erbe - kurz und schmerzlos

Moderator: FDR-Team

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DonCamilllo
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erbe - kurz und schmerzlos

Beitrag von DonCamilllo »

hallo

ich habe mal eine theoretische frage.
das mit dem erbe ist ja immer so eine sache.
notart, testament, zwangsteil etc etc.
die meisten hättens es ja am liebsten einfacher und es geht letztlich viel an den falschen aufgrund dieser dinge.

habe mir gestern überlegt.
eigentlich könnte man das doch theoretisch auch recht einfach umgehen, oder?

nehmen wir an herr a liegt auf dem sterbebett.
hat noch 15 minuten zu leben.
jetzt will er das seine frau alles bekommt.
hat aber kein testament oder notar.
und die sache mit dem zwangsteil für geschwister stände auch noch im raum.

aber könnte herr a nicht einfach noch alles mittels kleinem zettel seiner frau schenken bzw für nen kuss verkaufen :)
damit gäbe es dann einfach kein erbe oder gibts da einen haken an der idee?

danke

pragmatiker
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Re: erbe - kurz und schmerzlos

Beitrag von pragmatiker »

DonCamilllo hat geschrieben:hallo

ich habe mal eine theoretische frage.
das mit dem erbe ist ja immer so eine sache.
notart, testament, zwangsteil etc etc.
die meisten hättens es ja am liebsten einfacher und es geht letztlich viel an den falschen aufgrund dieser dinge.

habe mir gestern überlegt.
eigentlich könnte man das doch theoretisch auch recht einfach umgehen, oder?

nehmen wir an herr a liegt auf dem sterbebett.
hat noch 15 minuten zu leben.
jetzt will er das seine frau alles bekommt.
hat aber kein testament oder notar.
und die sache mit dem zwangsteil für geschwister stände auch noch im raum.

aber könnte herr a nicht einfach noch alles mittels kleinem zettel seiner frau schenken bzw für nen kuss verkaufen :)
damit gäbe es dann einfach kein erbe oder gibts da einen haken an der idee?

danke
1. heisst es pflichtteil, nicht zwangsteil.
2. gibt es kein pflichtteil für geschwister
3. kann zu lebzeiten der erblasser verschenken und verkaufen, wie er lustig ist.
verschenkt er alles, kann er nichts vererben. allerdings immobilien kann man nicht schnell mal verschenken, das muss notariell gemacht werden.
4. wo kein kläger da kein richter
5. wenn irgendwer sich übergangen fühlt und die schenkung oder den verkauf bestreitet, kommt es letztlich auf die beweislage an.
Jeder ist seines Glückes Schmied.

DonCamilllo
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Beitrag von DonCamilllo »

hallo

1 danke für die belehrung - mir gefällt aber zwangsteil fast besser;)
2 nie und unter keinen umständen?
3 kann man das nicht umgehen? beispielsweise durch einen schuldschein in höhe des wertes der immo?
4 das sowieso
5 beweislage? in wie fern? er darf doch, wie du sagtest, tun und lassen wie er will..
was soll man den beweisen? das die unterschrift authentisch ist?
das dürfte ja nicht sonderlich angreifbar sein, oder?

danke

matthias.
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Beitrag von matthias. »

Hallo,

wenn der Erblasser sein Geld kurz vor dem Tod verschenkt, verhindert er nicht die Pflichtteilsansprüch und verkaufen für einen Kuss bzw. 1 € ist letztlich auch nichts anderes als verschenken.

Wenn man was verkauft unter Preis, gilt der Unterschied zum eigentlich Wert als Geschenk.

Wenn der Mann noch schnell ein Zettel ausfüllen kann zum schenken, könnte er ja auch nur schnell ein handschriftliches Testament auf einen Zettel schreiben.

