ohne triftigen Grund "Entmündigen"

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haberfeldmo
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ohne triftigen Grund "Entmündigen"

Beitrag von haberfeldmo »

Hallo,

nehmen wir mal einen fiktiven Fall an.

Eine Tochter hat mit ihrer Mutter mehrere Rechtsstreitigkeiten, die immer von der Mutter angeschoben wurden. Leider ist die Mutter immer jeden Rechtstreit unterlegen.

Dies missfällt nicht nur der Mutter, sondern der ganzen buckligen Verwandtschaft, einschließlich des Neffen der Mutter, der ja Leiter einer Psychiatrie in einer Großstadt ist. Mutter spricht nun den Herrn Neffen Irrenarzt an, ob man die Tochter nicht unter Ihre Betreuung stellen könnte. Der Neffe stellt nun ein Gutachten aus, ohne die Tochter je gesprochen zu haben, indem er attestiert, dass die Tochter nicht mehr „rund läuft“.

Ich weis, man sollte nicht so viel BILDzeitung lesen und RTL2 anschauen, das verdummt und am Ende entscheiden doch darüber Gerichte, aber nun meine Frage: Wie leicht kann so etwas in Deutschland passieren? Wie kann man sich vor so etwas schützen? – wenn man einmal in der „Klapse“ sitzt, dann kann man sich ja doch etwas schlecht wehren.

Grüße
Ulrich
Die No MA'AM Gesetze (Al Bundy)

...
3. Es ist OK, wenn man alle schlechten Menschen durch einen Riesen Fleischwolf dreht!
4. Anwälte, siehe Regel 3!

...

Roni
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Re: ohne triftigen Grund "Entmündigen"

Beitrag von Roni »

so einfach ist das nun auch wieder nicht jemanden einweisen zu lassen.

Sollte diese Tochter nicht behandlungsbedürftig sein, bzw nicht tatsächlich " rund " laufen wird sich dieser Neffe bestimmt nicht erlauben solch ein Gutachten zu erstellen. Zur Einweisung und zur Einrichtung einer Betreuung bedarf es ja außerdem noch dass sich das ein Richter anschaut. Außerdem würden das die ÄÖrzte in der " Klapse " auch merken wenn die Frau eigentlich " normal " ist. Sowas geht wirklich nur im TV .

MKT
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Re: ohne triftigen Grund "Entmündigen"

Beitrag von MKT »

Meiner Erfahrung nach kann das mit der Betreuung in der Psychiatrie schneller gehen, als man sich das sich das so vorstellen kann.

Hier ein Suizidversuch, da ein wenig selbstverletzendes Verhalten oder im anderen Fall aggressives Verhalten und schon hat man als eigentlich weitgehend "normaler" Mensch eine Betreuung für Gesundheitsfragen und Aufenthaltsbestimmungsrecht am Hals...

Leider hat man oft das Gefühl, dass der Rechtsstaat an der Psychiatriepforte aufhört, selbst Schwerverbrecher mehr Rechte haben als Psychiatriepatienten...

Newbie2007
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Re: ohne triftigen Grund "Entmündigen"

Beitrag von Newbie2007 »

Im Fall Gustl Mollath ist es tatsächlich so gelaufen, dass eine Fachärztin ein psychiatrisches "Gutachten" erstellt hat, ohne den Betroffenen je gesehen zu haben, was dann zu weiteren Massnahmen und letzlich zur zwangsweisen Unterbringung führte:
2003-09-23: Fax des Rechtsanwalts der Ehefrau, Dr. Woertge, an das Amtsgericht mit einer Stellungnahme von Fachärztin Dr. Krach (Klinikum am Europakanal, Erlangen), der Ehemann leide "mit großer Wahrscheinlichkeit" an einer ernstzunehmenden psychiatrischen Erkrankung, zusätzliche nervenärztliche Abklärung sei anzustreben. Die Diagnose beruht alleinig auf Angaben der Ehefrau Mollath.
2003-09-23: Anklage der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen Gustl Mollath.
2003-09-25: Hauptverhandlung Amtsgericht Nürnberg wegen Körperverletzung: Das Gericht beschließt die Aussetzung des Verfahrens (!) und beauftragt den Sachverständigen Thomas Lippert mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens, ob beim Angeklagten am 12.8.01 bzw. 31.5.02 die medizinischen Voraussetzungen des §§ 21,20 StGB vorgelegen haben.
(Quelle: http://www.gustl-for-help.de/chronos.html)

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