Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

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cherokee
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Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 07:13

Moin Gemeinde,

mal angenommen , jemand würde über seinen Verhältnissen Leben und wäre überschuldet. Hat aber noch einen 2 Jahresvertrag in einem Fitnessstudio am laufen. Die Mitgliedsbeiträge könnten schon seit geraumer Zeit nicht mehr bedient werden und das Angebot würde auch nicht genutzt werden. Um unnötige weiter Schulden aufzubauen, die eh nicht zu begleichen wären, möchte man diesen Vertrag kündigen, aber vor Ablauf der 2 Jahre kommt man da nicht raus! Wie beurteilt Ihr diese Situation rechtlich? Gäbe es einen Möglichkeit den Vertragspartner zur Auflösung des Vertrages zu bewegen? Man kann annehmen, der Schuldner hätte schon eine VA abgegeben und ein P-Konto eingerichtet.

idem
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von idem » 26.04.19, 07:19

Verträge sind einzuhalten.

Solange und soweit die geschilderten Probleme keinen bereits vereinbarten (?) Kündigungsgrund darstellen, ist gegen den Willen des Vertragspartners an der Laufzeit nicht zu rütteln.

cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 08:02

So habe ich es mir auch gedacht. Aber welchen Sinn macht es für den Anbieter an diesem Vertrag festzuhalten, mit dem Wissen, dass der Nutzer diesen eh nicht bedienen kann und die Gesamtschuld über 2 Jahre Beiträge ca. 600€, eh nicht in voller Höhe eintreiben zu können? Möchte der Anbieter nur seine Mitgliederzahlen künstlich in der Höhe halten?

windalf
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von windalf » 26.04.19, 08:13

Aber welchen Sinn macht es für den Anbieter an diesem Vertrag festzuhalten
Die Chance auf x EURO ist immer noch besser als gar keine Chance auf x EURO. Mal davon abgesehen, dass wenn man sowas als Anbieter einreißen lässt dann versuchen ziemlich schnell andere auch das gleiche Spiel mit dem Anbieter zu spielen. Es empfiehlt sich bei so einer Sache als Anbieter hart zu bleiben...
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin » 26.04.19, 08:17

Der Studiobetreiber möchte verhindern, dass das Beispiel Schule macht und sich zukünftig jeder mit dem Argument "Ich kann mir die Mitgliedschaft nicht mehr leisten, ich habe das Geld nicht" aus seiner vertraglichen Verpflichtung verabschiedet.

Man kann natürlich auf den Studiobetreiber zugehen und die Lage schildern, auch darauf hinweisen, dass sich an der finanziellen Situation die nächsten Jahre nichts ändern wird. Eine Verpflichtung, den Vertrag zu beenden ergibt sich für den Studiobetreiber dennoch nicht.
Grüße, Susanne

cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 08:21

Wenn kein Geld da ist, um X Euro zu bezahlen, dann steigt die Chance doch nicht, wenn ich den Betrag erhöhe? Oder an dem Vertrag festhalte? Es geht auch nicht um ein Spiel, wenn jemand Zahlungsunfähig ist und eine VA abgegeben hat, dann ist das Spiel in der Regel doch schon gelaufen und vorbei!
Ich würde eher meinen eine Beendigung des Vertrages in Hoffnung auf X Euro mit einem Vergleich wäre sinnvoller als keine Euros durch Verbraucherinsolvenz weil die Schulden in die Höhe getrieben wurden.

ktown
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von ktown » 26.04.19, 08:59

Ich glaube ihr Verständnis einer Verbraucherinsolvenz ist etwas verkehrt. :lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Celestro
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von Celestro » 26.04.19, 09:00

Ich kenne nur Verträge in Fitnessstudios, die 6 oder 12 Monate laufen. Diese verlängern sich bei "Nichtkündigung" jeweils um 6 oder 12 Monate. Selbst wenn hier das Studio 24 Monatsverträge anbietet, dürfte die Verlängerung in den meisten Fällen nur 12 Monate betragen. Ich hoffe also, jemand in so einer Situation hat nicht gerade erst einen neuen Vertrag abgeschlossen. Und in allen anderen Fällen hoffentlich mal seinen Arsch bewegt und eine Kündigung geschickt.
cherokee hat geschrieben:Ich würde eher meinen eine Beendigung des Vertrages in Hoffnung auf X Euro mit einem Vergleich wäre sinnvoller als keine Euros durch Verbraucherinsolvenz weil die Schulden in die Höhe getrieben wurden.
Wenn das Studio von der VA erfährt, denkt es mMn wohl eher nicht "wir machen einen Vergleich und bekommen wenigstens noch ein paar Euro". Denn es wurde ja gerade erst deutlich gemacht "ich habe nichts".

