Bepflanzung in B-Plan

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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cuto8
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Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von cuto8 » 19.06.18, 09:19

Hallo zusammen,

ein B-Plan enthält folgende Festsetzung:
6. Planungen und Nutzungsregelungen zur Anpflanzung und zum Erhalt von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen (§ 9 Abs. 1 Nr. 25 BauGB)
6.1 Anpflanzung von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen
6.1.1 Anlage einer baumbetonten Gehölzpflanzung auf der privaten Grünfläche

Fachgerechte Anpflanzung, Pflege und dauerhafte Erhaltung einer Baumreihe mit standortgerechten, heimischen Laubbäumen. Der Pflanzabstand beträgt 10,0 m. Zusätzlich ist eine mindestens zweireihige Strauchhecke mit standortgerechten, einheimischen Sträuchern anzupflanzen, zu pflegen und dauerhaft zu unterhalten. Der Pflanzabstand beträgt 1,5 m in und zwischen den Reihen. Bestehender Gehölzbestand kann angerechnet werden.
6.1.2 Anlage einer Strauchhecke innerhalb der Baugebiete des WA 2
Entsprechend der Festsetzung im Plangrundriss ist innerhalb der Flächen eine zweireihige Strauchhecke mit standortgerechten, einheimischen Sträuchern anzupflanzen. zu pflegen und dauerhaft zu unterhalten. Der Pflanzabstand beträgt 1,5 m in und zwischen den Reihen. Bestehender Gehölzbestand kann angerechnet werden.
6.1.3 Pflanzung von Straßenbäumen
Straßenbegleitend sind einreihig entlang der Planstraße A mindestens 65 und entlang der Planstraße B mindestens 15 standortgerechte Laubbäume (Stammumfang mind. 18 — 20 cm in 1,0 m Höhe) in einem regelmäßigen Abstand fachgerecht zu pflanzen und dauerhaft zu erhalten. Bestehender Gehölzbestand kann angerechnet werden. Abgängiger Baumbestand ist zu ersetzen.
Muss ein Käufer eines Grundstücks im Baugebiet WA 2 (nicht an Planstr. A) auf seinem Grundstück jetzt zwingend Bäume und Sträucher pflanzen oder sind das die Vorgaben falls er welche pflanzen möchte? Falls er die pflanzen muss: Wo auf dem Grundstück sind die dann zu pflanzen?

ktown
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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ktown » 19.06.18, 09:37

cuto8 hat geschrieben:Muss ein Käufer eines Grundstücks im Baugebiet WA 2 (nicht an Planstr. A) auf seinem Grundstück jetzt zwingend Bäume und Sträucher pflanzen oder sind das die Vorgaben falls er welche pflanzen möchte?
Die textliche Festsetzungen sind grundsätzlich bindend und können von den Behörden eingefordert werden.
cuto8 hat geschrieben:Wo auf dem Grundstück sind die dann zu pflanzen?
Also entweder sagt der Plan diesbezüglich etwas oder man setzt die Reihe der Nachbarn fort. Oftmals hilft es auch, sollte man der erste im Gebiet sein, die Baubehörden zu fragen. :wink:
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ralph12345
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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ralph12345 » 19.06.18, 12:00

Etwas off Topic..
Bei uns im Baugebiet ist mit Sicherheit viel Steuergeld geflossen, um einen sehr umfangreichen Textteil zu schreiben, warum das was an Tieren und Pflanzen gelebt hat und was da zu pflanzen ist. Die Pflanzliste ist bindend. Dranhalten tut sich kaum einer, die typischen Thuja und Kirschlorbeer Hecken sind verboten aber trotzdem allgegenwärtig. Aber Hauptsache, es gibt mal ne Vorschrift.

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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ktown » 19.06.18, 12:12

ralph12345 hat geschrieben:Dranhalten tut sich kaum einer, die typischen Thuja und Kirschlorbeer Hecken sind verboten aber trotzdem allgegenwärtig.
Das ist aber letztlich ein Problem der Verwaltung. Die will einen unproblematischen Tagesablauf und haben vielfach absolut keine Kenntnis darüber, was in den B-Plänen drin steht. Da ist die Person, die am erstellen de B-Planes beteiligt war eine Andere wie die, die den Bauantrag absegnet und wiederum eine Andere, die letztlich den Tagesbetrieb bewältigen muss.

Es kann aber auch anders ausgehen.
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cuto8
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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von cuto8 » 19.06.18, 17:54

In besagtem B-Plan geht es tatsächlich um die hintere Grundstückgrenze, wobei an anderer Stelle auch darauf hingewiesen wird, dass der Vorgarten beginnt sein muss. Was ich aber auch selber wollen würde.
Die Frage ist jetzt noch, wie ich mir eine zweireihige Strauchhecke vorstellen darf. Und warum die Südausrichtung unbedingt alle 10m von einem Baum beschattet werden muss.

