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recht.de • Thema anzeigen - tätlicher Angriff - Seelische Beeinträchtigungen
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BeitragVerfasst: 07.02.18, 08:36 
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Habe bitte eine Frage, die ich Anhand dieses hypothetischen Beispiels stellen möchte.

Nach einem kürzlich erlittenen tätlichen Angriff hat Herr Müller zwar keine körperlich sichtbare jedoch massive seelische Beeinträchtigungen (vermutl. Traumatisierung) davon getragen, die sich nach dem Angriff Tag für Tag immer mehr äußern und starke Belastung für Herrn Müller darstellen.

Die seelische Seite wurde von dem Arzt der Rettungsstelle am Tag des Angriffs komplett aus der Acht gelassen, sodass der Arztbericht sich so ließt, als sei alles harmlos. So dass der Fall höchstwahrscheinlich wegen Geringfügigkeit etc. nicht weiter verfolgt und der Angreifer ohne weiteres einfach davon kommt.

Spielen die seelischen Beeinträchtigungen durch den tätlichen Angriff keine Rolle?
Was kann Herr Müller da tun?


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 08:47 
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Sofern die Sache als Straftat verfolgt wird, besteht die Möglichkeit sich zu einem psychatrischen Gutachter zu begeben und eine etwaige posttraumatische Belastungsstörung untersuchen und ggf. attestieren zu lassen.

Dieses Attest kann man dann der ermittelnden Staatsanwaltschaft durchaus übersenden.

Weiterhin könnte man hieraus auch auf der zivilrechtlichen Seite eine etwaige Klage auf Schmerzensgeld herleiten.
Dies hat mit der Strafsache selbst und deren Fortgang nicht viel zu tun.

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BeitragVerfasst: 07.02.18, 10:03 
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Hallo,
Manuela_Recht hat geschrieben:
Nach einem kürzlich erlittenen tätlichen Angriff hat Herr Müller zwar keine körperlich sichtbare jedoch massive seelische Beeinträchtigungen (vermutl. Traumatisierung) davon getragen,

Dann wurde der Angriff vor der Ausführung abgebrochen, oder war das ein Angriff mit Wattebällchen?

_________________
Grüße, Susanne


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 12:08 
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Waren denn bei dem Besuch auf der Rettungsstelle nach der Tat schon vorhanden?
Die dort arbeitenden Ärzte können nur das in ihren Arztbereicht schreiben, was sie sehen.


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 12:17 
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Mich hat letztes Jahr auch mal so ein Idiot niedergestreckt (ich war nicht das eigentliche Ziel seines Angriffs, aber mich hat er mit voller Wucht am Hinterkopf getroffen). Da hätte auch kein Sanitäter oder Arzt vor Ort irgendwas festgestellt. Die Stelle hat halt in dem Moment weh getan, aber es gab vermutlich nichts zu sehen und es waren auch keine Nachwirkungen am nächsten Tag zu spüren. Seelisch hat mich das trotzdem noch lange beschäftigt und wenn ich etwas zarter besaitet wäre ... - ich kann mir schon vorstellen, dass der eine oder andere da bleibende seelische Schäden davontragen könnte oder zumindest welche, die einer Behandlung bedürfen. Inwieweit die Schäden natürlich nachweisbar sind und inwieweit nachweisbar ist, dass dieser Vorfall der Auslöser für die Beeinträchtigungen ist bleibt natürlich offen.


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 13:12 
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Themenstarter
danke für eure Antworten.


Townspector hat geschrieben:
Sofern die Sache als Straftat verfolgt wird, besteht die Möglichkeit sich zu einem psychatrischen Gutachter zu begeben und eine etwaige posttraumatische Belastungsstörung untersuchen und ggf. attestieren zu lassen. Dieses Attest kann man dann der ermittelnden Staatsanwaltschaft durchaus übersenden.

