Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftung?

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udek
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Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftung?

Beitrag von udek » 14.01.13, 13:26

Hallo zusammen,

angenommen Privatperson A baut ein Haus und beaufragte Architekt X mit der kompletten Planung, Zeichnungserstellung sowie Bauantrag. Mit X wurde vereinbart, dass seine Arbeit nach Baugenehmigung erledigt ist.

A benötigte für das Bankdarlehen eine Kostenberechnung von Architekt X. Dieser hat das komplette Bauvorhaben mit einer Summe von 170.000 € angesetzt. Mit dieser Berechnung wurde auch der Kredit beantragt. Es wurden von A als "Sicherheit" 10.000 € mehr beantragt, demnach 180.000 € als Kredit genehmigt.

Das ganze Bauvorhaben ist nun weit vorgeschritten, sodass sich abzeichnet, dass in Bezug auf die Kostenberechnung von X Mehrkosten in Höhe von mindestens 50.000 € anfallen.

Diese Summe muss A teurer nachfinanzieren. Daher die Frage, ob X in irgendeiner Weise in Haftung genommen werden kann oder ob er so eine Kostenaufstellung ohne jegliche Verantwortung aufstellen darf.

A hat mit X keinen schriftlichen Vertrag...

Danke für eure Hilfe

ktown
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Re: Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftun

Beitrag von ktown » 14.01.13, 14:37

Grundsätzlich bedarf es keiner Schriftform.
Solange nichts besonderes bewiesen werden kann, liegt die HOAI dem Vertrag zugrunde.

In der gängigen Rechtssprechung werden in der Phase der Kostenberechnung Toleranzen von 20-25% zugestanden.
Das macht bei Ihrem Projekt schon 42500.-EUR aus.

Für die letzten 7500.-EUR stellt sich die Frage: Wie weit sind sie von der ursprünglichen Planung abgewichen? Dies fängt von Veränderungen im Grundriss/Statik an und hört bei den Bodenbelägen auf.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Ryuk
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Re: Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftun

Beitrag von Ryuk » 15.01.13, 07:11

ktown hat geschrieben: Planung ist die Ersetzung des Zufalls durch einen Irrtum
:lol: Welch passende Signatur !

MGH
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Re: Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftun

Beitrag von MGH » 16.01.13, 10:13

Mit X wurde vereinbart, dass seine Arbeit nach Baugenehmigung erledigt ist.
Ich gehe also davon aus, das X nicht mit der Ausschreibung und Vergabe beauftragt war.
Somit könnte X auch entgegenhalten, das er durch eine detailiete Ausschreibung und Vergabe an den günstigsten Anbieter seine kalkulierten Preise hätte (annähernd) einhalten können.
Es dürfte nicht so leicht sein, nachträglich das Gegenteil zu beweisen.

Wie konkret waren die Materialien und die Ausstattung mit X vorbesprochen? Auf Grundlage der Eingabeplanung ergeben sich da bereits große Spielräume.

udek
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Re: Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftun

Beitrag von udek » 16.01.13, 10:21

Ein ganz einfaches Beispiel wären zum Beispiel die Malerarbeiten. Diese wurden von X mit 2.500 € angesetzt.
A hat sich ein Angebot von einem Maler machen lassen, welches in einer Gesamtsumme bei 11.500 € liegt.
Allein die Materialkosten übersteigen die von X angesetzte Summe schon weit, sehr weit.

Und so zieht es sich eigentlich durch fast alle Gewerke.

ktown
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Re: Kostenberechnung vom Architekten viel zu gering - Haftun

Beitrag von ktown » 16.01.13, 11:23

So einfach läßt sich das nicht vergleichen.

Das fängt bei der Qualität der Produkte an und hört beim Umfang (Vorhalten von zusätzlichen Maßnahmen wie Abkleben, Anschlußfugen usw.) auf.

In der Phase der Genehmigungsphase sind die Kostenaufteilungen noch so intransparent, dass man hier niemanden auf einzelne Gewerke festnageln kann.

Grundsätzlich werden in der Genehmigungsphase die Kosten nur bis auf die 2. Ebene der DIN 276 runtergebrochen.
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