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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ktown » 19.06.18, 18:08

cuto8 hat geschrieben:Und warum die Südausrichtung unbedingt alle 10m von einem Baum beschattet werden muss.
Weil Bäume Kronen bekommen und technische Regeln diesen Abstand empfehlen, damit die Bäume einen gesunden Wuchs bekommen.
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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.18, 18:12

cuto8 hat geschrieben:Die Frage ist jetzt noch, wie ich mir eine zweireihige Strauchhecke vorstellen darf.
Wissen Sie das echt nicht? Es soll halt nicht nur eine Reihe gepflanzt werden, sondern 2 Reihen hintereinander.


Eine Reihe:
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .





Zweireihig:
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .




Die Punkte sind jeweils die Stellen, wo der Strauch aus dem Boden wächst. Eine zweireihige Hecke ist tiefer und dichter als eine einreihige.
Grüße, Susanne

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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ktown » 19.06.18, 18:23

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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ralph12345 » 20.06.18, 10:18

cuto8 hat geschrieben:Die Frage ist jetzt noch, [...] Und warum die Südausrichtung unbedingt alle 10m von einem Baum beschattet werden muss.
Der B-Plan versucht, den Eingriff in die Natur durch die Bebauung zu minimieren bzw. durch die Anpflanzungen ein Stück weit zu kompensieren. Wenn die in Südausrichtung liegende Terrasse davon beschattet wird, ist das für den Anwohner schade, aber nochmal 20m vor dem Haus alles frei von Bäumen zu halten um das immer zu vermeiden, würde bedeuten, dass wir in Städten quasi keine Bäume mehr hätten. Im übrigen werfen Bäume im Sommer nur kurze Schatten, wenn die Sonne hoch steht und im Winter haben sie kein Laub. Und es müssen nicht immer 20m hohe 500 Jahre alte Eichen sein, die meisten Bäume bleiben ja doch eher kleiner.

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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von Azik » 20.06.18, 21:19

ralph12345 hat geschrieben:Etwas off Topic..
Aber Hauptsache, es gibt mal ne Vorschrift.
Das wird wohl daran liegen, dass Baubehörden oftmals wichtigeres zu tun haben, als Grundstückseigentümer mit Verwaltungsverfahren und ggf. Gerichtsverfahren dazu zu zwingen, Hecken zu pflanzen. Man könnte auch sagen, die Personalaustattung lässt das nicht zu.

Warum man dann derartige Dinge in einen Bebauungsplan schreibt, hat wohl vielfältige Gründe.
Oftmals macht z.B. eine Gemeinde einen Bebauungsplan, das Landratsamt ist aber für die Bauaufsicht zuständig.
Auch innerhalb der gleichen Verwaltungsbehörde (z.B. kreisfreie Stadt) sind die, die einen B-Plan erstellen, nicht zur Durchsetzung zuständig. Dipl. Stadtplaner haben typischerweise gar nicht die Ausbildung derartige Verwaltungsverfahren gegen einzelne Eigentümer durchzuführen.
Auch die Politik kommt ins Spiel. Die beschließt z.B. gerne einen Bebauungsplan im Stadtrat, der ein stark eingegrüntes Baugebiet vorsieht. Die Zwangsmaßnahmen gegen die eigenen Bürger (Wähler) mit den dazugehörigen Beschwerden, Gerichtsverfahren usw. sind dann deutlich weniger populär.

ralph12345
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Re: Bepflanzung in B-Plan

Beitrag von ralph12345 » 21.06.18, 09:12

Ja, die Gründe sind vielfältig. Die Ärgernisse darüber auch.

Zum einen die Verschwendung von Steuergeldern, wenn mit viel Aufwand ein hundert Seiten starker Textteil erarbeitet wird, wo Käfer, Fledermäuse und was weis ich nicht akribisch aufgelistet werden, um dann festzulegen, was da gepflanzt werden soll, der ganze Aufwand ist vergebens, wenn die Umsetzung nicht eingefordert wird.

Zum anderen die Erwartungshaltung von Nachbarn und Anwohnern. Die Alteingesessenen nehmen Einsicht in die Pläne und beschließen, da keinen Widerspruch einzulegen, weil das alles ganz toll werden soll und am Ende hält sich dann keiner an den Plan. Und ein Käufer genauso, da kauft man ein Grundstück in Erwartung, dass da alles schön grün wird und am Ende guckt man auf Carports und gepflasterte Zufahrten. Forderung B-Plan: GRZ 0,3, max 0,45 durch Terrassen und Zuwegung, dann aber alle Nebengebäude wie Carports mit begrüntem Dach. Ist Zustand: GRZ bei 0,9, kein Grün auf Schuppen, Carport und co. Aber Hauptsache beim Bauantrag wird die Papierlage geprüft.

(Ist auch etwas blödsinnig, auf 500 m² Grund eine Doppelhausbebauung zuzulassen, je Hälfte einen Stellplatz zu fordern und dann die Baulinie so zu ziehen, dass der Carport weit hinten stehen muss, weshalb dann vorne alles als Zufahrt gepflastert wird... von den 250 m² bleiben ca 20 m² grün. Aber wem's gefällt....)

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