Softwareentwicklung

Domainrecht, Software-Lizenzrecht, Internetauktionshaus [Name geändert], Internetauktionsrecht....

Moderator: FDR-Team

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pesa
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Softwareentwicklung

Beitrag von pesa »

Hallo zusammen,

ich habe eine (für mich) sehr interessante Fragestellung, die ich gern teilen würde:

Eine Software für die Verwaltung und Verarbeitung von Dokumenten im technischen Bereich soll entwickelt werden.
Es gab so eine Software bis 2014 am Markt, wurde dann aber vom Softwareentwickler/Softwarevertreiber mangels Kundeninteresse nicht mehr weiterentwickelt und am Ende vollständig eingestellt.

Jetzt möchte ein ehemaliger Benutzer der alten, nicht mehr verfügbaren Software eine eigene Software entwickeln lassen und diese erheblich weiterentwickeln.
Der Quellcode der alten Software wird NICHT verwendet (ist auch gar nicht verfügbar), es wird sich lediglich an die Basisfunktionalität von damals angelehnt.

Die Funktionalität, Optik und Haptik unterscheidet sich vollkommen von der damaligen Version, der Quellcode wird ganz neu mit einer anderen Programmiersprache geschrieben.

Muss der neue Entwickler rechtliche Konsequenzen bezüglich Verletzungen von Urheberrechten oder ähnliches befürchten?

Wie ist die Rechtslage?

Ich freue mich auf Eure Meinungen.

Grüße, PESA
hawethie
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Beiträge: 5644
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Re: Softwareentwicklung

Beitrag von hawethie »

wenn rechtliche Konsequenzen möglich wären, dann dürfte es nur ein Textbearbeitungsprogramm und nur eine Tabellenkalkulation geben.
Eine Neuentwicklung ist eine Neuentwicklung ist eine Neuentwicklung.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.
Froggel
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Re: Softwareentwicklung

Beitrag von Froggel »

Ich hatte in meinem Beitrag hier ein Urteil des EuGH genannt, das sich auch gut auf diesen Fall anwenden lässt:
Er bestätigt dabei, dass die «Software-Richtlinie» (2009/24/EG) nur Ausdrucksformen eines Computerprogramms schützt, nicht aber die Ideen und Grundsätze, die der Logik, den Algorithmen und den Programmsprachen zugrunde liegen. Weder die Funktionalität noch die Programmiersprache oder das Dateiformat, die im Rahmen eines Computerprogramms verwendet werden, stellen nach Ansicht des Gerichtshofs eine Ausdrucksform dar, weshalb ein Schutz durch die Software-Richtlinie ausgeschlossen sei. Wenn somit ein Lizenznehmer, der keinen Zugang zum Quellcode der Software hatte und auch den Objektcode nicht dekompiliert hat, das Verhalten des Programms beobachtet, untersucht und testet und auf dieser Grundlage unter Verwendung derselben Programmiersprache und desselben Dateiformats die Funktionalität der Software nachbildet, liegt grundsätzlich keine Urheberrechtsverletzung vor. Der EuGH betont jedoch, dass die Programmiersprache und das Dateiformat unter Umständen durch das allgemeine Urheberrecht nach der «Informationsrichtlinie» (2001/29/EG) geschützt sein können.
Quelle
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
pesa
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Re: Softwareentwicklung

Beitrag von pesa »

Hallo und danke für die schnellen Antworten.
Das beruhigt den neuen Softwareentwickler doch sehr fiktiv :D

Tatsächlich wurde bei der Neuentwicklung absichtlich eine völlig andere Programmiersprache gewählt, damit gar nicht erst der Verdacht eine Urheberrechtsverletzung entstehen kann.
Trotzdem macht man sich fiktive Sorgen über sowas, da der ehemalige Softwarevertreiber ziemlich groß ist und evtl. nicht amüsiert sein wird, wenn er bemerkt, wie gut die Weiterentwicklung geworden ist.

Danke, PESA
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