Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

Moderator: FDR-Team

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Bumblebii
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Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Bumblebii »

Hallo zusammen,

wir haben vor ein paar Jahren eines unser Häuser verkauft. Die Häuser liegen hintereinander und waren nicht eingefriedet. Die Käufer wollten unbedingt einen Zaun, dafür wurde ein Ahornbaum gefällt, der genau auf der Grenze stand.

Ca. 5m weiter (genau vor unserem Haus) hat sich letztes Jahr ein Ableger ausgesät, direkt (2cm) neben dem Zaun, auf dem Nachbargrundstück. Noch stört da nichts, er ist gerademal 1,5 m hoch. Da der Baum gut 15 m hoch wird und einen dicken Stamm bekommt, wird er a.) den Zaun zerstören und b.) bis in unsere Regenrinne/Dach wachsen.

Die Eigentümer haben wir angesprochen, sie wollen den Baum solange wachsen lassen bis er stört. Vorher wird auf keinen Fall der Baum verpflanzt.
Mir ist zwar klar, dass ich die Entfernung sofort durchsetzen kann, da er lt. Gesetz NRW den nötigen Pflanzabstand nicht aufweist.

Ich bin bereit, den Baum solange stehen zu lassen bis er wirklich stört bzw. bevor der Zaun beschädigt wird. Wie sieht es mit der Rechtslage aus? Nach wie vielen Jahren muss der Baum geduldet werden?

Ganz liebe Grüße

Tastenspitz
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Tastenspitz »

Afaik 6 Jahre nach Pflanzung. Siehe §47 Nachbarrecht NRW. Ich würde das Ding gleich rupfen....
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Bumblebii
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Bumblebii »

....ich auch. Ich gehe bestimmt nicht auf fremde Grundstücke und die machen den Baum nicht weg. Der ist doch soooo schön.

Vielen Dank. 6 Jahre wird er bestimmt nicht. Der beschädigt den Zaun garantiert früher.

LG

Zafilutsche
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Zafilutsche »

Wenn der Baum 1,5 m hoch ist, kann man den idealerweise besser heute als morgen umpflanzen.
Womöglich fällt je nach Bundesland dieser Baum schon unter einer örtlichen "Baumschutzsatzung". Dann kann das Beseitigen
jedoch Probleme bereiten, selbst wenn der Baum zu dicht an Nachbars Zaun steht.

Bumblebii
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Bumblebii »

Wir brauchten keine Genehmigung und Ausgleichspflanzung bim Fällen des großen Ahorns. Lediglich an die Brut- und Setzzeit mussten wir uns halten.

Umpflanzen geht nicht, wenn die sich an den Pflanzabstand halten, ist der Baum zu nah an deren Haus.

LG

ktown
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von ktown »

Also bei 1,50m Höhe hat der Baum schon mind. 2-3 Jahre hinter sich. Da würde ich nicht all zulange warten oder mit dem Nachbarn was schriftlich vereinbaren. Ruckzuck sind die 6 Jahre rum.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Bumblebii
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Bumblebii »

Nein, der hat sich letztes Jahr erst selbst gesetzt. Der "Mutterbaum" ist vor zwei Jahren gefällt worden. Noch immer keimen ab und an die Samen. Bisher nur bei uns auf dem Grundstück. Ich ziehe die Pflänzchen samt Wurzel direkt raus.
Als ich die Pflanze letztes Jahr gesehen habe war sie ca. 10cm groß. Ich habe direkt gebeten diese zu entfernen da es ein 15m Baum wird. Ich bekam die Antwort mit dem Abwarten bis ....

Mittlerweile reden die weder mit uns noch mit den anderen Nachbarn.
Dieses Jahr, als der Ahorn schon 1m war, habe ich schriftlich um Entfernung gebeten (Grenzabstand, zu erwartende Schäden). Das war Anfang April, die ignorieren das. Der Baum wird gedüngt und gegossen, er hat sich die letzten Wochen extrem in Höhe und Breite entwickelt.

Das Haus soll verkauft werden. Wir hoffen, da findet sich schnell ein netter Käufer. Daher die Frage bezüglich der Zeit. 6 Jahre sind genug, der wird schon früher Schaden anrichten.

Oktavia
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Oktavia »

Wichtig wäre hier zu wissen, um welches Bundesland es geht. Auch wenn sich die Gesetze ähneln, gibt es oft wichtige Abweichungen.
In Niedersachsen müsste ein Baum von 1,2-2m Höhe mindestens 50 cm von der Grundstücksgrenze entfernt stehen. Bei der zu erwartenden Höhe von 15 m wären es 3m, bei über 15 m sogar 8m...
Der Mindestabstand bei Bäumen und Sträuchern bis 1,2 m beträgt 25 cm. Gemessen wird ab Mitte Stamm.

Wäre der Ort in Niedersachsen, könnte bei 1,5 m und 2 cm Abstand jetzt sofort geklagt werden. Wartet man zu lange damit, gibt es kein Recht mehr dagegen vorzugehen.

Vielleicht sollte man den Nachbarn mal ganz sachlich sagen/besser schreiben was auf sie zukäme wenn sie stur blieben. Da wären auf der einen Seite z.B. Gerichtskosten und auf der anderen Seite Kosten für den kaputten Zaun und ggf Beschädigungen auf dem Grundstück der Nachbarn.
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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ktown
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von ktown »

Oktavia hat geschrieben:Wichtig wäre hier zu wissen, um welches Bundesland es geht.
Könnte eventuell
Bumblebii hat geschrieben:da er lt. Gesetz NRW den nötigen Pflanzabstand nicht aufweist.
NRW sein! :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Bumblebii
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Re: Nachbarschaftsrecht Grenzbepflanzung

Beitrag von Bumblebii »

Ja, NRW.
Ich kenne das Gesetz NRW, ich weiß, dass der Baum mind. 3m Grenzabstand haben muss und das er nicht unter Artenschutz steht. Mir ging es nur um die Zeit, bevor ich da was versäume.

Ich möchte gar nicht klagen, leider hilft Reden und Schreiben nichts. Die reagieren nicht. Andere Nachbarn haben gerichtlich erwirkt, das die 2,20m Einfriedung, die während deren Urlaub ohne Absprache gebaut wurde, abgerissen werden muss und der vorherige 1,40m Drahtmattenzaun wieder errichtet werden muss. Da ist noch nichts passiert obwohl die Frist abgelaufen ist.

Wenn alles glatt läuft haben die einen Käufer. Mit diesem haben wir schon gesprochen hauptsächlich wegen des Wegerechts. Das bleibt wie es ist, er wünscht keine Sonderregelungen und der Baum kommt sofort weg.

Was mich zwar nichts angeht aber brennend interessiert: wie wäre die Rechtslage, wenn jemand eine Immobilie erwirbt, wo 2 Nachbarn bereits ihre Klagen gewonnen und noch 3 Klagen "in Bearbeitung" sind, muss der neue Eigentümer dann die Mängel beheben und auch die Kosten dafür tragen?

LG

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