Berufsbetreuer die Voraussetzungen

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pOtH
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Re: Berufsbetreuer die Voraussetzungen

Beitrag von pOtH »

Es kommt aber auch noch darauf an wo die "betuchte Person" lebt.: lebt sie im Heim, dann werden nur 2 1/2 Stunden bezahlt. Lebt sie nicht in einem Heim, dann werden immerhin 4 1/2 Stunden bezahlt.

Auch wenn man nur dem Gericht u. der zu betreuenden Person gegenüber zu rechenschaft verpflichtet ist, so bedeutet dies noch lange nicht das die "lieben Verwandten" nicht doch ab u. zu mal auf der Matte stehen u. in ihren Augen berechtigten Forderungen stellen.
Außerdem besteht auch die Möglichkeit das Tante Erna gerne ihren Enkeln nen 50er zusteckt - Was, sofern sie dadurch nicht verarmt, auch legitim ist... od. die Person irgendwelche Verträge eingeht (Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Einwilligungsvorbehalt )... nachher aber vielleicht zu dem Problem führt das man nicht jeden € nachweisen kann od. sich z.B. für doppelte Versicherungen rechtfertigen soll.

Ich für meinen Teil würde vorschlagen sich in das Thema einzulesen, div. Betreuungsforen zu besuchen u. Fälle zu verfolgen/mitzudiskutieren. Erstmal ein bis zwei ehrenamtliche Betreuungen zu übernehmen u. sich erst dann beim zuständigen Betreuungsgericht zu bewerben bzw. "Klinken zu putzen".

inline
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Re: Berufsbetreuer die Voraussetzungen

Beitrag von inline »

pOtH hat geschrieben:Ich für meinen Teil würde vorschlagen sich in das Thema einzulesen, div. Betreuungsforen zu besuchen u. Fälle zu verfolgen/mitzudiskutieren. Erstmal ein bis zwei ehrenamtliche Betreuungen zu übernehmen u. sich erst dann beim zuständigen Betreuungsgericht zu bewerben bzw. "Klinken zu putzen".
Nur als Ehrenamtliche verdient man fast nichts:

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/bet ... spauschale

Noch kürzlich habe ich mich für ein Ehrenamt beworben, weil sich das zunächst als kleine Nebenbeschäftigung nicht schlecht anhörte.
Sie wollten 7 € Aufwandsentschädigung pro Std. vergüten und das wäre auch steuerfrei.

Dann fing ich aber im Vorstellungsgespräch an zu rechnen. Denn ich sollte dort zu einem Klienten entweder erst mal zum anderen Ende der Stadt fahren oder einen anderen Klienten zur Freizeitveranstaltung kutschieren. Die Fahrtkosten gingen dann jeweils auf meine Rechnung und es wäre von der Pauschale nicht viel übrig geblieben.

Auch wollte ich keinen ehrenamtlichen Taxiservice machen. Da meinte die Frau vom Verein, ich solle das alles noch mal überdenken.

Beim Berufsbild "Berufsbetreuer" ist das schon wieder ähnlich:
Ich habe zwar eine abgeschlossene Ausbildung, auch habe ich zwischendurch mal die soziale Richtung (Fachschule , Praktika etc) eingeschlagen. Interesse in den Gebieten, Recht und Psychologie besteht auch.
Kaufmännische Erfahrung sowieso. Kann also auch die Bescheide zerpflücken und nachrechnen (was ich schon mal wichtig finde). Anwaltliche Schreiben zerpflücke ich auch gerne ;)
Ein abgeschlossenes Studium kann ich aber nicht vorweisen.
Somit würde das ja nur mit einen Stundensatz von 25 € vergütet. Ja und hier sind ja die Fixkosten schon mit drin.
Das wird eng. Gibt es überhaupt Berufsbetreuer ohne abgeschlossenes Studium ?

Noch ein Problem, wenn man nicht genug Klienten hat oder es mal schief geht, dafür könnte man ja als Selbständige in die Arbeitslosenversicherung freiwillig einzahlen. Das habe ich damals bei meiner Selbständigkeit schon nicht gemacht, weil das auch wieder nach Ausbildung und Studium gestaffelt ist . Mit einer Ausbildung kommt man dann gerade mal auf ein monatliches ALG I was letztendlich auf dem Niveau vom ALG II ist. So rechnet sich das auch wieder nicht. (Will nicht darauf spekulieren, nicht falsch verstehen aber man muss ja auch schon mal die Risiken sehen).