MfG
Matthias

maconaut
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Beitrag von maconaut »

DonCamilllo hat geschrieben: 2 nie und unter keinen umständen?
Der Pflichtteil gewährt im deutschen Erbrecht Abkömmlingen (§ 2303 Abs. 1 Satz 1 BGB), Eltern (§ 2303 Abs. 2 Satz 1 BGB), dem Ehegatten und dem Lebenspartner (§ 10 Abs. 6 LPartG) eines Erblassers auch dann...
Nie und unter keinen Umständen also - Geschwister des Erblassers sind nicht Pflichtteilsberechtigt, weil sie weder Abkömmling, Eltern, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers sind.

matthias.
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Beitrag von matthias. »

Geschwister können aber Erben sein, wenn es kein Testament gibt.

MfG
Matthias

matthias.
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Beitrag von matthias. »

matthias. hat geschrieben:Geschwister können aber Erben sein, wenn es kein Testament gibt.

MfG
Matthias
Natürlich können sie auch mit Testament Erbe sein.

DonCamilllo
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Beitrag von DonCamilllo »

in der schweiz sind geschwister halt "pflichtig".
aber gut!

und was bedeutet "kurz" vor dem tod?
kurz ist ja recht relativ:)
ausserdem verstehe ich den rechtlichen hintergrund nicht ganz.
eigentlich sollte er doch bis zu seinem tod mit seinem geld tun und lassen können was man will?
da wird man dann ja "kurz" vor dem tod quasi unmündig ?

und wo wir schon dabei sind:)
wieso darf ich den keinen kuss für 1 mio verkaufen?
wer legt das fest?
ich dachte es gibt eine vertragsfreiheit?
wenn es einer bereit ist zu zahlen und einer zu verkaufen?
und hinzu kommt ja das es ja keinen wirklichen "preis" gibt.
der preis ist das was einer zahlt.
wenn du einen tollen sportwagen zu verkaufen hast und keine käufer da sind sind unter umständen 100 euro der wirkliche preis.
wenn du hingegen ne komische briefmarke hast die 20 cent gekostet hat soll es leute geben die eine mio für diesen fetzen papier zahlen.

wer nimmt sich da wieso die freiheit zu bewerten was etwas wert ist?

gruß

Roni
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Beitrag von Roni »

wenn etwas deutlich unter seinem Wert verkauft wird, gilt das i.d.R. als Schenkung.

Aber wie du schon schreibst, bist du ja in der Schweiz, wie das dort ist, weiß ich nicht.

hambre
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Beitrag von hambre »

In Deutschland ist ein Zettel, auf dem jemandem eine Schenkung gewährt wird, sowieso unwirksam.

Das ist nur ein Schenkungsversprechen und so etwas muss zur Wirksamkeit notariell beurkundet werden.

Nur wenn eine Schenkung auch tatsächlich ausgeführt wurde, d.h. der beschenkte hat das Geld oder den Gegenstand in Besitz genommen, dann ist keine bestimmte Form erforderlich, außer bei Immobilien.

matthias.
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Beitrag von matthias. »

DonCamilllo hat geschrieben:in der schweiz sind geschwister halt "pflichtig".
aber gut!

und was bedeutet "kurz" vor dem tod?
kurz ist ja recht relativ:)
ausserdem verstehe ich den rechtlichen hintergrund nicht ganz.
eigentlich sollte er doch bis zu seinem tod mit seinem geld tun und lassen können was man will?
da wird man dann ja "kurz" vor dem tod quasi unmündig ?
Kurz vor dem Tod heisst bis 10 Jahre vorher.

Hintergrund ist, dass es in D einen Pflichtteilsanspruch gibt und man kann natürlich machen mit seinem Geld was man will, die Pflichtteilsberechtigten können aber nach dem Tod ihren Pflichtteil beanspruchen.
Das ist halt ein Grundprinzip des deutschen Erbrechts, dass man "Erben nicht total enterben" kann. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein, es ist aber so.
wenn es einer bereit ist zu zahlen und einer zu verkaufen?
Vertragsfreiheit darf aber nicht zu Lasten anderer gehen.
Wenn man kurz vor dem Tod sein Vermögen für 1 € verkauft, dann geht das halt zu Lasten der Erben und würde den Pflichtteilsanspruch unterlaufen.

Im übrigen kann man den Wert einer Sache durchaus festlegen, das geschieht dauern auch wenn Sachen nicht verkauft werden, z.b. zur Festlegung der Erbschaftssteuer.

MfG
Matthias

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