Zwangsweise Unterbringung

Moderator: FDR-Team

Antworten
Glache
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 85
Registriert: 22.03.05, 09:36

Zwangsweise Unterbringung

Beitrag von Glache »

Als rechtl. Betreuer habe ich die Begutachtung hinsichtlich der Notwendigkeit der stationären Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt. (Hauptgrund: Verwahrlosungstendenz, verbale Aggressivität, Gereiztheit des Betreuten)Eine ambulante Behandlung bei einem Nervenarzt lehnt der Betreute seit vielen Monaten ab. Der gutachterlich beauftragte Nervenarzt spricht sich lt. Gutachten für 3 Monate stationäre Unterbringung aus(Diagnose: Minussymptomatik nach Psychose-fehlende bzw. nicht ausreichende Medikamentation mit Psychopharmaka)inzwischen lässt sich der Betreute aber wieder die Diabetesspritze geben. Die Sozialschwester desBRK ist auch wieder im Haushalt akzeptiert und meinte, die Situation sei seit der Begutachtung in einem verträglichem Ausmasse.)
Ein Unterbringungsbeschluss ist ja noch nicht ergangen.
Muss ich den Unterbringungsbeschluss separat beantragen, und inwieweit ist der Tatbestand, dass sich der Betreute momentan wieder gegen Diabetes behandeln lässt und die akute Selbstgefährdung weggefallen ist, ein Grund keinen Unterbringungsbeschluss zu beantragen. Die Grunderkrankung der Psychose ist ja diesselbe.

Besten Dank für Ihre Antwort.

Glache

pOtH
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5210
Registriert: 07.03.06, 11:46

Re: Zwangsweise Unterbringung

Beitrag von pOtH »

Die Verfahrensgrundsätze finden sich in den § 315 ff FamFG. Sie ähneln den Grundsätzen des Betreuungsverfahrens, weichen aber in einigen Details von ihnen ab. Das Verfahren beginnt mit einem Genehmigungsantrag des jeweiligen gesetzlichen Vertreters bzw. Bevollmächtigten (wenn letzterer nach § 1906 Abs. 5 BGB zur Freiheitsentziehung ausdrücklich bevollmächtigt wurde). Bei öffentlich-rechtlichen Unterbringungen stellt die nach diesem Gesetz zuständige Stelle (meist Gesundheitsamt oder Ordnungsamt) den Unterbringungsantrag. Ein Tätigwerden von Amts wegen ist zwar auch möglich, in der Praxis aber die Ausnahme.
Quelle.: http://de.wikipedia.org/wiki/Unterbring ... s.C3.A4tze

Je nach verschmutzung/verwahrlosung der Wohnung u./od. zugrundeliegender Erkrankung kann man über das Ordnungsamt u./od. Gesundheitsamt vielleicht "schneller" was erreichen - Ich kann mir gut vorstellen das man, je nachdem wie sich der Betroffene beim Hausbesuch verhält, die Polizei hinzuzieht u. diese ggf. den Betroffenen nach dem PsychKG einweisen lassen... Man sollte die Mitarbeiter des Ordnungs/Gesundheitsamtes vorwarnene, so das diese ggf. direkt in Begleitung der Polizei erscheinen können!
Der Betroffene wird dann, auf richterliche Anordnung, zunächst ein paar Tage in der Psychiatrie beobachtet u. dann wird, je nach Empfehlung der dort behandelnden Ärzten, ggf. ein längerer Aufenthalt vom Richter angeordnet.

Ich persönlich würde, sofern keine Eigen- od. Fremd-gefährdung vorliegt zunächst abwarten wie sich sein Verhalten entwickelt. Jeder hat das Recht sein leben so zu leben wie er möchte u. wenn dies eben so aussieht das er sich nicht mit Psychopharmaka behandeln lassen möchte, dann ist dies sein gutes Recht - Siehe BGB §1901
//Edit// Mir ist auch kein § bekannt der vorschreibt das man nett sein muss - Man darf also unhöflich sein... Muss dann aber halt mit der Konsequenz rechnen sich ggf. strafbar zu machen (z.B. Beleidigung).//Editend//

Glache
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 85
Registriert: 22.03.05, 09:36

Re: Zwangsweise Unterbringung

Beitrag von Glache »

Der Unterbringungsbeschluß kam nun zur sofortigen Umsetzung. Jetzt heissts handeln!
Danke für die Antworten!! :?

MKT
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 231
Registriert: 14.04.13, 14:35

Re: Zwangsweise Unterbringung

Beitrag von MKT »

Meine persönliche Erfahrung in solchen Fällen ist, dass es sehr auf die individuellen Vorstellungen des Richters ankommt.

Manche nicken quasi ungesehen alles ab, was von Ärzten und/oder Betreuern beantragt wird, andere setzen sich intensiv mit der speziellen Situation auseinander und wieder andere sehen die Freiheitsrechte des Patienten im Vordergrund... ich habe da schon die unglaublichsten Dinge erlebt.

Antworten