Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Moderator: FDR-Team

Antworten
600KM
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 2
Registriert: 28.06.15, 20:50

Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von 600KM » 28.06.15, 21:09

Hallo zusammen!

Ich hoffe, hier richtig zu sein und ein paar hilfreiche Antworten zu bekommen.

Zur Situation:


Meine Lebensgefährtin und Ihre Schwester sind in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Die Schwester meiner LG ist von Geburt an behindert mit 50%. Die Pflegeeltern der beiden haben gleichzeitig auch die Position des gesetzlichen Betreuers für die Schwester übernommen.

Diese ist mittlerweile volljährig und wohnt im Haus neben den Eltern in einer eigenen Wohnung zur Miete (die den Eltern gehört).

Nun wollen die Pflegeeltern jedoch einen Betreuerwechsel (nach ihren Wünschen einen Berufsbetreuer) und gleichzeitig soll die Schwester meiner LG umziehen in eine andere Wohnung oder gar ins Heim (was unseres Erachtens absolut nicht notwendig ist).

Da das absolut nicht in ihrem Sinne wäre und sie sozial damit ziemlich isoliert wäre und alleine dastünde, machen wir uns momentan Gedanken, was wir tun können.
Dazu sei gesagt: Wir leben leider nicht in der Nähe, haben also mit der geplanten Version keine Möglichkeit, uns regelmäßig um ihre Schwester zu kümmern (nicht, dass sie nicht recht selbstständig wäre, vor allem eben zwischenmenschlich).

Daher stellen wir uns die Frage, was wäre (und wie das funktionieren würde), wenn ihre Schwester nun in unsere Nähe ziehen würde.

Hat ihre Schwester, mit dem Grad ihrer Behinderung, die Möglichkeit die Betreuung komplett zu beenden?

Wenn nicht: Was müsste getan werden, um einen Umzug in unsere Gegend realisieren zu können?
Welche Auswirkungen hätte es, wenn meine LG die Betreuung ihrer Schwester beantragen würde (bzw. umgekehrt ihre Schwester den Antrag auf Betreuung durch meine LG stellt)?

Und - worst case: Was, wenn - bevor wir handeln können - ihrer Schwester bereits ein externer Betreuer vermittelt ist oder sogar durchgesetzt würde, dass sie im Heim ist? Haben wir DANN überhaupt noch eine Handhabe, an der Situation etwas zu ändern?


Wie ist die Rechtslage?
Und bei welchen Anlaufstellen (Ämter etc.) könnten wir uns konkret beraten lassen?


Danke für eure Antworten!

compi57
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 356
Registriert: 16.11.07, 12:19

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von compi57 » 29.06.15, 10:14

Hallo,

eine Behinderung hat grundsätzlich erst einmal nichts mit der Notwendigkeit einer Betreuung zu tun - das hängt eher von der Art der Behinderung ab. Ansonsten wäre nach meiner Einschätzung erst einmal das Amtsgericht, wo derzeit die Betreuung betreut wird, die richtige Anlaufstelle, um entsprechende Fragen zu klären.

Roni
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 12161
Registriert: 21.01.05, 19:42

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von Roni » 29.06.15, 13:31

hallo,

die Gerichte ssind meist nicht abgeneigt wenn ein Familienangehöriger die Betreuung übernehmen will. Auch der zu Betreuende wird gehört ob er dem Betreuer zustimmt ( falls möglich ).
Wenn die Schwester die Betreuung übernehmen will sollte sie sich an das zuständige Betreuungsgericht wenden.

questionable content
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8260
Registriert: 14.02.05, 19:12
Wohnort: Mein Körbchen.

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von questionable content » 29.06.15, 14:33

Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn Sie erst einmal herausfinden, *warum* die Betreuung besteht und *warum* die Pflegeeltern eine Heimunterbringung für sinnvoll halten.

Es ist ein absoluter Klassiker von Betreuungsituationen, dass unter allen Steinen und aus allen Löchern besserwissende Angehörige und sonstige Moralapostel hervorkriechen, die von der Situation vor Ort keine Ahnung haben, selbst 1000 Ausreden haben, warum sie selbst sich nicht um alles kümmern können und selbst wenn offensichtlich ist, dass sie nicht alle Informationen haben können, sich trotzdem befleißigt fühlen, alles besser wissen zu wollen.

Eine Betreuung wird bei jungen Erwachsenen nicht leichtfertig verhängt, das hat erhebliche Anforderungen. Bei einer rein körperlichen Behinderung mit dem Schweregrad ist eine Betreuung mit dem Grad als Ursache kaum konstruierbar. Blieben tendenziell geistige und psychische Behinderungen - falls die Behinderung überhaupt die Ursache der angeordneten Betreuung sein sollte. Es kann 1000 gute Gründe geben, warum die Pflegeeltern eine Veränderung des status quo andenken. Die Kernfrage allerdings ist - worum gehts inhaltlich allerdings.

