Patientenverfügung erforderlich

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thobi
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Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von thobi » 04.11.17, 11:12

Hallo miteinander,

Für Person A wurde eine gesetzliche Betreuung eingerichtet und vom Betreuungsgericht ein gesetzlicher Betreuer - mit den Aufgabenbereichen Vermögen einschl. Einwilligungsvorbehalt, Gesundheit, Aufenthalt, Umgang und Post - bestimmt.

Ist dennoch eine Patientenverfügung notwendig?

Vielen Dank für Eure Antworten und ein schönes Wochenende!

Gruß
Thomas

SusanneBerlin
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von SusanneBerlin » 04.11.17, 11:36

Hallo,

ob die Patientenverfügung notwendig ist, ist die falsche Frage. Notwendig ist sie nicht, da niemand eine Patientenverfügung haben muss, und der Betreuer und die behandelnden Ärzte können und müssen ihre Arbeit auch ohne Patientenverfügung tun. Wenn keine Patientenverfügung da ist, ist eben keine da. Der Betreuer muss sich im Rahmen des möglichen und sinnvollen auch ohne Patientenverfügung nach den Wünschen des Betreuten richten, d.h. er muss den Betreuten eben fragen (soweit der Betreute noch seine Meinung äußern kann), welche Art der medizinischen Behandlung der Betreute wünscht, soweit es je nach Art der Erkrankung verschiedene Behandlungmöglichkeiten und Auswahlmöglichkeiten gibt.

Die Frage, die man sich stellen kann ist: Möchte der Betreute eine Patientenverfügung machen und ist er in der Lage dazu? Wenn er das möchte und seine bestimmten Vorstellungen hat, wie er im Fall des Falles medizinisch behandelt werden möchte, dann kannn der Betreute eine Patientenverfügung machen, so wie jeder Unbetreute auch.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von FM » 04.11.17, 11:39

Sofern der Betreute noch in der Lage ist eine Willenserklärung abzugeben kann er das auch jetzt noch nachholen.

thobi
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von thobi » 04.11.17, 13:08

Hallo zusammen,

.... ich war tatsächlich etwas kurz in meinen Ausführungen!

Der Betreuer kennt die Wünsche der Betreuten in allen Fällen und
ja, die Breite ist - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - einwilligungsfähig.

Von daher wohl eher die Frage: braucht es trotzdem eine PV?

SusanneBerlin
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von SusanneBerlin » 04.11.17, 13:34

Eine Patientenverfügung hat hauptsächlich ihren Sinn darin, für den Fall Vorsorge zu tragen, wo man nicht mehr gefragt werden kann: wenn man im Koma liegt, durch Unfall die Gehirnfunktion geschädigt wurde, Demenz usw. Es geht dann um Fragen wie: Soll der Patient mit allen Mitteln am Leben erhalten werden, also künstlich beatmet und ernährt werden auch wenn er das Bewußtsein nicht wiedererlangt oder vollständig gelähmt ist oder unter starken Schmerzen leidet.

Deswegen macht man eine Patientenverfügung, solange man das noch kann und alle Sinne beeinander hat. Wenn der Patient noch gefragt werden kann, braucht man keine Patientenverfügung. Man braucht sie erst, wenn der Patient nicht mehr gefragt werden kann. Dann ist es aber auch nicht mehr möglich, eine Patientenverfügung abzufassen, dazu müsste der Patient ja einen Willen bilden und sprechen können.

Also geht auch die Frage, ob ein einwilligungsfähiger Patient eine Patientenverfügung braucht, an der Motivation warum man eine Patientenverfügung aufsetzt, vorbei.
Der Betreuer kennt die Wünsche der Betreuten in allen Fällen
wenn es keine Patientenverfügung gibt und der Betreuer sich absichern möchte, spricht nichts dagegen, dass sich der Betreuer die Vorstellungen des Betreuten mit Datum notiert, um später darauf zurückgreifen können, wenn der Betreute nicht mehr gefragt werden kann. Oder eben Betreuer und Betreuter zusammen eine vorgedruckte Patientenverfügung ausfüllen.
Grüße, Susanne

thobi
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von thobi » 07.11.17, 09:19

Vielen Dank Susanne!

Wie sieht es bzgl. der PV aus, wenn der Betreute unter Imbezillität leidet?
Ist sein Wille dann uneingeschränkt zu berücksichtigen?

Einen schönen Tag!

Gruß, Thomas

SusanneBerlin
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Re: Patientenverfügung erforderlich

Beitrag von SusanneBerlin » 07.11.17, 09:44

Ist sein Wille dann uneingeschränkt zu berücksichtigen?
Das kann man so pauschal nicht sagen, das ist immer eine Abwägung in der konkreten Situation.

Wenn der Betreute in jeder Lebenslage zu vernünftigen Entscheidungen fähig wäre (sein Wille uneingeschränkt zum Tragen kommt ohne dass er dadurch Nachteile erleidet), dann bräuchte er ja keine Betreuung.
Grüße, Susanne

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