Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

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Badbau
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Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von Badbau » 07.07.17, 09:09

Erst mal ein freundliches Hallo an alle Nutzer des Forums!

Ich bin neu hier und habe schon oft Beiträge gelesen, wenn ich ein Problem hatte. Auch diesmal habe ich versucht ein ähnliches Thema zu finden, habe ich aber nicht, deshalb bitte ich jetzt um Hilfe.

Ich habe meine Eigentumswohnung vor Einzug von einer Firma "sanieren" lassen, also Renovierungsarbeiten und ein neues Bad, sowie noch andere Kleinigkeiten. Hat soweit auch gut alles geklappt, wurde ordentlich gearbeitet und Termin gehalten.
Zur Übergabe bin ich mit dem Chef durch die Wohnung gegangen und ich war zufrieden. Habe dann die Schlussrechnung auch bezahlt. Es wurde dann vereinbart, noch eine Arbeiten auszuführen, die auch ausgeführt wurden. In der Schlussrechnung standen nicht die zusätzlichen Arbeiten, die während der Sanierung und nach der Abnahme vereinbart wurden.

Nun habe ich eine Rechnung bekommen über die zusätzlichen Arbeiten, die so nicht richtig war. Das habe ich bemängelt. Gleichzeitig war mir in den letzten Tagen augefallen, dass das Vorwandelement im Bad für die Toilette 10 cm breiter ist, als in der Präsentationszeichnung (so nennt die Firma die Zeichnung, die sie als Grundlage zur mitbrachte, damit ich mir vorstellen kann, wie das Bad dann aussehen wird. In dieser Zeichnung sind Maße, danach hätte die Wand 10 cm kürzer sein müssen). Ich wollte links und rechts neben das aschbecken einen Handtuchhaken, ist so in der Zeichnung auch vorgesehen, das geht nun nicht.
Ich habe der Firma mitgeteilt, dass ich das als erheblichen Mangel empfinde und dieser nicht mehr zu beheben ist. Gleichzeitig habe ich einen Nachlass gefordert. Diesbezüglich hat der Chef mir keine genaue Aussage getroffen, aber doch zu verstehen gegeben, dass dies möglich ist. Dies empfinde ich als Zusage einen Nachlass zu gewähren.

Nunmehr habe ich eine geänderte Rechnung bekommen, von mir bemängelte Positionen wurden bereinigt, ein Nachlass wurde gewährt. Dieser bezieht sich auf 2% der Schlussrechnung Netto, ohne Rechnung der Zusatzarbeiten, also im Klartext knapp 500 euro Netto. Die Rechnung habe ich noch nicht beglichen.

Ich empfinde diese Summe für diesen Mangel viel zu wenig, da ich ja nun nicht mehr die Handtuchhaken links und rechts vom Waschbecken anbringen kann, sondern nur rechts. Die Vorsatzwand ist nach Aussage des Hanwerkers 10 cm breiter geworden, da der Mindestabstand Toilette zur Wand eingehanten werden musste und der Toilettenanschluss so angelegt war. Damit die Toilette (Wand hängend) nun in der Mitte der Vorsatzwand sitzt, wurde diese 10 cm breiter.

Meine Frage, welchen Nachlass kann ich fordern und gibt es eine Berechnungsgrundlage dazu? Ich bin für jede Aussage zu diesem Thema dankbar.

Pirate
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von Pirate » 07.07.17, 09:36

Das scheint mir ein ausreichender Nachlass angesichts dessen, dass DIN-Normen eingehalten wurden. Ansonsten gäbe es Beschwerden, dass man sich beim Toilettengang die Knie an der Wand stößt bzw man dort nicht gescheit sitzen kann.

Unabhängig davon dürfte ein Handtuchhaken auch an dem Vorwandelement befestigt werden können.

BäckerHD
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von BäckerHD » 07.07.17, 09:43

Forden kann man viel!

Badbau
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von Badbau » 07.07.17, 09:54

Vielen Dank für die schnellen Antworten.