Nun hat Ihre Darstellung zu diesen Kernfragen im OP nichts Brauchbares enthalten. Das wiederum ist kein gutes Zeichen hinsichtlich der Frage, ob Sie auch nur ansatzweise sinnvoll an einer funktionierenden Lösung dieser Situation im Interesse der Betreuten mitwirken können bzw. sollten.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

600KM
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 2
Registriert: 28.06.15, 20:50

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von 600KM » 30.06.15, 21:01

questionable content hat geschrieben:Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn Sie erst einmal herausfinden, *warum* die Betreuung besteht und *warum* die Pflegeeltern eine Heimunterbringung für sinnvoll halten.
Die Behinderung ist geistiger Natur und die Betreuung besteht vor allem, weil sie Defizite hat, z.B. ihre Finanzen weitsichtig zu planen oder ihren "Papierkram" alleine zu bewältigen. Im Alltag lebt sie weitgehend selbstständig, steht alleine auf, geht selbst zur Arbeit (in einer Behindertenwerkstatt), Einkaufen, kocht auch selbst usw.
questionable content hat geschrieben:Es ist ein absoluter Klassiker von Betreuungsituationen, dass unter allen Steinen und aus allen Löchern besserwissende Angehörige und sonstige Moralapostel hervorkriechen, die von der Situation vor Ort keine Ahnung haben, selbst 1000 Ausreden haben, warum sie selbst sich nicht um alles kümmern können und selbst wenn offensichtlich ist, dass sie nicht alle Informationen haben können, sich trotzdem befleißigt fühlen, alles besser wissen zu wollen.

...

Nun hat Ihre Darstellung zu diesen Kernfragen im OP nichts Brauchbares enthalten. Das wiederum ist kein gutes Zeichen hinsichtlich der Frage, ob Sie auch nur ansatzweise sinnvoll an einer funktionierenden Lösung dieser Situation im Interesse der Betreuten mitwirken können bzw. sollten.
Das wiederum empfinde ich, wenn auch nur indirekt angedeutet, schon als sehr unverschämte Unterstellung und kann nur hoffen, dass das nicht so gemeint war.

Wir sind weder Besserwisser, noch Moralapostel, noch haben wir von der Situation vor Ort keine Ahnung. Meine LG und ich haben anfangs eine Fernbeziehung geführt und, u.a. aus beruflichen Gründen, ist sie zu mir gezogen. Sie hatte - zusammen mit ihrer Schwester - alles andere, als eine leichte Kindheit und es ist ihr EXTREMST schwer gefallen, ihre Schwester nicht einfach mitnehmen zu können, aber als junge erwachsene Berufseinsteiger war das alles finanziell und auch so schon kompliziert genug. Sie hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Schwester und das auch jetzt noch. Wir telefonieren regelmäßig mit ihr und opfern jedes Jahr MINDESTENS 80-90% unseres kompletten Jahresurlaubs, um sie regelmäßig besuchen zu können. Wir sind schon so gut es geht im Bilde.
Desweiteren ist der Grund für ihre sogenannten Pflege"eltern", die Betreuung abgeben zu wollen, dass es Ihnen einfach zu lästig ist, zwischendurch mal nach ihrer "Tochter", wie sie so schön sagen, zu gucken, und sich mit ihr hinzusetzen und etwas Geduld aufzubringen. Selbst, was den Umzug angeht (wie gesagt, in der eigenen Wohnung nebenan will man sie am liebsten ja auch nicht mehr haben, könnte einem ja trotzdem noch Arbeit machen), hat sie schon "Ja, müssen wir mal gucken, wer dir dabei dann hilft. Wir sind dann ja nicht mehr die Betreuuer." zu hören bekommen. Super Einstellung, hm?
Ja, was die RECHTLICHE Situation angeht, haben wir leider nicht viel Ahnung. Meine LG und ihre Schwester waren schließlich Kinder und mussten sich keine Gedanken darum machen, da Eltern ja für einen da sind. Sollte man meinen.

Und ich hatte damit in meinem bisherigen Leben auch noch keinerlei Kontakt. Nun ist die Situation wie sie ist und ich will meine LG unterstützen, ihr helfen und nach einer Lösung suchen.
Und plötzlich finde ich mich wieder, wie Google mir zig Ergebnisse um die Ohren haut, Betreuung, Rechte, Pflichten, Finanzen, Anträge stellen... und steh erstmal da wie der Ochs vorm Berg.
Deshalb bin ich hier. Ich hoffe eben, hier Hilfe und/oder Tipps zu bekommen.

Ich habe keine genaue Vorstellung, wie wir das angehen und organisieren könnten und müssten, wenn sie zu uns ziehen würde.
Was müssten wir wann wo beantragen?
Was gibt es zu beachten?
Wie ist die Rechtslage, wenn sie einen externen Betreuer hat und dann zu uns ziehen möchte?
Kann man hier dann einfach einen neuen Betreuuer stellen lassen?

