Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Domainrecht, Software-Lizenzrecht, Internetauktionshaus [Name geändert], Internetauktionsrecht....

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arneee
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Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

Hallo zusammen,

angenommen man kauft einen Artikel auf bekannten Auktionshäusern im Netz und will diesen innerhalb von 2 Wochen zurückgeben, wer zahlt die Hin- und Rücksendungskosten?
Bzw. noch vor Lieferung wird bekannt gegeben, dass man den Artikel nicht mehr haben möchte (!), der Versand jedoch trotzdem stattfindet und man die Paketannahme verweigert. Wer zahlt dann die Versandkosten? (Käufer hat, wie gesagt, die Paketannahme verweigert)
Und; wäre es rechtlich OK, dass in diesem Fall der Verkäufer die Kosten des Inserats im Auktionshaus, dem Käufer belastet?

mfg
arneee
Hafish
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Hafish »

Kommt drauf an, ob ein Geschäft zwischen einem Unternehmer (auf Verkäuferseite) und einem Verbraucher (auf Käuferseite) vorliegt.
Falls ja, trägt der Verkäufer alle Kosten, kann aber dem Käufer die Kosten auferlegen, sofern der Wert der Ware 40 EUR nicht übersteigt und das bereits bei Vertragsschluss vereinbart wurde.

Falls nein, hat der Käufer nicht mal einen Anspruch darauf, dass er überhaupt zurücktreten kann. Falls der Verkäufer sich trotzdem darauf einlassen will, kann er sich aussuchen, zu welchen Konditionen. Dann könnte er sogar verlangen, dass der Käufer die Ware persönlich im Clownskostüm bei ihm zu Hause abliefern muss.

Gruß Hafish
Kritik kann subjektiv als verletzend empfunden werden und ist daher generell zu unterlassen. - jaeckel
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arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

und wie genau ist es; wenn wie o.g. der käufer die annahme des pakets verweigert hat?
ist er erstmal dazu verpflichtet die ware abzunehmen?
Hafish
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Hafish »

Nur, wenn er Unternehmer ist und der Käufer Verbraucher. War das der Fall? Davon hängen nämliche alle weiteren Fragen/Antworten ab.
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arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

Ja das war der Fall.
Hafish
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Hafish »

Dann ist/war er verplichtet, die Ware anzunehmen und die Kosten zu tragen.
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arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

welche kosten muss er tragen?
hin- und rücksendungskosten, sowie die inseratsgebühren? nur weil die annahme verweigert wurde?
Hafish
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Hafish »

Argh, ich muss mich korrigieren, ich hatte mich verlesen. Ich ging bei meiner Antwort davon aus, dass der Käufer das Paket zurückgeschickt hat und der Verkäufer es nicht angenommen hat. :oops:

Also jetzt richtig:
Der wirksame Widerruf (egal ob vor oder nach Erhalt der Ware) bewirkt, dass beide Seiten keinen Erfüllungsanspruch mehr haben und dass gegebenenfalls erhaltene Leistungen zurückzugewähren sind. Dabei trägt der Unternehmer alle (!) Kosten. Er kann lediglich dem Käufer die Versandkosten aufbürden, wenn der Preis der Ware 40 EUR nicht übersteigt und wenn das bereits im Kaufvertrag so vereinbart worden ist.

Ist nichts dergleichen vereinbart, muss der Verkäufer die Versandkosten tragen, sowohl des Hin-, als auch des Zurücktransportes. Da keine Abnahmepflicht mehr besteht, muss der Käufer das Paket nicht annehmen. Das wird dann zum Versender zurückgeschickt, der ja wie gesagt ohnehin die Kosten tragen muss. Der Verkäufer muss den Kaufpreis komplett und ohne Abzüge zurückerstatten. Wenn die Ware auf dem Postweg verlorengeht, ist das Pech für den Verkäufer.
Das alles ergibt sich aus den §§ 346, 355, 357, 312d BGB.

So, ich hoffe ich hab nix vergessen.

Gruß Hafish
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arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

ok alles klar.
wie verhaelt man sich wohl richtig, wenn der verkaeufer die versandkosten sowie die inseratskosten einbehalten hat?
auch nach auffoderung des kaeufers den restbetrag zu ueberweisen, kommt der verkaeufer nicht nach. ganz im gegenteil, er meldet sich einfach nicht mehr.
was sollte in so einem falle der kaeufer tun?
khmlev
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von khmlev »

  1. Der Käufer wendet sich an den Anwalt seines Vertrauens und beauftragt ihn mit der Vertretung seiner Interessen
  2. oder aber er hakt die Sache ab ....
Gruß
khmlev
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maltem
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von maltem »

Anwalt oder vergessen sind die beiden Extreme, ich gehe in solchen Fällen immer einen Mittelweg:

Schritt 1: Freundliche Mail an den Verkäufer, mit der Bitte, die Versandkosten zu erstaten (Ist ja offenbar schon geschehen).
Schritt 2: Nicht mehr so freundliche Mail an den Verkäufer mit Hinweis auf entsprechende Paragraphen, Fristsetzung (14 Tage sind hier mehr als ausreichend), und Androhung eines gerichtlichen Mahnbescheids.
Schritt 3: Beantragen eines gerichtlichen Mahnbescheids, geht bequem online unter https://www.online-mahnantrag.de/

Schritt 4a: Verkäufer zahlt daraufhin: Alles super
Schritt 4b: Verkäufer bestreitet die Forderung -> Gerichtsverfahren, dann evtl. Anwalt nehmen
Schritt 4c: Verkäufer reagiert weiter nicht, dann erhält man auf Antrag einen vollstreckbaren Titel, mit dem man einn Gerichtsvollzieher beauftragen kann
arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

ok vielen dank fuer die ganze hilfe hier.
es wurde mir sehr gut weitergeholfen.

mfg
arneee
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von arneee »

hallo zusammen,

wollte mich nochmal zu wort melden.
ich habe mich an den verkaeufer gewendet mit o.g. problem mit der bitte der rueckerstattung.
der verkauefer wiederrum erklaerte mir folgendes:

mein widerrufsrecht fuer ueber verkaufsplattformen geschlossene kaufvertraege beginnt fruehestens ab erhalt der ware. ein vorzeitiges widerrufsrecht besteht nicht.
desweiteren; verweigert man die annahme bestellter waren, ist der verkaeufer berechtigt die hin- und ruecksendungskosten dem kaeufer zu belasten.

meine frage ist jetzt, wer hat recht?
weil im forum hier (s. diesen thread) steht genau das gegenteil.
kann mir da nochmal jemand helfen?

mfg
arneee
Gobbelino
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Gobbelino »

Hallo,

Unsinn, die Widerrufsfrist beginnt frühestens mit Erhalt der Ware, nicht das Widerrufsrecht. Letzteres besteht ab Kauf.

Was die Versandkosten betrifft muss Käufer bei Wert unter 40 Euro meist Rückversandkosten tragen. Bei verweigerter Annahme ist der Rückversand bei dem großem deutschen Versandunternehmen kostenfrei - ich weiß nicht ob bei anderen Paketanbietern evtl. Kosten entstehen?

Die Hinversandkosten trägt der Verkäufer, ich glaube dazu gibt es mittlerweile Urteile von OLG Karlsruhe, EuGH und BGH.

http://www.shopbetreiber-blog.de/2010/0 ... osten-bgh/

Sperrt der Verkäufer sich bleibt nur negative Bewertung und Rechtsweg.

Gobbelino
Jimmey1204
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Re: Artikel nach Onlinekauf zurückgeben - wer zahlt Versand?

Beitrag von Jimmey1204 »

arneee hat geschrieben:mein widerrufsrecht fuer ueber verkaufsplattformen geschlossene kaufvertraege beginnt fruehestens ab erhalt der ware.
Dann bitten Sie den VK doch darum, die Ware nochmal an Sie abzusenden, damit Sie (wie der VK jedenfalls meint) danach korrekt widerrufen können :D
Gobbelino hat geschrieben:Bei verweigerter Annahme ist der Rückversand bei dem großem deutschen Versandunternehmen kostenfrei - ich weiß nicht ob bei anderen Paketanbietern evtl. Kosten entstehen?
Oh ja, teilweise sogar höher als die Kosten des Hinversandes.



Nebenbei mal eine Frage an die Rechtsexperten:
Dass ein Widerruf nicht begründet werden muss, ist mir klar. Grundsätzlich ist es ja aber dazu vorgesehen,
dass der Kunde die Ware, wie etwa im Ladengeschäft möglich, vor Ort begutachten / testen kann. Dazu ist es in dem o.g. Fall ja gar nicht erst gekommen, da die Annahme verweigert wurde. Fantasieren wir jetzt mal noch dazu, dass der Käufer nicht widerrufen hat, bevor der VK die Ware abgesendet hat, also bewusst abgewartet hat, dass die Sendung abgeschickt wird, um dann beim Übergabeversuch doch die Annahme zu verweigern.
Aus VK-Sicht entstehen dabei absolut unnötige Kosten und, sofern z. B. keine Lieferprobleme (lange Dauer oder ähnliches) vorlagen, fragt man sich schon, warum ein Käufer so handelt.

Würde daher vielleicht die Möglichkeit bestehen, den §226 BGB einzuwerfen und dem Kunden damit z.B. das Recht auf Rückerstattung der Versandkosten, oder gar des gesamten Widerrufsrechts zu verweigern?

Nur mal soein Gedanke, der mir aufkam, als ich den § gelesen hab ;)
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