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin » 26.04.19, 09:02

Es geht immerhin um 1200€, die muss man ja nicht unbedingt in den Wind schreiben solange die Chance besteht, etwas von dem Geld zu erhalten. Der Gläubiger kann unter Einsatz von 35,50€ einen Titel erwirken und hat dann 30 Jahre Zeit, vollstrecken zu lassen. Die Rechtsverfolgungskosten und Zinsen kann der äubiger auf seine Forderung draufschlagen. Vielleicht erholt sich der Schuldner finanziell irgendwann, und selbst wenn monatlich nur 50€ pfändbar sind, dann ist das für den Gläubiger wie sonst auch, dass der Beitrag monatlich 50€-weise reinkommt.
cherokee hat geschrieben:als keine Euros durch Verbraucherinsolvenz
Der Schuldner will anscheinend nicht in die Verbraucherinsolvenz, sonst würde er nicht versuchen seine Verpflichtungen runter zu drücken.
Grüße, Susanne

Celestro
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von Celestro » 26.04.19, 09:46

SusanneBerlin hat geschrieben:Es geht immerhin um 1200€,
Nö!
cherokee hat geschrieben: und die Gesamtschuld über 2 Jahre Beiträge ca. 600€,
also nur die Hälfte :wink:

cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 10:06

Nehme man an, die finanzielle Situation würde sich auch in absehbarer Zeit nicht wirklich ändern. Das Einkommen läge unter der Pfändungsfreigrenze. Es gäbe noch gefühlte 15 weitere Gläubiger... die finanzielle Situation ist aussichtslos!
Aus den bisher genannten Gründen kann ich ein festhalten an dem Vertrag aus Sicht des Anbieters Nachvollziehen, aber es erscheint mir nicht wirtschaftlich.
Angenommen er könnte bei sofortiger Beendigung des Vertrages ca. 20% der aktuellen Forderung bekommen. Wie würden denn die Chancen auf mehr Euros aussehen, wenn der Vertrag noch 12 Monate läuft? Also die Forderung von 300€ auf 600€ angestiegen sind zzgl. den Mahn-Inkasso-Gerichts-Rechtsanwaltskosten? Das Geld für einen jetzigen Vergleich würde von Extern kommen und ist endlich!

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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von Celestro » 26.04.19, 10:35

cherokee hat geschrieben:Angenommen er könnte bei sofortiger Beendigung des Vertrages ca. 20% der aktuellen Forderung bekommen. Wie würden denn die Chancen auf mehr Euros aussehen, wenn der Vertrag noch 12 Monate läuft? Also die Forderung von 300€ auf 600€ angestiegen sind zzgl. den Mahn-Inkasso-Gerichts-Rechtsanwaltskosten? Das Geld für einen jetzigen Vergleich würde von Extern kommen und ist endlich!
Sie brauchen hier niemanden zu überzeugen. Das Studio kann auf einen solchen "Vergleich" eingehen, oder es bleiben lassen. Stellt sich auch die Frage, wer "gehe nicht drauf ein" entschieden hat. Möglicherweise haben die Angestellten des Studios eine generelle "Order" auf so etwas NIEMALS einzugehen. Vielleicht hätte in so einem Fall aber auch der Geschäftsführer entschieden, an der kompletten Forderung festzuhalten.

Am Ende ist es aber völlig egal, denn wie gesagt ... das Studio kann drauf eingehen, muß es aber nicht.

P.S. Meine Ex-Frau hatte mal Mietschulden hinterlassen und da ich noch im Mietvertrag stand, war ich der Gelackmeierte. Erhielt ein Schreiben vom Inkassobüro mit ner Telefonnummer. Ich rief an und der Mitarbeiter bot an, die Sache mit der Zahlung von 50% der Summe abzuhaken. Es ging um etwa 750 Euro, welche ich auch ohne weiteres komplett hätte bezahlen "können". Auf den Vorschlag mit der Hälfte bin ich natürlich sofort eingestiegen. Ich bin ja nicht blöd. :wink:

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin » 26.04.19, 10:45

Wenn der Schuldner die nächsten 5-6 Jahre sowieso nicht über der Pfändungsfreigrenze verdient und außer dem Fitnessstudiovertrag weitere 15 Gläubiger hat, wieso macht er überhaupt den Versuch, die Schulden durch Vergleiche mit von Freunden/Verwandtem (geliehenem?) Geld die Schulden zu Fall zu bringen? Das ist rausgeschmissenes Geld mMn. da er sowieso nicht alle Gläubiger wegbringt und die unvermeidliche Privatinsolvenz bloß 1-2 Jahre aufgeschoben wird. Oder er krebst bis zum Rest seines Lebens am Existenzminimum mit P-Konto und Schulden rum weil er die Privatinsolvenz scheut.

Wenn der Schuldner nicht als absulutes Minimum 20% aller offenen Forderungen zusammenbekommt braucht er mit diesem Versuch der Schuldenbereinigung durch Vergleiche gar nicht erst anzufangen. Was bringt es ihm, wenn er mit den kleinsten Beträgen anfängt und 2 oder 3 Minischulden von jeweils 300 € wegbekommt? Die "großen Batzen" schleppt er weiter mit und die wachsen weiter an und werden nicht weniger.
Grüße, Susanne

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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 11:04

@Susanne, es geht hier weniger um den Schuldner als um Studiobetreiber. Ich kann nachvollziehen, dass die sich da auf nichts einlassen und es bis zum Ende durchziehen, auch wenn es dann auf 0€ hinauslaufen könnte. Obwohl auch noch entsprechnde Kosten aufgelaufen sind, die vom Anbieter getragen werden mussten.

Klar liegt die Entscheidung bei denen! Es geht mir dabei eher um die wirtschaftliche Betrachtung.

lottchen
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von lottchen » 26.04.19, 11:46

Wirtschaftlich betrachtet geht es für das Studio um 600€, die es vielleicht irgendwann mal in Zukunft bekommen wird (oder anteilig oder eben auch nicht) oder um 0€, die es bei sofortiger Vertragsbeendigung auf alle Fälle "bekommt". Welche Variante würden Sie als Studiobetreiber wählen?

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