Ich vermutte, Herr Müller kann von sich aus höchstens aufgrund der seelischen Beschwerden zum Psychiater/Psychotherapeut etc. gehen... ?
So ein psychatrischen Gutachter muss aber wohl wenns überhaupt so weit ist eine Behörde etc. in Auftrag geben...?


SusanneBerlin hat geschrieben:
Dann wurde der Angriff vor der Ausführung abgebrochen, oder war das ein Angriff mit Wattebällchen?

Nein. Eine weitere Person ist noch rechtzeitig dazwischen gegangen, sodass Herrn Müller so zusagen nur mit einem geringeren Teil der Wucht im Oberkörper erwischt wurde, dadurch den Gleichgewicht verlor und zum Boden ging.

blackylein hat geschrieben:
Waren denn bei dem Besuch auf der Rettungsstelle nach der Tat schon vorhanden?

Sorry, kann Deine Frage leider nicht wirklich verstehen. Da fehlt vermutlich ein oder anderes Wort in der Fragestellung? Kannst Du es bitte noch mal formulieren bzw. ergänzen?


lottchen hat geschrieben:
Mich hat letztes Jahr auch mal so ein Idiot niedergestreckt ....

Ja. tut mir leid. So was ist ziemlich mies. Es gibt leider immer wieder Leute, die ganz schnell aus der Haut fahren und körperliche Gewalt ohne nachzudenken einsetzen. (:

lottchen hat geschrieben:
Inwieweit die Schäden natürlich nachweisbar sind und inwieweit nachweisbar ist, dass dieser Vorfall der Auslöser für die Beeinträchtigungen ist bleibt natürlich offen.

Ja, das ist es, die seelischen Verletzungen "sieht" man ja nicht, trotzdem sind diese da, vor allem wenn der Opfer den körperlichen Angriff überhaupt nicht erwartet hat und einen Schockzustand erlebt hat.


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 13:22 
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Ups, sorry.

Ich wollte wissen, ob die psychischen Probleme bei dem Besuch auf der Rettungsstelle schon vorhanden waren?
was steht genau im Arztbrief der Rettungsstelle?


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 14:45 
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Themenstarter
blackylein hat geschrieben:
Ich wollte wissen, ob die psychischen Probleme bei dem Besuch auf der Rettungsstelle schon vorhanden waren?
was steht genau im Arztbrief der Rettungsstelle?

Ja, bei dem Besuch auf der Rettungsstelle gab es fühlbar psych. Probleme, da Herr Müller neben sich stand, Erinnerungslücken hatte, was wohl durch enormen Stresszustand der erlebten Todesangst hervorgerufen wurde. Allerdings scheint es für den Arzt keine Bedeutung zu haben, da es wohl nur um die "sichtbare" Abweichungen geht.
Laut Rettungsstelle (hier nicht wortwörtlich doch sinngemäß wiedergegeben):
Diagnosen: Prellung der Lenden-WS, Verstauchung der Hals-WS.
Erhöhter Puls, und etwas niedrige Temperatur. Alle andere gemessenen Parameter in norm.
Keine Auffälligkeiten bei Urin/Röntgen/Ultraschall.


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 18:03 
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Diese Gefühle und Symptome sind als Opfer einer Gewalttat erstmal nichts ungewöhnliches. Sie sollten in der Regel nach einigen Tagen abklingen.
Würde mal in Erwägung gezogen mit einer Opferschutzorganisation Kontakt aufzunehmen?
Würde nach dem Angriff mal der Hausarzt kontaktiert?


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BeitragVerfasst: 07.02.18, 19:14 
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Ich habe den Eindruck, die Situation hat sich bei psychischen Belastungen etwas gebessert. Angeblich erkennen sogar die Unfallkassen psychische Berufsunfälle mittlerweile an. Das weiss ich aber nur vom Hörensagen von unserer Arbeitssicherheit.

