von der Versicherung bezahlt werden würden. Deshalb wird er diese auch nicht einfordern.

Der RA hat also lediglich ein Gutachten (Schadenshöhe 20.000 Euro) eingereicht und für diese „Arbeit“ entsprechend (hohe) Gebühren kassiert. Nun weigert er sich, weitere Forderungen geltend zu machen, was vermutlich darauf beruht, dass der Fall jetzt Arbeit bereitetet (Begründung für Nutzungsausfall, Urteile zitieren etc. und ggf. sogar Klage einreichen).

Kann der RA tatsächlich ablehnen, die vom Mandanten gewünschten Forderungen zu stellen?
Dabei ist anzumerken, dass die vom Mandanten gewünschten Forderungen von der Rechtsprechung im wesentlich gedeckt sind und somit nicht „utopisch“ sind.

Besten Dank im Voraus und Gruß


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BeitragVerfasst: 05.02.18, 16:36 
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Registriert: 05.12.04, 16:06
Beiträge: 14725
Ein Rechtsanwalt ist kein Befehlsempfänger des Mandanten. Wenn er ein Vorgehen für nicht sinnvoll hält, muss er es auch nicht machen - so wie man von einem Arzt eben auch keine Wunschbehandlung einfordern kann, wenn dieser sie für falsch hält.

Wenn es dem RA hier nur ums Geld ginge, würde er die Forderung übrigens trotzdem einklagen. Denn die Vergütung dafür bekommt er, egal wie es ausgeht.

Istz man von seiner Argumentation nicht überzeugt, geht man eben zu einem anderen. Aber Vorsicht: sollte auch dieser zur selben Meinung kommen, muss man ihn für die Arbeit (Prüfung des Falles, Beratung) trotzdem bezahlen. Auch hier wie beim Arzt: die vorgeschlagene Behandlung kann man ja ablehnen, die schon geleistete Diagnose muss man trotzdem (jedesmal) bezahlen.


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 12:53 
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Beiträge: 114

Themenstarter
Ergänzend möchte ich hier aber anmerken, dass der Streitwert für den Nutzungsausfall nur ca. 1000 Euro beträgt und somit die Argumentation, dass der Anwalt durch z. B. Klageerhebung mehr Geld verdienen würde, nicht wirklich greift.
Zumindest steht der relativ niedrige Streitwert in keinem Verhältnis zum „Ertrag“ des Anwalts. Das „einfach verdiente Geld“ bestand darin, dass lediglich ein Gutachten an die Versicherung weitergeleitet wurde…

Zu einem anderen Anwalt gehen wird bei dem niedrigen Streitwert dann auch schwierig, da bei „viel Arbeit“ für „wenig Geld“ die wenigsten Anwälte den Fall annehmen würden.


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BeitragVerfasst: 08.02.18, 13:14 
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Beiträge: 2162
Wohnort: Ulm
Zwingen kann man den Anwalt nicht. Ich bin auch der Auffassung, dass ein Klageauftrag ein neuer Auftrag ist, den der Anwalt ablehnen darf.
Sollte ich mit meiner Meinung falsch liegen, dann macht sich der Anwalt ggfs. schadensersatzpflichtig, da ein anderer Anwalt die volle Verfahrensgebühr für die Klage geltend macht, der alte Anwalt aber nur weitere 0,65 € in Rechnung stellen würde. Wenn also die Versicherung dann bei den Anwaltsgebühren kürzt (oder bei Unterliegen der neue Anwalt beim Mandanten kassiert), müsste der erste Anwalt ggfs. hier die Differenz ausgleichen.

Das wären bei 1000,- € so ca. 60 € brutto. Nachdem er außergerichtlich so 1.100,- € verdient hat, wird er im Zweifel die 60,- € freiwillig zahlen und sich nicht darauf verklagen lassen.

Übrigens muss das nicht mal am Streitwert liegen. Wenn ich einem Mandanten meine Rechtsauffassung erkläre und er erklärt mir, er weiß es besser, schmeiße ich den schon aus Prinzip raus. Dieses Prinzip verstehen aber nur Berufsträger. :engel:

_________________
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein


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BeitragVerfasst: 12.02.18, 22:23 
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Registriert: 22.02.14, 17:04
Beiträge: 141
Darf ich hier mal mit einigen Fragen reinkrätschen?

Trifft es eigentlich zu, dass Versicherungen über Anwälte, die sagen wir mal "unübliche" (aber explizit nicht "unhaltbare") Forderungen für ihre Mandanten versuchen einzutreiben, interne "schwarze Listen" führen, was zur Konsequenz haben könnte, dass ALLE Mandate dieses Rechtsanwalts zukünftig von den Sachbearbeitern ganz genau geprüft, anstatt mehr oder weniger "durchgewunken" werden?