Außerdem müsste ich wohl eine erweiterte Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherung abschließen, falls mich trotz aller Sorgfalt doch mal die Verwandten von einem betuchten Klienten verklagen wollen, z. B. weil die in bestimmten Punkten in einer andern Richtung denken.

Meine Bedenken sind einfach da, da ich das nicht (nur) als Hobby oder Ausgleich machen möchte, denn Hobbys habe ich schon genug.

pOtH
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Re: Berufsbetreuer die Voraussetzungen

Beitrag von pOtH »

Wie bereits geschrieben, sollte man zunächst "Klinken putzen". Dies dient dazu das Richter/Verfahrenspfleger u. möglicher Berufsbetreuer sich schon mal beschnuppern können u. der Richter/Verfahrenspfleger sieht das man sein "Handwerk" versteht.
Auch sollte man sich im klaren sein das man Berufsbetreuer nicht von jetzt auf gleich als Tätigkeit ausüben kann, eben da man nicht die nötige Anzahl an Betreuungen hat bzw. erhalten wird. Sofern man keine Scheiße baut (sich am Vermögen bereichert od. seinen Pflichten nicht nachkommt), ist dies (m.M. nach!) ein krisensicherer Job u. man muss, sofern der Klientenstamm groß genug ist, keine Angst um seine Zukunft machen.

Was irgendwelche "Vereine" wollen u. was der "ehrenamtliche Betreuer" leisten kann/will, sind zwei paar Schuhe - ehrenatmlicher Betreuer deshalb in Anführungszeichen da es Vereine gibt (mein Arbeitgeber (eine Einrichtung in der geistig schwer u. mehrfachbehinderte Menschen leben, betreut u. gefödert werden) ist mittlerweile ein Verein) die anstatt ehrenamtliche Mitarbeiter od. ehrenamtliches Betreuungspersonal einfach "ehrenamtliche Betreuer" suchen... würde auch erklären das man erwartet Klienten rumzufahren u. dies Pauschale mit X€ zu vergüten!
Mir ists auch schon mehrfach passiert das ich, vom Pflegepersonal des Krankehauses, als Betreuer vorgestellt wurde u. musste dann dem Arzt erklären das ich nur zum Betreuungspersonal gehöre - Wir pflegen nicht, wir betreuen... gepfelgt wird im Altenheim ;)
Der (Berufs)Betreuer hat im weiteren Sinn eig. eher administrative Aufgaben (den Schriftverkehr führen, organisatorische Aufgaben...). Dies bedeutet das wenn der Betreute eine Freizeitveranstaltung besuchen möchte, der Betreuer ggf. eine Begleitung organisiert (vorausgesetzt der Betreute kann sich dies leisten od. man findet eine Person die dies ehrenamtlich macht) - Es bedeutet nicht das der Betreuer (außer er möchte dies!) dies übernehmen muss!

Ich habe in den (fast) 14 Jahren alle möglichen Menschen kennengerlernt die Betreuer waren (Angehörige, ehrenamtliche Betreuer u. Berufsbetreuer) u. ich behaupte das Berufsbetreuer (von Personen im Pflegeheimen) mit den (nach einem Jahr!) veranschlagten 2 Stunden im Monat (klar, mal gibts mehr zu tun, mal kann man die Hände in den Schoß legen) dicke auskommen.
Ich habe bisher keinen Berufsbetreuer erlebt der Vorsorgetermine bei Ärzten od. Freizeitveranstaltungen terminiert u./od. begleitet hat. Sehe sie eig. nur wenn sie zu ihrem "Anstandsbesuch" vorbei kommen (damit die Einrichtung in Berichten reinschreiben kann das ein regelmäßiger Kontakt zum Betreuten gepflegt wird) od. wenn es zu einem medizinischen Notfall kommt u. der Betreuer im Krankenhaus erscheint.
Von Berufsbetreuern höre ich (Brief, Email, Telefon) eig. nur wenn sie etwas für "Ämter" od. das Gericht benötigen. Alle alltäglichen Aufgaben übernimmt das Pflege-/Betreuungs-personal.
Früher war es sogar die Regel das Betreuer der Einrichtung in der ich arbeite die Schriftstücke für das Gericht (z.B. Jahresbericht inkl. Kontoauszug) zugeschickt haben u. dieses vom Betreuer nur noch unterschrieben ans Gericht geschickt werden musste!

Seien wir mal ehrlich, mit dem ALGI (wenns genau so hoch ist wie z.B. das Krankengeld(also ~70%)) könnte ich auch nur meine Fixkosten (Miete,Strom, Telefon, Versicherungen) begleichen u. hätte dann deutlich weniger als ein ALGIIler in der Tasche!

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