Der Nachweis ist schwierig, wenn man sich nicht in ärztliche Behandlung begibt. Ähnlich wäre das aber bei physischen Verletzungen die nicht gleich erkannt wurden.
Erhöhter Puls, niedrige Körpertemperatur lassen auf einen Schock schliessen. Frage mich, warum das nicht benannt wurde.
Also, am Besten schnell an den Hausarzt wenden ggf an die Krankenkasse wegen eines schnelle psychologischen Termins. Opferberatungen helfen da auch ggf weiter, also auch anrufen, Termin machen.
Manche Trauma brechen sich 10 oder mehr Jahre später Bahn, wenn sie nicht behandelt wurden. Damit sollte man echt nicht spaßen!

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"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
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BeitragVerfasst: 08.02.18, 11:09 
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Manuela_Recht hat geschrieben:
danke für eure Antworten.


Townspector hat geschrieben:
Sofern die Sache als Straftat verfolgt wird, besteht die Möglichkeit sich zu einem psychatrischen Gutachter zu begeben und eine etwaige posttraumatische Belastungsstörung untersuchen und ggf. attestieren zu lassen. Dieses Attest kann man dann der ermittelnden Staatsanwaltschaft durchaus übersenden.

Ich vermutte, Herr Müller kann von sich aus höchstens aufgrund der seelischen Beschwerden zum Psychiater/Psychotherapeut etc. gehen... ?
So ein psychatrischen Gutachter muss aber wohl wenns überhaupt so weit ist eine Behörde etc. in Auftrag geben...?


Ein Attest über das Vorliegen einer entsprechenden Gesundheitsstörung kann man auch selbst bei seinem Behandler anfordern.

Wenn es irgendwann in Gerichtsverfahren geht, dann wird man über tiefergehende Gutachten nachdenken müssen.

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BeitragVerfasst: 08.02.18, 12:31 
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Bestimmt kommt Manuela Recht bald an und erklärt uns, dass es dem Betroffenen nicht zuzumuten sei, sich in psychiatrische Behandlung zu beheben... Und dass es doch trotzdem möglich sein müsse, in seinem Sinne tätig zu werden...


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BeitragVerfasst: 08.02.18, 13:46 
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Beiträge: 5061
Manuela_Recht hat geschrieben:
Spielen die seelischen Beeinträchtigungen durch den tätlichen Angriff keine Rolle?
Was kann Herr Müller da tun?

Unmittelbar nach einem körperlichen Angriff stehen alle Menschen unter Schock o.a. Die meisten erholen sich davon, wenn nicht, lässt sich dies feststellen- von Fachleuten. Natürlich muss man hierzu zum Psychiater oder Psychotherapeuten.
Wie soll das sonst gehen, gerade bei „nicht sichtbaren“ Problemen?

Verständlich können die Notärzte vor Ort keine „bleibende psychische Beeinträchtigung“ feststellen, ebenso wie kein Arzt bei einer akuten körperlichen Verletzung feststellen kann, dass sie bei diesem Menschen chronische Beschwerden machen wird.

Was hält Herrn Müller davon ab, sich in Behandlung zu begeben und diese Info dann vorbringen zu können (oder Entlastung zu haben)?


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BeitragVerfasst: 09.02.18, 12:21 
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@FelixSt
Wüsste nicht warum ich so was schreiben soll. Da hast Du was falsch verstanden.

Danke euch allen noch mal für die Antworten.
Dass der Besuch beim Psychiater/Psychotherapeut, mal ganz abgesehen vom Attest, schon alleine wegen den quellenden anhaltenden psych. Beschwerden des Herrn Müllers notwendig ist leuchtet ein und ist in der Umsetzung.


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BeitragVerfasst: 10.02.18, 02:45 
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Beiträge: 460
Wohnort: Bonn
Sollte man auch wirklich umgehend umsetzen, ggf in einer Psy. Trauma-Ambulanz aufschlagen. Je mehr Zeit zwischen Ereignis und Behandlungsansatz vergeht, umso mehr zieht das Argument "War ja wohl nicht so tragisch, wenn er sich so lange Zeit lassen konnte"...

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Verba docent, exempla trahunt et quae nocent, docent.


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