So dass ein Rechtsanwalt somit auch immer seinen "Ruf" im Auge behalten muss und der einzelne Mandant deswegen ggf. besser gestellt wäre, hätte er seine Forderungen einfach selbst geltend gemacht (da er solchen Abwägungen gar nicht unterliegt)?


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BeitragVerfasst: 12.02.18, 22:43 
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Registriert: 16.11.13, 14:23
Beiträge: 5075
Fürst hat geschrieben:
...Der Rechtsanwalt erwidert daraufhin, dass die vom Mandanten gewünschten Positionen „niemals“ von der Versicherung bezahlt werden würden. Deshalb wird er diese auch nicht einfordern.

Der RA hat also lediglich ein Gutachten (Schadenshöhe 20.000 Euro) eingereicht und für diese „Arbeit“ entsprechend (hohe) Gebühren kassiert. Nun weigert er sich, weitere Forderungen geltend zu machen, was vermutlich darauf beruht, dass der Fall jetzt Arbeit bereitetet (Begründung für Nutzungsausfall, Urteile zitieren etc. und ggf. sogar Klage einreichen).

Zunächst mal ist das vorherige Tätig werden des Anwalts Arbeit. Das Einreichen eines Gutachtens mit entsprechendem Schriftsatz o.a. für einen bislang fremden Menschen ist wohl kein Hobby des Anwalts.

Zum Thema "jetzt ist es Arbeit, weil er den Nutzungsausfall begründen, Urteile zitieren etc. und ggf. sogar Klage einreichen" muss: Klar und das wird er ablehnen, wenn er von seinem Fachwissen weiß oder davon ausgehen muss, dass
Zitat:
die vom Mandanten gewünschten Positionen „niemals“ von der Versicherung bezahlt werden würden.


Zitat:
Dabei ist anzumerken, dass die vom Mandanten gewünschten Forderungen von der Rechtsprechung im wesentlich gedeckt sind und somit nicht „utopisch“ sind.

und das weiß der Mandant und der Anwalt weigert sich, das zur Kenntnis zu nehmen? Sieht der Anwalt die Urteile vielleicht weniger passend, weil er sie fachlich, sachlich und rationaler betrachtet?


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BeitragVerfasst: 13.02.18, 22:24 
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Beiträge: 2162
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wie alt war denn das Fahrzeug?

Sollte es älter als 3 Jahre sein, wird es mau mit UPE und Verbringungskosten, da dafür meiner Meinung nach
a) ein Anspruch auf eine markengebundene Werkstatt bestehen muss (i.d.R. nur bis FZ-Alter 3 Jahre)
b) der Nachweis erbracht werden muss, dass alle örtlichen in Frage kommenden Werkstätten dieser Marke sowohl UPE als auch Verbringungskosten fordern.

Nun fordert der besagte Mandant UPE/Verbringungskosten und Nutzungsausfall.

Für Nutzungsausfall bei fiktiver Abrechnung braucht es entweder einen Reparaturnachweis (bei einem Reparaturschaden) oder eine Ersatzbeschaffung (bei Totalschaden).

Die Gerichte haben bislang bei jungen Fahrzeugen (bis 3 Jahre) oder scheckheftgepflegten Fahrzeugen (teilw. bis 5 Jahre) vermutet, dass der Geschädigte auch diesen Schaden in einer markengebundenen Fachwerkstatt reparieren wird und aus dieser Überlegung heraus auch die dortigen Positionen (Stundensätze, UPE und Verbringungskosten) in die fiktive Abrechnung gepackt.

Wenn ich jetzt NA will bei einem Reparaturschaden, muss ich ja die Reparatur nachweisen.

War ich mit dem Auto in einer markengebundenen Fachwerkstatt, erfolgt der Nachweis ja ganz einfach durch Vorlage der Rechnung, auf der ja die entsprechenden Stundensätze, UPE und Verbringungskosten drauf sind und man bekommt noch die USt.

Wenn man es anders repariert hat (Hinterhofwerkstatt, Eigenregie, Schwarzarbeit) dann erfolgt der Nachweis über eine Reparaturbestätigung des Sachverständigen oder ganz klassisch mit dem Foto von dem reparierten Auto mit der Zeitung mit den 4 Großbuchstaben auf der Windschutzscheibe.

Jetzt würde ja Letzteres meiner bescheidenen Meinung die Vermutung wiederlegen, dass man mit diesem Schaden auch wieder in die Fachwerkstatt gegangen wäre...

Bei derartigen Konstellationen darf man jetzt nicht einfach Urteile aus der großen Suchmaschine mischen. Man unterliegt im Zivilprozess der Wahrheitspflicht - in den Verfahren, bei denen die Positionen UPE und Verbringungskosten zugesprochen wurden bei fiktiver Abrechnung, wurde vll. die Frage nicht gestellt, wie und wo man den repariert hat, weil nicht gleichzeitig NA gefordert wurde? Wer weiß... nur so ein Gedanke....

:engel:

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