Erbe verschenken

Moderator: FDR-Team

muffel020
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Erbe verschenken

Beitrag von muffel020 »

Hallo Forum,

folgender Fall:
Sohn und Vater haben sich zerstritten. Der Vater spricht immer von erben und will es als verbales Druckmittel einsetzen. Der Sohn möchte nun klarstellen das er vom Vater nichts will, außerdem glaubt er nicht das am Ende irgendwas übrig bleibt. Er möchte deshalb das Erbe verschenken. Und zwar auf eine möglichst engültige Weise. Wenn der Vater stirbt möchte der Sohn mit der ganzen Aufteilungen und Streitereien nichts zu tun haben. Gibt es eine Möglichkeit ein Erbe endgültig zu verschenken? Quasi "hiermit übertrage ich alle Rechte und Pflichten die sich aus dem Erbe von X ergeben an Person Y". Person Y sollte natürlich weiterhin die Möglichkeit haben das Erbe ablehnen zu können, falls am Ende nur Miesen raus kommen.

Und wer macht am Ende eigentlich die Aufteilung? Das mit den Mindestanteil und so? Die Schenkungsurkunde müsste man an den Vater, den Beschenkten und den "Begutachter des Testamentes" schicken?

Wie ist die Rechtslage?


Vielen Dank

Muffel

khmlev
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von khmlev »

Der Sohn kann nichts verschenken, was ihm nicht gehört.

Wenn er aber sicherstellen möchte, dass er mit dem zukünftigen Erbe nichts zu tun hat, dann kann er auf seinen Erbanteil- und seinen Pflichtteilsanspruch verzichten. Dieser Verzicht muss notariell beurkundet werden, ferner muss der Erblasser, also der Vater diesen Verzicht annehmen. Zu Lebzeiten kann der Sohn also nur unter Mitwirkung seines Vaters auf seinen Erbanspruch verzichten.

Stirbt der Vater und der Sohn möchte mit dem Erbe nichts zu tun haben, dann muss er das Erbe nur ausschlagen.
Gruß
khmlev
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muffel020
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von muffel020 »

Naja, so richtig befriedigend ist das nicht. Der Notar kostet und Mitwirkung des Vaters ist gerade ganz schlecht. Trotzdem Danke für die Aufklärung :)

muffel020
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von muffel020 »

Ich habe doch nochmal eine Frage:
Nehmen wir an der Vater verstirbt. Kann dann der Sohn einfach das Erbe an jemanden verschenken? (Und zwar so das er mit der Sache nichts mehr zu tun hat; und sich nur noch der Beschenkte um Wert des Hauses, etc kümmert). Oder muß der Sohn durch die Sache durch und kann dann nur noch konkret die bekommen Sachen verschenken?

ChrisR
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von ChrisR »

Der Sohn kann das Erbe einfach ausschlagen, und damit hat sich das dann erledigt. Dazu geht er nach dem Tode des Vaters zum Amtsgericht und unterschreibt die Erbausschlagung

khmlev
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von khmlev »

Er kann den geerbten Nachlass natürlich auch verschenken, sofern der Erblasser den Nachlass nicht mit einer Verfügung von Todes wegen (z.B. Testament) mit einer oder mehreren Auflagen beschwert hat.
Gruß
khmlev
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fdrregister
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von fdrregister »

Ziel der Aktion soll doch sicher sein, dem "Druckmittel" Enterbung den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem von vornherein das Erbe abgelehnt wird. Das geht eben nur mit vorheriger Verzichtserklärung unter den genannten Umständen.

Sollen allerdings Erbstreitigkeiten im Erbfall vermieden werden, so schlägt man wie schon genannt einfach das Erbe aus - haben wir selbst schon so praktiziert aus ähnlichen Gründen.

compi57
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von compi57 »

... ich frage mich nur, in wie weit kann das Erbe, das man nicht will, ein Druckmittel sein - der Vater kann mir doch mit Enterbung kommen, und ich ignoriere das einfach, weil es mir vollkommen egal ist (... dann enterb mich doch...).

Ansonsten, egal ob ich es vorher irgendwie ausschlagen könnte (was wie geschrieben so nicht möglich ist) oder nachher, wenn es um Munition für verbale Attacken geht, würde selbst eine Vorabausschlagung das Schlachtfeld nur auf ein anderes Gebiet verlagern... denke ich mal.

Gruß C.

fdrregister
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von fdrregister »

compi57 hat geschrieben:... ich frage mich nur, in wie weit kann das Erbe, das man nicht will, ein Druckmittel sein - der Vater kann mir doch mit Enterbung kommen, und ich ignoriere das einfach, weil es mir vollkommen egal ist (... dann enterb mich doch...).
Und ich kann mir schon vorstellen, dass es belastend ist, wenn wieder und wieder dieses Thema zur Sprache kommt auch wenn man dem Argument mit "mir egal" entgegnet.

PurpleRain
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von PurpleRain »

fdrregister hat geschrieben:Und ich kann mir schon vorstellen, dass es belastend ist, wenn wieder und wieder dieses Thema zur Sprache kommt auch wenn man dem Argument mit "mir egal" entgegnet.
Wenn es nicht auf die Wirkung als Druckmittel ankommt, wird das Thema eben als "Hättest Du nicht freiwillig verzichtet, dann müsste ich dich enterben ... " zur Sprache kommen.
Zwischenmenschliche Probleme lassen sich lassen sich auch durch notariell beglaubigte Erklärungen meist nur unzureichend lösen.
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

khmlev
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von khmlev »

Um dem Vater deutlich zu machen, dass der Sohn es mit dem Erbverzicht ernst meint, könnte der Sohn ein notarielles Angebot auf Erbverzicht beurkunden und dem Vater das Angebot zustellen lassen. Es läge dann beim Vater, ob er das Angebot seines Sohnes auf Erbverzicht durch notarielle Urkunde annimmt oder nicht.

Angebot und Annahme des Erbverzichts müssen nicht gleichzeitig (also nicht bei Anwesenheit beider Teile) abgegeben werden, §§ 128, 152 BGB. I.d.R. sollte die Trennung von Angebot und Annahme aber vermieden werden.
Gruß
khmlev
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Roni
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von Roni »

@muffel020

du weißt aber, dass du trotz allem als Sohn zusammen mit den anseren Erben ( falls es welche gibt ) bestattungspflichtig bist :?:

fdrregister
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von fdrregister »

Wobei die Bestattungskosten zunächst aus der Erbmasse beglichen werden und damit ist ein Nicht-Erbe wieder draußen. Bei unzureichender Erbmasse zahlt er allerdings mit. Sonst würden ja auch alle anderen Erben ausschlagen und Papa Staat einspringen müssen...

whvceltic
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von whvceltic »

fdrregister hat geschrieben:Wobei die Bestattungskosten zunächst aus der Erbmasse beglichen werden und damit ist ein Nicht-Erbe wieder draußen. Bei unzureichender Erbmasse zahlt er allerdings mit. Sonst würden ja auch alle anderen Erben ausschlagen und Papa Staat einspringen müssen...
ist das so?

Wenn X verstirbt und die beiden möglichen Erben Y und Z das Erbe ausschlagen, müssen Sie doch nicht für die Bestattungskosten aufkommen,selbst wenn X total überschuldet ist?Es sei den sind nächster Angehöriger und deshalb Bestattungspflichtig bzw unterhaltspflichtig

Roni
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Re: Erbe verschenken

Beitrag von Roni »

bei der Bestattu7ngspflicht geht es ja nicht nur um die Kosten :!:

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