Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

Moderator: FDR-Team

ralph12345
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von ralph12345 » 29.01.19, 17:58

Wenn ich die Posts so lese, scheinen sie zu meinen, dass die Abstandsflächen das Nachbargebäude (den illegal errichtete Wintergarten) schützen und wenn das nicht da wäre, wäre alles ok. Das trifft den Sachverhalt nicht. Abstandsflächen gehen vom zu bauenden Gebäude selbst aus. Wenn Sie auf ihrem Gundstück bauen, braucht das neue Gebäude eine Abstandsfläche. Grob gesagt, einen 3m breiten Rahmen um das Gebäude herum. Die Abstandsflächen müssen auf ihrem eigenen Grundstück liegen, anderenfalls benötigen sie die Zustimmung des Nachbarn. Das hat erst einmal überhaupt nichts damit zu tun, ob auf dessen Grund schon etwas steht. Auch ohne den Schwarzbau kämen sie ohne Zustimmung nicht zum Ziel.

Wenn sie sich durch den Schwarzbau ihn ihren Rechten verletzt sehen, können sie dagegen vorgehen, aber das führt nicht dazu, dass ihr Bau damit automatisch genehmigt wird.

Etienne777
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von Etienne777 » 30.01.19, 00:11

Abstandsflächen sind nur dann ausnahmsweise nicht einzuhalten, wenn die kommunale Planung aus städtebaulichen Gründen eine zusammenhängende Häuserzeile erreichen will. Ansonsten gelten die (mindestens) 3 m ab Grenzlinie, oder, falls Baulasten zur Übernahme nachbarlicher Abstandsflächen auf dem Grundstück ruhen, sogar noch mehr.

Ich habe ja schon wiederholt versucht zu verdeutlichen, daß aus dem Vorhandensein des Schwarzbaus nichts Anderes folgt. Ein unerschütterlicher Grundsatz unseres Rechts ist es, daß es keine Gleichheit im Unrecht gibt. Nur weil ein Anderer zu schnell fährt und nicht herausgewunken wird, habe ich keinen Anspruch darauf, auch ungeschoren davonzukommen. Nur weil ein anderer rechtswidrig gebaut hat, habe ich keinen Anspruch darauf meinerseits ebenfalls rechtswidrig zu bauen. Kein Gericht der Welt verurteilt die Baubehörde etwas zu genehmigen, das gegen geltendes Recht wäre. Es gibt nur einen einzigen möglichen Weg, den eines Deals mit dem Nachbarn. Wenn das partout nicht geht, dann gibt es exakt null Wege.
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m34
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Mobiler Anbau bzw. Vorbau

Beitrag von m34 » 30.01.19, 00:34

Hallo,

folgende Situation: Bei einem Reihenhaus mag der Nachbar nicht seine Zustimmung für einen Vorderanbau mit WC geben.

Vielleicht eine ungewöhnliche Idee, aber vielleicht ja doch möglich:
Angenommen, man stellt einen mobilen Anhänger (Bauart ähnlich Verkaufsstand) direkt an die Wand des Wohnhauses (inkl. Dichtung). Entfernt die Tür zum Haus (oder auch nicht), verkleidet den Anhänger mit der Klinkerfassade des Hauses, verdeckt die Reifen mit Pflanzen etc. - macht also alles, damit von außen nicht erkennbar ist, dass es sich hierbei um einen Anhänger handelt. Es sieht aus wie ein Vorbau.

Wäre das erlaubt? Da es Räder hätte und letztendlich ein mobiler Anhänger, der theoretisch jederzeit wieder weggefahren werden kann, sollte doch nichts dagegensprechen und es müssten auch keine Abstandsflächen eingehalten werden?

Danke vorab

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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von m34 » 30.01.19, 01:09

@Etienne777 Vielen herzlichen Dank nochmal.

ExDevil67
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Re: Mobiler Anbau bzw. Vorbau

Beitrag von ExDevil67 » 30.01.19, 08:02

Und wie will man den Übergang vom Haus zum Anhänger gestalten? Oder soll der Anhänger direkt vor der Haustür stehen? Was dann aber zu 2 recht unschönen Treppen führen dürfte.

ktown
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von ktown » 30.01.19, 08:18

Selbst solch ein mobiles Gefährt wird dann zum Bauwerk, wenn es dauerhaft aufgestellt wird. Egal ob Räder dran oder nicht.
Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Unsinn auch dem Bauamt vorgetragen werden muss. :wink:
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von m34 » 30.01.19, 09:43

Wäre nicht für ewig .. nur für ca. 5 Jahre.

hambre
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von hambre » 30.01.19, 09:54

nur für ca. 5 Jahre.
Das gilt als dauerhaft und dafür benötigt man daher eine Baugenehmigung.

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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von Etienne777 » 30.01.19, 14:32

Daß es sich um ein Reihenhaus handelt, wurde bisher nicht erwähnt. Die Rechtslage könnte sich hier anders darstellen.

Wie muß man sich den Anbau denn vorstellen (Grundfäche, Geschosse, Dachform)? Sind die Reihenhausteile gegeneinander etwas versetzt, oder ist dann eine durchgehende Hausfront bei allen Hausteilen?
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von m34 » 30.01.19, 14:44

Meinen Sie den Hinteranbau oder den Vorderanbau? Ein Moderator hat anscheinend beide Threads zusammengefasst.