Ich habe auch schon versucht die zutreffende DIN zu finden. Bin auf Grenzabmaße von Bauteilen nach DIN 18202 gestossen. Werde aber erhrlich gesagt nicht ganz schlau aus dem Inhalt. Ich verstehe das so, dass eine Wand bis 3m Länge eine Differenz von 12 mm haben darf.

ktown
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von ktown » 07.07.17, 10:01

Schauen sie mal hier ab Seite 9
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Badbau
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von Badbau » 07.07.17, 11:40

Vielen Dank für den Tipp.

Alle Mindestmasse wurden eingehalten, wären aber auch eingehalten worden, wenn die Vorwand 10 cm kürzer gewesen wäre.

Der Handwerker meinte, wenn die Wand nur 70 cm wäre, würde das WC nicht in der Mitte sitzen und das wäre optisch nicht schön. Hab jetzt verstanden warum, er muss ja einen Abstand Mitte Wc zur Wand von 40 cm einhalten.

Hätte er mir dies nicht mitteilen müssen und dann hätte ich mich entscheiden können?
Mich ärgert es doch sehr, zwischen WC und Waschbecken keine Handtuchstange anbringen zu können. Ich weiss, soetwas liegt immer im Auge des Betrachtes.
Ich habe nachgelesen, dass sich die Minderungssumme einer Handwerkerrechnung auf den Schaden bezieht, der enstanden ist. Für mich ist das ein Schaden. Ich weiss aber nicht, was ich als Minderungsansatz zu Grunde legen könnte. Gibt es dazu irgendwie eine Hilfe, wie man das festlegen kann?

Ich habe mich im Eifer des Gefechtes auch bei der Summe des Nachlasses geirrt. Die 2% betragen 400 Euro.

ralph12345
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von ralph12345 » 10.07.17, 09:52

Es ist immer eine Abwägung, ob man als Handwerker für jede kleine Entscheidung den Kunden fragt, unter Umständen wird man dann nie fertig oder muß dem Kunden zusätzliche Stunden Wartezeit für die Entscheidung in Rechnung stellen, wenn der dann noch mal schnell vorbeikommen will. Sofern das eine nachvollziehbare Entscheidung war und die korrekt und sauber ausgeführt wurde, finde ich das schon grenzwertig, da eine Rechnung zu kürzen. Und dann über 400€ Nachlass auch noch zu jammern. 50€ hätten es auch getan. Eine fest definierte Summe gibt es nicht, das ist Verhandlungssache. Hilfreich ist die Frage, was es kosten würde, das so anzupassen, wie es hätte sein sollen.

Was mich mehr wundert sind 20.000€ für eine Badsanierung.

Badbau
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von Badbau » 10.07.17, 12:03

Nachträglich anpassen ist ja nur mit einem riesen Aufwand möglich. Dann müssten alle Fliesen an der Stelle runter, der Kasten gekürzt werden und dann alles wieder verfließt werden. Das würde bestimmt weit mehr als 400 Euro kosten. Und dann wieder der Dreck. Das einzige was mich trösten würde, die Wohnung hat noch ein zweites Bad mit Dusche und WC, welches ich aber nicht erneuern ließ.

Nicht die Badsanierung hat 20.000,00 Euro gekostet, sondern die Arbeiten in der ganzen Wohnung. Ich hatte einen Auftragnehmer und der hat alle Gewerke rangeholt und mir ein Angebot über die kompletten Arbeiten, unterteilt in die einzelnen Gewerke, erstellt und sich um alles gekümmert. War also alles dabei, Maler, Elektriker, Fliesenleger, Sanitär, Heizung, Fensterbauer und Glaser.

Jetzt habe ich ein neues Problem, die Duschabtrennung der Dusche ( 2 Schwenktüren ) ist nicht ganz dicht. Die Firma kommt nun nochmal vorbei um das nachzubessern. Ich hoffe, die bekommen das ganz dicht, sonst habe ich ja da noch einen Mangel.

BäckerHD
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Re: Maßungenauigkeit im Bad - Kann ich Nachlass fordern?

Beitrag von BäckerHD » 10.07.17, 12:10

Badbau hat geschrieben:Nicht die Badsanierung hat 20.000,00 Euro gekostet, sondern die Arbeiten in der ganzen Wohnung.
Immerhin auf den Cent genau...! :roll:

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