Nachbarrecht Schleswig-Holstein: Einfriedung, Hecke und Heckenschnitt

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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Nachbarrecht Schleswig-Holstein: Einfriedung, Hecke und Heckenschnitt

Beitrag von -Slider- »

Moin!
Meine Fragen beziehen sich auf die Rechtslage zur Unterhaltung einer Hecke und das Drum-Herum.
Ich beziehe mich auf das NachbG Schl.-H.

Laut §39 Absatz 5 ist eine Hecke eine Einfriedung, da sie auf der Grenze bzw. entlang der Grenze zum Nachbargrundstück gepflanzt ist. Entsprechend muss sie nicht vom Eigentümer der Hecke geschnitten werden, sondern nach §28 Absatz 2 und §32 Absatz 1 von beiden Grundstückseigentümern unterhalten werden. Die Mitwirkung eines Nachbarn nach billigem Ermessen könnte demnach das Schneiden der Hecke und die Entsorgung des Schnittgutes auf seiner Seite sein bzw. die Beauftragung eines Unternehmens bei geteilten Kosten?

Steht eine Hecke schon über einen längeren Zeitraum von angenommen 15-20 Jahren entlang der Grenze und wurde bisher nur von einem Nachbarn geschnitten, besteht doch kein Gewohnheitsrecht gegenüber einem neuen Nachbarn oder eine Verpflichtung des neuen Nachbarn, die Hecke auf beiden Seiten zu schneiden. Sehe ich das so richtig? Wie ist da die Rechtslage?
§40 schließt ja das Zurückschneiden auf eine gewisse Höhe und einen gewissen Grenzabstand aus, da die Hecke schon lange ohne Klage des Nachbarn besteht. Das sollte auch so bleiben, wenn der Grundstückseigentümer wechselt oder?

Vielen Dank vorab und viele Grüße

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ktown
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Re: Nachbarrecht Schleswig-Holstein: Einfriedung, Hecke und Heckenschnitt

Beitrag von ktown »

Gewohnheitsrecht gibt es nicht in diesem Sektor. :wink:
Entweder ist es per Gesetz definiert oder nicht.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
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Re: Nachbarrecht Schleswig-Holstein: Einfriedung, Hecke und Heckenschnitt

Beitrag von -Slider- »

Danke schonmal für die Info! :daumenhoch Bin gespannt auf den Rest :D
ralph12345
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Re: Nachbarrecht Schleswig-Holstein: Einfriedung, Hecke und Heckenschnitt

Beitrag von ralph12345 »

Eine Hecke AUF der Grenze würde ich als gemeinsame Einfriedung sehen, die von beiden Nachbarn zu pflegen ist. Sobald die Hecke eindeutig auf einem Grundstück AN der Grenze steht, ist das nicht mehr so eindeutig.

Wenn die Hecke tatsächlich auf der Grenze gemeinsam zu pflegen ist und A schneidet seine Seite selbst, B lässt seine Seite von einer Firma schneiden, kann B sicher nicht die Kosten dafür hälftig an A weiterreichen.

In dem Abschnitt ist viel davon die Rede, dass ein Eigentümer zur Einfriedung verpflichtet ist, wenn der Nachbar das verlangt. Das dürfte die Ausnahme sein, in der Regel pflanzt ein Eigentümer eine Hecke aus eigenem Antrieb und zwar auf sein Grundstück. Da wird er schwerlich die Pflege dieser Hecke anteilig dem Nachbarn aufbürden können, wenn es im Prinzip auch ein Zaun getan hätte, der keiner Pflege bedarf.

Das Zurückschneiden auf eine maximale Höhe ist nie ausgeschlossen, lediglich der Anspruch des Nachbarn gegen den Eigentümer, das zu tun ist ggf. verjährt. Allerdings sind nach §39 Hecken auf der Grenze ohnehin von den Höhenvorgaben nach §37 ausgenommen. Da tritt dann vermutlich der §31 Beschaffenheit ein, der Ortsüblichkeit fordert. Eine 5m hohe Hecke ist wohl eher nicht mehr ortsüblich. Und Hecken auf der Grenze von beiden zu unterhalten, da könnte der Nachbar dann wohl selber die Höhe einkürzen. Man wird sich in der Argumentation also entscheiden müssen, ob das nun eine Einfriedung oder eine Anpflanzung sein soll.

In Summe sind das komplexe Regelungen, die trotz der Detailtiefe nie alle Einzelfälle genau abdecken. Die beste aller Lösungen ist immernoch die, mit einer Flasche Wein zum neuen Nachbarn zu gehen und ihn zu fragen "hey, wie machen wir das mit der Hecke?"
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