Durchgehende Hausfront bei allen Hausteilen .. es gibt zwischen den Reihenhäusern also keinen mm Abstand.

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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von ktown » 30.01.19, 14:59

Etienne777 hat geschrieben:Daß es sich um ein Reihenhaus handelt, wurde bisher nicht erwähnt. Die Rechtslage könnte sich hier anders darstellen.
SusanneBerlin hat geschrieben:Gibt es einen Bebauungsplan in dem "städtebauliches Planungsrecht" ausgewiesen ist?
ktown hat geschrieben:Wenn diesbezüglich nicht schon was im B-Plan vorgegeben ist, dann greift vollumfänglich die NBauO.
Es interessiert aber den TE anscheinen nicht.
Vielfach ist dann auch die Grenzbebauung auf das Baufenster beschränkt und kann nicht beliebig erweitert werden.

Dem TE kann nur empfohlen werden dem Anwalt zu vertrauen, den er schon konsultiert hat.
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von m34 » 30.01.19, 15:06

Bei dem geplanten Anbau müsste zunächst der Keller mit ausgebaut werden (Höhe ca. 2 Meter). Über den Keller kommt im Erdgeschoss dann der geplante Anbau (Breite: 5 Meter, Länge: 3 Meter; Höhe : 2,4 Meter). Bei dem Dach handelt es sich um ein Flachdach.

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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von SusanneBerlin » 30.01.19, 15:10

m34 hat geschrieben: es gibt zwischen den Reihenhäusern also keinen mm Abstand.
Natürlich, sonst wären es keine Reihenhäuser.
m34 hat geschrieben:Durchgehende Hausfront bei allen Hausteilen ..
Mit "gegeneinander versetzt" meint man, dass jedes 2. Haus nach vorne gesetzt ist, die Fronten aller Häuser in der Reihe bildet also keine gerade Linie ist sondern eine Rechteckkurve .
m34 hat geschrieben:Meinen Sie den Hinteranbau oder den Vorderanbau?
Logischerweise der begehrte NEUzubauende Anbau. Oder wollen Sie sowohl hinten als auch vorne neu anbauen? :roll:
ktown hat geschrieben: Dem TE kann nur empfohlen werden dem Anwalt zu vertrauen, den er schon konsultiert hat.
Den Anwalt, dessen vorgeschlagenes Vorgehen den TE glauben machte, dass ein Anwaltsschreiben mit der Mitteilung über den Schwarzbau des Nachbarn an die Baubehörde, die begehrte Baugenehmigung erbringen würde?
Grüße, Susanne

m34
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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von m34 » 30.01.19, 15:15

So, ich habe dies im Antrag des Architekten gefunden: "Der Grenzabstand von 3m kann nicht eingehalten werden, da das Grundstück nur 5m breit ist. Gemäß §5 NBauO, Abs (5), ist eine Grenzbebauung zulässig,, soweit ein Gebäude nach städtebaulichem Planungsrecht ohne Grenzabstände errichtet werden muss. Dies ist in dem vorliegenden Fall der Reihenhausbebauung gegeben."

Ändert das die Sachlage?

@SusanneBerlin Sorry, hab Ihre Frage gestern überlesen. Und auch vergaß ich diesen Abschnitt im Antrag.

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Re: Schutz Abstandsvorschriften eines Schwarzbaus

Beitrag von ktown » 30.01.19, 15:52

SusanneBerlin hat geschrieben:
ktown hat geschrieben: Dem TE kann nur empfohlen werden dem Anwalt zu vertrauen, den er schon konsultiert hat.
Den Anwalt, dessen vorgeschlagenes Vorgehen den TE glauben machte, dass ein Anwaltsschreiben mit der Mitteilung über den Schwarzbau des Nachbarn an die Baubehörde, die begehrte Baugenehmigung erbringen würde?
Jep den mein ich. Der TE ist ja anscheinend so sehr von seiner Aussage überzeugt, dass er die Antwort der Baubehörde und die fast gleich gelagerten Antworten hier vollkommen in den Wind schießt und nun meint mit Mobilhome eine Gesetzeslücke nutzen zu können.

Dann sollte er seine Energie in den Anwalt stecken. Der wird sich bei seiner Aussage sicherlich was gedacht haben. :wink:
m34 hat geschrieben:Der Grenzabstand von 3m kann nicht eingehalten werden, da das Grundstück nur 5m breit ist. Gemäß §5 NBauO, Abs (5), ist eine Grenzbebauung zulässig,, soweit ein Gebäude nach städtebaulichem Planungsrecht ohne Grenzabstände errichtet werden muss. Dies ist in dem vorliegenden Fall der Reihenhausbebauung gegeben
Mit diesem Wissen meines Kollegen sollte man ihn an den Ohren vom Bürostuhl ziehen. :evil:
Wieso hat er nicht vor Einreichung der Unterlagen mit den Behörden gesprochen? In der HOAI gibt es extra einen Punkt der durch das Honorar abgedeckt ist. Nennt sich: Verhandeln mit Behörden.
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