Kosten bei Grenzvermermessung

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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Susi23
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Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Susi23 » 14.03.14, 11:58

Wer trägt die Kosten einer Grenzvermessung.

Nachbar A lässt ohne vorherige Rücksprache mit seinem angrenzenden Nachbarn B die Grenze neu vermessen.

Muss sich der Nachbar B zwingend zur Hälfte an den Kosten der Vermessung beteiligen, obwohl er vorher nicht informiert wurde ?

ralph12345
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von ralph12345 » 14.03.14, 13:30

Nein, warum auch.
Die Grenze steht schon vorher fest. Wenn A Zweifel hat und einen Vermesser bestellt, ist das sein gutes Recht, aber warum sollte er von B Kosten daür einfordern können?

ktown
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von ktown » 14.03.14, 13:58

Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.
Einzelfall wäre, wenn Nachbar B beweisbar die Grenzpunkte verändert hat.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Susi23
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Susi23 » 14.03.14, 15:37

Danke für die Antworten.

Nachbar A verweist auf § 919 BGB. Tatsächlich war wohl eine Grenzmarkierung nicht mehr auffindbar.

Aber, wie gesagt, das hätte der Nachbar A schließlich vor der Beauftragung des Vermessers dem Nachbarn B sagen können.

khmlev
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von khmlev » 14.03.14, 16:12

Susi23 hat geschrieben:Nachbar A verweist auf § 919 BGB. Tatsächlich war wohl eine Grenzmarkierung nicht mehr auffindbar.
Aber, wie gesagt, das hätte der Nachbar A schließlich vor der Beauftragung des Vermessers dem Nachbarn B sagen können.
Dann trifft doch § 919 BGB zu und demnach hat Nachbar B die Kosten anteilig zu tragen.
Gruß
khmlev
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von ktown » 14.03.14, 18:01

Nicht unbedingt:

Guckst du
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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Mueck
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Mueck » 15.03.14, 14:33

Mein Praktikum bei den Flurbereinigern liegt zwar schon 33 Jahre zurück, aber damals haben wir erst mal dort, wo der Stein hätte sein müssen, so lange mit den Fluchtstangen im Boden rumgestochert, bis es nach Stein klingt ... ;-)

Meatball
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Meatball » 13.12.16, 23:27

Hallo,

ich möchte das Thema noch mal hoch holen.

Angenommen es gibt zwischen zwei Nachbarn A + B Streitigkeiten darüber wo die Grenze verläuft weil die Grenzmarkierungen
nicht auffindbar sind. A hat das Grundstück vor 4 Jahren erworben.
A beauftragt eine Grenzvermessung um Klarheit zu erhalten.. Dabei stellt sich heraus das eine Grenzmarkierung ca. 50 cm unter der Oberfläche war, die andere
aber mal von jemandem mit einem Betonsockel übergossen wurde und nicht mehr auffindbar war.
Die Grenzmarkierungen wurden wieder sichtbar gemacht. Bei der Begehung mit dem Katasteramt stellte sich dann heraus das B mit seinem Zaun einen 30 cm
breiten Streifen von dem Grundstück von A zu seinen Gunsten abgezwackt hat.

§919 BGB sagt ja nun das bei solchen Streitigkeiten die Vermessungskosten von den Beteiligten zu gleichen Teilen zu tragen ist. Egal wer die Vermessung
beauftragt.

Warum seit Ihr dann der Meinung das dem nicht so ist, sonder derjenige der den Auftrag erteilt auch die Kosten zu tragen hat?

Gruß

Gerhart

PyramSo
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von PyramSo » 14.12.16, 00:28

Das mit "Guckst du" oben verlinkte Urteil sagt eigentlich alles Nötige, wie § 919 auszulegen ist.
Beim übersockelten Stein ist B mit dabei, beim anderen eigentlich nicht, es sei denn, die Überdeckung ist von ihm zu verantworten, wenn ich das Urteil richtig lese. Wie die Kombination beider Sachverhalte ausgehen würde, wäre ein interessantes Thema für ein neues Urteil ... Halte uns darüber auf den Laufenden :christmas

Meatball
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Meatball » 14.12.16, 05:20

Ist ja alle schön und gut.

Was mich stört ist diese Aussage. "Abmarkung des unstreitigen Grenzverlaufs zwischen den benachbarten Grundstücken der Parteien verlangen kann"

Ich störe mich an dem Begriff unstreitig.

Zwischen A + B gibt es aber Streitigkeiten über den Grenzverlauf. B behauptet die Grenze ist hier!
A ist aber der Meinung nachdem er zumindest ungefähr nachgemessen hat die Grenze ist aber hier.

Rausgestellt hat sich nach der Vermessung das A etwas falsch lag. Allerdings zu seinen ungunsten. Er hatte sich um 10 cm
zu seinen ungunsten vermessen. Spielt aber erst mal keine Rolle. Es geht darum das der Grenzverlauf streitig ist.
Und da passt das Urteil meiner Meinung nach nicht.
Abgesehen davon geht es nicht um die Freilegung von korrekt gesetzten Grenzsteinen, sondern darum das eine Grenzmarkierung gar nicht gefunden
werden konnte da sie mit Beton überbaut wurde, was ja perse schon unzulässig ist. Egal von wem das vor vielen Jahren gemacht wurde.

Gruß
Gerhart

ktown
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von ktown » 14.12.16, 08:01

Hier nochmals der Leitsatz des Urteiles:
Lässt eine Grundstücksbesitzerin mit den Jahren verschüttet, aber immer noch korrekt positionierte Grenzsteine freilegen (hier befanden sich die Steine etwas 20 bis 40 Zentimeter unter der Erde), so kann sie von ihrem Nachbarn nicht die Erstattung der Hälfte der Kosten verlangen, wenn dieser nicht für die abgesunkene Grenzmarkierung verantwortlich gemacht werden kann.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von Meatball » 14.12.16, 19:38

Das habe ich ja verstanden.
Es geht aber um eine mit Beton unzugänglich gemachte Grenzmarkierung.
Es war also gar nicht feststellbar ob sie an der richtigen Stelle ist.
Und von B wurde halt behauptet die Markierung ist an dieser Stelle, was sich dann als falsch herausstellte.

Das ist das was ich nicht verstehe.

Gerhart

ralph12345
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Re: Kosten bei Grenzvermermessung

Beitrag von ralph12345 » 15.12.16, 09:10

Dann ist doch aus ihrer Sicht klar, dass der Nachbar die Kosten mit zu tragen hat und ich meine, die Chancen dafür, dass dem so ist, stehen nicht schlecht. Zumal sich ja offenbar auch herausgestellt hat, dass der Grenzverlauf insgesamt (Zaun) einer Korrektur bedurfte.
Also den Nachbarn schriftlich auffordern zur Zahlung, nächster Weg wäre dann zum Anwalt und ggf. Klage vor Gericht. Wie das Gericht den Sachverhalt unter Kenntnis aller Details am Ende bewertet, wird hier niemand vorhersagen können.

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