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recht.de • Thema anzeigen - Grenzwert Lärm nachts im ländlichen Gebiet?
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BeitragVerfasst: 29.10.18, 10:50 
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Beiträge: 49
Ein ehemaliger Stadtbewohner, nennen wir ihn mal Willi, ist mit seiner Frau auf das Land gezogen, um endlich Ruhe zu bekommen. Vorher hat er an einer sehr belebten Hauptstraße gewohnt und reagiert nun ziemlich allergisch auf Lärm. Die Suche nach dem neuen Heim richtete sich auch danach aus: Keine Hauptstraßen in der Nähe, ländliche Ackerflächen so sehr begrenzt wie es geht, keine Gastwirtschaft, Kinderbetreuung oder sonstiger Gewerbebetrieb in der Nähe etc.

Nun hat Willi ein Jahr prima dort gewohnt, als eines nachts plötzlich der Lärm begann. Bei geöffnetem Schlafzimmerfenster, wo man sonst nur das Blätterrauschen hörte, hörte man nun fortan jede Nacht und oft auch am Tage Maschinenlärm. Ungefähr so laut, als wenn ein Traktor auf dem Nachbargrundstück umpflügt.

Er machte sich auf dem Weg zum Verursacher und stellte fest, dass es eine Kartoffeltrockungsanlage ist. Direkt davorstehen hat er ca. 90 dB/A gemessen, durchgehendes Motorengeräusch. Die Lüftung ist ziemlich genau auf sein Wohnhaus ausgerichtet. Die Entfernung (Luftlinie) sind zwar fast 600 Meter, aber dadurch, dass dazwischen fast nichts ist, was den Lärm aufhält, kommen ca. noch 40 db/A in seinem Schlafzimmer an.

Laut dem Betreiber wird die Anlage bis in das Frühjahr hinein laufen... Es stellt sich hier jetzt die Frage, ob es nicht Grenzwerte gibt, wie laut solch eine Anlage sein darf, die nachts betrieben wird. Auch, wenn dies auf dem Lande ist, muss es hier doch Obergrenzen geben.

Gesprochen hat er mit dem Betreiber schon, aber der zeigt sich wenig kooperativ.

Wie kann Willi nun dagegen vorgehen? Oder ist er da völlig machtlos?


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BeitragVerfasst: 29.10.18, 11:14 
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FDR-Moderator

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Beiträge: 19468
Wohnort: Auf diesem Planeten
Solch eine Anlage muss eine Betriebsgenehmigung haben. Es wäre also hilfreich die örtliche Bauverwaltung mal zu fragen, ob diesbezüglich was vorliegt.
Für alles andere bedarf es eines Anwaltes und eines Sachverständigen, der gemäß BImSchV Messungen durchführt.

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BeitragVerfasst: 29.10.18, 12:21 
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Registriert: 03.03.18, 23:34
Beiträge: 1036
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, welchen Gebietscharakter gemäß BauNVO das betreffende Gebiet hat, also ob es ein Reines Wohngebiet, ein Allgemeines Wohngebiet, ein Mischgebiet oder gar ein Industriegebiet ist. Maßgeblich ist nicht der Gebietscharakter des Gebietes in dem die lärmerzeugende Anlage steht, sondern der Gebietscharakter des Gebietes in dem Willis Haus steht.

In einen Reinen Wohngebiet wären nachts (zwischen 22 und 06 Uhr) nicht mehr als 35 dB(A) zulässig, in einem Allgemeinen Wohngebiet nicht mehr als 40 dB(A) und in einem Mischgebiet nicht mehr als 45 dB(A). Zu messen wäre gemäß der TA Lärm 50 cm vor einem geöffneten und der Lärmquelle zugewandten Fenster der der Lärmquelle nächstgelegenen Wohnbebauung. Es muß also ausdrücklich nicht Willis Haus sein, sondern wenn es Wohnhäuser gibt, die der Anlage näher stehen, ist das der Anlage naheste davon als Meßort zu nehmen. Zu messen ist wie erläutert nicht im Zimmer, sondern außen.

Standardfenster (Isolier- oder Wärmeschutzverglasung) haben meist Schalldämmwerte von 30 bis 32 dB(A), sollten die genannten 40 dB(A) - eine korrekte Messung unterstellt - bei geschlossenem Fenster im Schlafzimmer ermittelt worden sein, so müßte außen vor dem Fenstern ein Lärmpegel von deutlich über 70 dB(A) bestehen, dieser wäre nachts nicht zulässig, selbst wenn man die für Willi ungünstigste annehmbare Konstellation unterstellen wollte, nämlich, daß er in einem Mischgebiet wohnt. Wurden die 40 dB(A) hingegen bei offenem Fenster im Zimmer gemessen, ist das kein brauchbarer Wert und die Messung müßte nach den Vorschriften der TA Lärm wiederholt werden.

_________________
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.


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