Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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timo_jessi
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Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von timo_jessi » 04.04.17, 12:03

Hallo,

ich habe vor 3 Jahren ein Grundstück gekauft worauf sich ein saniertes Bestandsgebäude (Genzbebauung) befindet. Mein Nachbar baute vor ca. 15 Jahren eine Garage auf seiner Seite an, die unmittelbar an das Nebengelass angrenzt. Zwischen beiden Gebäuden ist eine ca. 7cm große Lücke. Das Mauerwerk des Bestandsgebäudes nimmt durch den fehlenden Lückenschluss Schaden.
Mein Nachbar verbot mir diese Lücke zu schließen und möchte diese selbst auch nicht schließen.

Meine Frage: Habe ich ein Recht darauf, dass diese Lücke vom Nachbarn geschlossen wird? Gibt es hier eine Verjährung? Falls eine Verjährung greift, habe ich ein Recht darauf diese Lücke selbst zu verschließen?

im Brandenburgisches Nachbarrechtsgesetz finde ich folgendes:
§ 18
Errichten einer zweiten Grenzwand

(1) Wer eine Grenzwand neben einer schon vorhandenen Grenzwand errichtet, ist verpflichtet, die Fuge zwischen den Grenzwänden auf seine Kosten auszufüllen und zu verschließen, falls dies den allgemeinen Regeln der Baukunst entspricht und der Baugestaltung nicht widerspricht.
(2) Der Erbauer der zweiten Grenzwand ist berechtigt, auf eigene Kosten durch übergreifende Abdeckungen einen Anschluß herzustellen; er hat den Anschluß auf seine Kosten zu unterhalten.

Vielen Dank

ktown
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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von ktown » 06.04.17, 19:31

timo_jessi hat geschrieben:Habe ich ein Recht darauf, dass diese Lücke vom Nachbarn geschlossen wird?
Na die Frage haben sie sich ja schon beantwortet.
timo_jessi hat geschrieben:Gibt es hier eine Verjährung?
Steht eine im Nachbarrechtsgesetz drin? Ich denke nein :wink:
timo_jessi hat geschrieben:habe ich ein Recht darauf diese Lücke selbst zu verschließen?
Theoretisch kann es ihnen keiner verbieten. Jedoch sollte geklärt sein, wieso der Nachbar dies nicht will. Es könnte sein, dass es zwingende Gründe gibt, wieso er diese nicht schließen kann.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

timo_jessi
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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von timo_jessi » 07.04.17, 10:08

Vielen Dank ktown,
ktown hat geschrieben:wieso der Nachbar dies nicht will. Es könnte sein, dass es zwingende Gründe gibt, wieso er diese nicht schließen kann.
Er ist gegen alles :roll:
er hat nur "Feinde"
er ist eine mit sich und der Welt unzufriedene Person

timo_jessi
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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von timo_jessi » 19.04.17, 08:19

Nach Rücksprache mit einem Anwalt ist er dazu verpflichtet.
Ich muss ihn schriftlich mit Fristsetzung dazu auffordern (hab ich bereits 2 mal schriftlich plus ca. 10 mal mündlich), wenn er nicht reagiert, dann zur Schlichtungsstelle -> wenn hier nichts passiert (also er nicht erscheint oder der Aufforderung nachkommt), kann ich zum Gericht mit der Angelegenheit.

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Ohne Anwalt vor Gericht möglich?

Beitrag von timo_jessi » 19.04.17, 08:46

ich werde leider den Weg über ein Gericht gehen müssen um meinen uneinsichtigen Nachbarn zur Beseitigung des Mangels zu bewegen.
Ich möchte dies im Alleingang machen, da der Sachverhalt und die Rechtslage eindeutig sind und sogar von der Seite seines Anwalts der Anspruch auf Beseitigung besteht.

Ich würde im ersten Schritt zu einer Schiedsstelle gehen wozu der Nachbar auch geladen wird. Vermutlich wird er nicht erscheinen bzw. weiterhin uneinsichtig sein.

Eine Anwältin mit der ich telefoniert habe meinte ich kann dann im Alleingang vor Gericht gehen und Klage einreichen.

Habe ich als "privater" Kläger bei Erfolg Anspruch auf:

Erstattung von Lohnausfall?
Auferlegen aller Kosten der gegnerischen Seite?
Aufwandsentschädigung (pauschal Schriftverkehr usw.)?
Zuletzt geändert von timo_jessi am 19.04.17, 09:32, insgesamt 1-mal geändert.

ktown
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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von ktown » 19.04.17, 08:56

Dafür bedarf es keines extra Threads. Daher habe ich mal beide zusammen geführt.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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Re: Ohne Anwalt vor Gericht möglich?

Beitrag von SusanneBerlin » 19.04.17, 11:16

timo_jessi hat geschrieben:Habe ich als "privater" Kläger bei Erfolg Anspruch auf:
Erstattung von Lohnausfall? Nein.
Auferlegen aller Kosten der gegnerischen Seite? Porto, Drucker- und Kopierkosten, Anfahrt zur Gerichtsverhandlung (Spritkosten oder Fahrkarte)
Aufwandsentschädigung (pauschal Schriftverkehr usw.)? Nein.
Grüße, Susanne

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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von timo_jessi » 22.06.17, 13:08

Der aktuelle Stand zu dem Thema ist jetzt so:

Mein 70 Jahre altes Bestandsgebäude wird als ehemals "abbruchreifer Hühnerstall" bezeichnet, den ich angeblich hätte wegreißen wollen. Jetzt, wo die Wände neu verputzt und gestrichen wurden, das Dach saniert wurde und die Fenster ausgetauscht wurden heißt es, das Gebäude wurde um und ausgebaut (Anm.: es wurden weder Wände noch die Nutzung geändert oder in irgendeiner Weise etwas angebaut).
Die Aufgestellte Behauptung ist jedenfalls jetzt so "Ich habe ein neues Gebäude erschaffen und somit dieses an seine Garage angebaut".
Jegliches Betreten seines Grundstückes für Sanierungsarbeiten wurde mir untersagt.

Was geht in einem solchen Menschen vor?
Was empfiehlt ihr? Schlichtungsstelle oder den Weg über einen Anwalt?

ktown
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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von ktown » 22.06.17, 17:42

Es empfiehlt sich nur einen Thread für diesen fiktiven Fall zu benutzen und schlussendlich wird dringend angeraten sich anwaltlich beraten zu lassen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Verjährung fehlerhaft ausgeführter Anbau an Grenzwand

Beitrag von SusanneBerlin » 22.06.17, 18:50

Eine Anwältin mit der ich telefoniert habe meinte ich kann dann im Alleingang vor Gericht gehen und Klage einreichen.

Habe ich als "privater" Kläger bei Erfolg Anspruch auf:

Erstattung von Lohnausfall?
nein
Auferlegen aller Kosten der gegnerischen Seite?
Kommt darauf an

Aufwandsentschädigung (pauschal Schriftverkehr usw.)?
Nicht pauschal, und nicht für den Zeitaufwand, bloß für tatsächlich entstandene Kosten.

Bitte auch mal hier lesen:
Kosten geltend machen bei Selbstvertretung ohne RA
Grüße, Susanne

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