Ich weiß, das sind viele wirre Fragen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Ich möchte meiner LG einfach nur helfen. Und da hoffe ich auf eure Erfahrung.
Oder vielleicht weiß ja immerhin jemand, wo es eine Beratungsstelle zu sowas gibt, an die man sich wenden kann. Ich bin für jeden Tipp dankbar.

Roni
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 12161
Registriert: 21.01.05, 19:42

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von Roni » 01.07.15, 10:35

hallo,

schaut mal in den persönlichen Unterlagen der Betreuten nach, da müssten einige Schreiben vom Betreuungsgericht zu finden sein. Dann habt ihr den Namen des Rechtspflegers und auch gleich das Aktenzeichen. Damit könnt ihr das Betreuungsfericht mal anrufen und einen Termin ausmachen.
Es ist gut möglich als Schwester die Betreuung zu bekommen.Allerdings frage ich euch, findet ihr in euerer Umgebung eine Behindertenwerkstatt wo sie wider arbeiten könnte ?Das wäre für sie doch ganz wichtig :!:

barbara müller
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 421
Registriert: 30.11.05, 16:48

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von barbara müller » 03.07.15, 18:59

questionable content hat geschrieben:Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn Sie erst einmal herausfinden, *warum* die Betreuung besteht und *warum* die Pflegeeltern eine Heimunterbringung für sinnvoll halten.

Es ist ein absoluter Klassiker von Betreuungsituationen, dass unter allen Steinen und aus allen Löchern besserwissende Angehörige und sonstige Moralapostel hervorkriechen, die von der Situation vor Ort keine Ahnung haben, selbst 1000 Ausreden haben, warum sie selbst sich nicht um alles kümmern können und selbst wenn offensichtlich ist, dass sie nicht alle Informationen haben können, sich trotzdem befleißigt fühlen, alles besser wissen zu wollen.

Eine Betreuung wird bei jungen Erwachsenen nicht leichtfertig verhängt, das hat erhebliche Anforderungen. Bei einer rein körperlichen Behinderung mit dem Schweregrad ist eine Betreuung mit dem Grad als Ursache kaum konstruierbar. Blieben tendenziell geistige und psychische Behinderungen - falls die Behinderung überhaupt die Ursache der angeordneten Betreuung sein sollte. Es kann 1000 gute Gründe geben, warum die Pflegeeltern eine Veränderung des status quo andenken. Die Kernfrage allerdings ist - worum gehts inhaltlich allerdings.

Nun hat Ihre Darstellung zu diesen Kernfragen im OP nichts Brauchbares enthalten. Das wiederum ist kein gutes Zeichen hinsichtlich der Frage, ob Sie auch nur ansatzweise sinnvoll an einer funktionierenden Lösung dieser Situation im Interesse der Betreuten mitwirken können bzw. sollten.
Hier wird ein Frager in schlimmster Weise einfach abgegbügelt! Bevor man derart mißkreditierende Äußerungen von sich gibt, hätte man ja mal nachfragen können warum, weshalb wieso!
Kaum zu glauben, b.m.

questionable content
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8260
Registriert: 14.02.05, 19:12
Wohnort: Mein Körbchen.

Re: Volljährige mit 50%iger Behinderung - Betreuung

Beitrag von questionable content » 03.07.15, 19:20

barbara müller hat geschrieben: Hier wird ein Frager in schlimmster Weise einfach abgegbügelt! Bevor man derart mißkreditierende Äußerungen von sich gibt, hätte man ja mal nachfragen können warum, weshalb wieso!
Kaum zu glauben, b.m.
Erstaunlicherweise halte ich meinen Beitrag für deutlich niveauvoller als Ihren.

Falls man sich nun fragt, warum das so ist:

Sie sind sicher sehr toll im Sich-Empören, aber für mehr hat es nicht erreicht. Mit solchen Charakterschwächen verdient zugegebenermaßen die Bildzeitung seit je her ihr Geld. Aber mit "Anderen-Helfen" hat es Nichts zu tun.

Ich tippe darauf, dass Sie nicht mal persönliche Erfahrung mit auch nur einer solcher Situationen haben.

Ansonsten dürften Sie sich nämlich sicher Fragen gestellt haben wie:

"Warum macht man sich die jahrzehntelange Mühe, ein Schwerbehinderte Pflegekind hochzupäppeln, übernimmt nach der Volljährigkeit auch noch die Betreuung, vermietet ihr und richtet ihr eine Wohnung direkt neben der eigenen ein um stets verfügbar zu sein - wenn man doch wie der TE es hier annimmt angeblich gar kein Interesse am Kind hat?

Mal ein Erfahrungssatz aus der Wirklichkeit:

In der Pflege von Kindern mit Behinderung wird den pflegenden Eltern oft geraden, sich ab Volljährigkeit möglichst mehr und mehr Abzunabeln und das Leben des behinderten Kindes rechtzeitig umzustellen. Denn die Eltern werden nicht jünger und für die soziale Entwicklung des Kindes ist es elementar, dass es an ein Leben ohne die Eltern als zentrale Helfer eingestellt ist.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

Antworten