Zugewinn

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saya
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Zugewinn

Beitrag von saya » 12.07.19, 11:20

Angenommen leben Eheleute XY in [u]Zugewinngemeinschaft[/u].
Sie haben 2 Kinder. 1 Haus auf Namen des Y (Ehemanns), je 1 Auto, je eigene Konten, einige Gemeinschaftskonten,....

Angenommen ist Y unerwartet verstorben.

Was gehören zur Erbschaft:
Da Zugewinngemeinschaft, sind die Vermögen vorher 50:50 mit X zu teilen,
sodass der Rest zur Erbschaft von Y gehört, unter den Erben zu verteilen: ?

[100-50] : 3 > Ehefrau X behält eigenen Anteil 50/100 + erbt 50/100 x 50/100 (Anteil Y)
Kind 1 und 2 erben jeweils 25/100 x 50/100 (Anteil Y)

Oder gehören Y`s Vermögen zu 100% zu Erbschaft ? (Das Haus, sein Auto, eigenes Konten, nur Gemeinschaftskonten sind mit X 50:50 zu teilen) ? :roll:

SusanneBerlin
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Re: Zugewinn

Beitrag von SusanneBerlin » 12.07.19, 11:29

Oder gehören Y`s Vermögen zu 100% zu Erbschaft ? (Das Haus, sein Auto, eigenes Konten, nur Gemeinschaftskonten sind mit X 50:50 zu teilen) ?
Ja sicher. Y ist tot, der Nachlass besteht aus seinem Vermögen.

Die Zugewinngemeinschaft hat nur Einfluss auf die Erbquote, nicht darauf welches Vermögen im Nachlass ist. In der Zugewinngemeinschaft behält jeder Ehepartner sein eigenes Vermögen. Und dieses eigene Vermögen ist dann auch der Nachlass dieser Person.

Von diesem Nachlass erhält die Ehefrau bei gesetzlicher Erbfolge 50% und die Kinder jeweils 25%. Außerdem steht der Witwe der sogenannte "Voraus" zu. Das sind sämtliche Gegenstände des gemeinsam geführten Haushalts. Wenn das Ehepaar das Auto von Y gemeinsam benutzte und es das einzige Auto der beiden war, gehört auch das Auto zum Voraus, d.h. es wird bei der Auseinandersetzung des Erbes zwischen Witwe und Kindern nicht angerechnet.
Grüße, Susanne

saya
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Re: Zugewinn

Beitrag von saya » 12.07.19, 12:06

[i]In der Zugewinngemeinschaft behält jeder Ehepartner sein eigenes Vermögen.[/i]

Von Anfang an, während der Ehe, und bis zum Tode ?

Wie ist dann bei Gütertrennung ? :roll:

Froggel
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Re: Zugewinn

Beitrag von Froggel » 12.07.19, 12:43

saya hat geschrieben:
12.07.19, 12:06
Susanne Berlin hat geschrieben:In der Zugewinngemeinschaft behält jeder Ehepartner sein eigenes Vermögen.
Von Anfang an, während der Ehe, und bis zum Tode ?
Genau so! Darum sind während der Ehe von einem Partner gemachte Schulden, sofern sie nicht von beiden unterschrieben wurden, auch nur dem einen Partner zuzuschreiben. Einzige Ausnahme bildet dabei wohl ein Kleinkredit, der für haushaltsrelevante Gegenstände gemacht wurde. Aber wenn ein Partner sich z.B. ein teures Auto kauft, haftet der andere Partner nicht mehr für die dafür gemachten Schulden.
saya hat geschrieben:
12.07.19, 12:06
Wie ist dann bei Gütertrennung ? :roll:
Zugewinngemeinschaft und Gütertrennung sind relevant bei einer Scheidung. Wird bei eine Zugewinngemeinschaft geschieden, wird der Wertzuwachs des Gesamtvermögens geteilt, egal wer den meisten Anteil daran hatte. Wird bei einer Gütertrennung geschieden, bekommt jeder nur das, was er selbst mit in die Ehe gebracht oder während der Ehe erwirtschaftet hat. Geteilt wird hier nichts, wenn es nicht anders vereinbart wurde.
Ich bin kein Jurist.
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Re: Zugewinn

Beitrag von SusanneBerlin » 12.07.19, 13:54

saya hat geschrieben:
12.07.19, 12:06
In der Zugewinngemeinschaft behält jeder Ehepartner sein eigenes Vermögen.

Von Anfang an, während der Ehe, und bis zum Tode ?
Während der Ehe sind Gütertrennung und Zugewinngemeinschaft genau dasselbe. Jeder hat und behält sein eigenes Vermögen. Der Unterschied wird erst bei der Scheidung oder im Todesfall bemerkbar.

Einfach mal das Gesetz lesen:
BGB hat geschrieben:§ 1363 Zugewinngemeinschaft

(1) Die Ehegatten leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nicht durch Ehevertrag etwas anderes vereinbaren.

(2) Das jeweilige Vermögen der Ehegatten wird nicht deren gemeinschaftliches Vermögen; dies gilt auch für Vermögen, das ein Ehegatte nach der Eheschließung erwirbt. Der Zugewinn, den die Ehegatten in der Ehe erzielen, wird jedoch ausgeglichen, wenn die Zugewinngemeinschaft endet.
http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1363.html

saya hat geschrieben:
12.07.19, 12:06
Wie ist dann bei Gütertrennung ? :roll:
Da behält auch jeder sein eigenes Vermögen.
Bei der Scheidung entfällt der Zugewinnausgleich und bei Versterben des einen Ehegatten erbt der andere ohne Testament nur 25% und nicht 50%.
Grüße, Susanne

saya
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Re: Zugewinn

Beitrag von saya » 13.07.19, 15:37

Ah so. Vielen Dank für die Erklärungen.

D.h. wenn 1 Ehepartner sehr viel mehr hat, soll er /sie während der Lebzeit schon so teilen, dass im Erbfall kein Erbschaftsteuer anfällt.

SusanneBerlin
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Re: Zugewinn

Beitrag von SusanneBerlin » 13.07.19, 17:17

Es ist auch möglich, den Zugewinnausgleich im Todesfall durchzuführen. Das über den Zugewinnausgleich erlangte Geld erhält der Ehepartner steuerfrei. Dafür muss der Längerlebende aber die Erschaft ausschlagen und das hat einige Nachteile:

1. der Zugewinnausgleich betrifft nur das nach der Eheschließung erlangte Vermögen.

2. Es ist ein reiner Geldanspruch, d.h. die Immobilien etc gehen an die Erben.

3. Da der längerlebende Ehegatte dann kein Erbe ist, geht der gesamte Nachlass an die Erben und der Witwer oder die Witwe muss den ihr zustehenden Pflichtteil und Zugewinnausgleich von den Erben herausverlangen, was sich hinziehen kann wenn man sich über die Höhe des Anspruchs nicht einig wird (Streitpotential).


Die vorzugswürdigere steuervermeidende Lösung ist daher tatsächlich, dass der Ehepartner mit dem höheren Vermögen den anderen Ehepartner bereits zu Lebzeiten Vermögenswerte übergibt.
Grüße, Susanne

saya
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Re: Zugewinn

Beitrag von saya » 14.07.19, 10:16

vielen Dank. :D :kopfstreichel:

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