Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Moderator: FDR-Team

lotte33
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 20.08.11, 16:25

Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lotte33 »

Bei einem Freund von mir ist folgender Sachverhalt gegeben:

Der Vater trennte sich von Frau und Sohn, als dieser noch ein Kind war (ca. 8).
Danach nur sehr eingeschränkter Kontakt, auch Unterhaltsstreitigkeiten.
Zehn Jahre später heiratet der Vater erneut und bekommt mit der zweiten Frau noch zwei Kinder.

Der Vater hat vor ein paar Jahren ein Mietshaus mit ca. 8 Wohnungen geerbt.
Mal vorgesetzt, er muß es nicht im Alter für seine Pflege einsetzen und verstirbt irgendwann.
Hat der Sohn aus erster Ehe irgendwelche erbrechtlichen Ansprüche?
Vermutlich wird die 2. Frau (deutlich jünger als der Vater) erstmal das gesamte Erbe verwalten und eben evtl. versuchen, nur ihre eigenen Kinder zu versorgen.
Da der Kontakt zwischen Vater und Sohn ziemlich auf Eis liegt, ist zudem auch vorstellbar, daß testamentarisch in diese Richtung vorgesorgt wird.

Also: kann der Sohn aus 1. Ehe überhaupt irgendetwas etwas erwarten? Hat er rechtliche Ansprüche, die er geltend machen kann und wann/innerhalb welcher Fristen müßte er das ggf. tun?
Was ist, wenn er vom Tod seines Vaters z.B. gar nicht unterrichtet wird?

lg lotte
Zuletzt geändert von lotte33 am 09.04.12, 13:04, insgesamt 1-mal geändert.

Was weiß ich?
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 615
Registriert: 15.01.08, 17:55
Wohnort: Niedersachsen

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von Was weiß ich? »

Der Sohn ist ja ein leiblicher Abkömmling des Vaters und ehelich geboren.

Wenn sein Vater versterben sollte und kein Testament hinterlässt, dann muss die zweite Ehefrau einen Erbschein beantragen. Diesen erhält sie aber nur, wenn sie wahrheitsgemäße Angaben macht. Gem. § 342, Abs. 1, Punkt 4 des Famfg übernimmt das Nachlassgericht die Ermittlung von Erben. Da der Sohn ehelich geboren ist, steht er auch im Familienbuch des Vaters und kann quasi "nicht verloren gehen". Wichtig ist nur, dass der Sohn sich im Laufe seines Lebens auch immer schön bei den Meldeämtern anmelden (so er denn häufiger umzieht) sollte, damit auch eine Ermittlung möglich ist.

Existiert kein Testament so tritt die gesetzliche Erbfolge ein (mal googlen). Existiert ein Testament, so kann der Sohn seinen Pflichtteil geltend machen. Guckst du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Pflichtteil
Zuletzt geändert von Was weiß ich? am 09.04.12, 13:20, insgesamt 1-mal geändert.
Scientia potentia est. - Scio me nihil scire.
(Wissen ist Macht! - Ich weiß, dass ich nichts weiß)

lotte33
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 20.08.11, 16:25

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lotte33 »

Bei einer Anfechtung:
muß man dann eine Klage einreichen und wo und wann (max. 3 Jahre nach Kenntnisnahme)?

Pflichtteil: wie wo wann müßte man das ggf. geltend machen?

Ein Problem bei der Familiengeschichte ist eben, daß die Beziehung unterkühlt bis nicht gar nicht "gelebt" ist, weil der Vater sich nach der Scheidung von der Erstfamilie nur sehr sporadisch um seinen Sohn gekümmert hat und seit bald 20 Jahren kaum Kontakt besteht.
Eben weil der Sohn sich auch durch den Vater vernachlässigt fühlt, würde er eben gerne seinen möglichen Anteil nicht einfach der Zweitfamilie überlassen.

lg lotte

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von Elyss »

lotte33 hat geschrieben:Bei einer Anfechtung:
muß man dann eine Klage einreichen und wo und wann (max. 3 Jahre nach Kenntnisnahme)?
Welche Anfechtung denn nun?
Grüßle

Elyss

CruNCC
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3657
Registriert: 01.01.07, 21:55
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von CruNCC »

lotte33 hat geschrieben:Bei einer Anfechtung:
muß man dann eine Klage einreichen und wo und wann (max. 3 Jahre nach Kenntnisnahme)?
Was soll denn angefochten werden?
Pflichtteil: wie wo wann müßte man das ggf. geltend machen?
Der Pflichtteil (Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs in bar) kann innerhalb von drei Jahren gegenüber dem/den Erben geltend gemacht werden.

http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/ ... cationFile

lerchenzunge
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1060
Registriert: 06.11.08, 12:59

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lerchenzunge »

ehe sich der Sohn aus erster Ehe nun aber auf Basis des Pflichtteilanspruchs allzu große Hoffnungen machen sollte, sei erwähnt, dass der Vater unter Umständen, so denn beschriebene Verhältnis zwischen den beiden auf Gegenseitigkeit beruht, sich auch schon Gedanken darüber gemacht haben könnte, wie er den Anspruch des ersten Sohnes minimieren kann und daher Teile seines Besitzes bereits per Schenkung an seine Frau bzw. insbesondere die Kinder aus zweiter Ehe übertragen haben könnte... Schenkungen werden aber bei der Pflichtteilsbemessung nur dann berücksichtigt, wenn sie weniger als 10 Jahre zurückliegen und dann auch nur anteilsmäßig, abhängig davon, wie lange sie schon zurückliegen

DaChris77
Account gesperrt
Beiträge: 1021
Registriert: 10.10.10, 20:05
Wohnort: TI, Schweiz

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von DaChris77 »

Und was wäre wenn der Vater das Haus, an seine neue Frau oder eine Firma in der nur sie Geschäftsführerin ist, verkauft und das Geld "verprasst"?

lerchenzunge
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1060
Registriert: 06.11.08, 12:59

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lerchenzunge »

DaChris77 hat geschrieben:Und was wäre wenn der Vater das Haus, an seine neue Frau oder eine Firma in der nur sie Geschäftsführerin ist, verkauft und das Geld "verprasst"?
ob er das Haus an seine Frau, an seine Kinder oder an einen unabhängigen Dritten verkauft und das Geld dann verprasst, spielt keine Rolle: es gibt dann nix mehr zum Vererben. Nur wenn er das Haus offensichtlich allein deshalb verkauft hat, also zB. nur einen symbolischen Preis genommen hat, könnte das Finanzamt eventuell sich das kritisch ansehen, ob hier versucht wurde, Schenkungs/Erbschaftssteuer zu umgehen...

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von Elyss »

Wenn zwischen der Schenkung und dem Tod des Erblassers weniger als 10 Jahre vergangen sind, können sich u.U. Pflichtteilsergänzungsansprüche ergeben.
Grüßle

Elyss

lotte33
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 20.08.11, 16:25

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lotte33 »

Daß der Vater das Geld "verprasst", ist eher unwahrscheinlich. Er hat eine gute Rente und ein eigenes Haus, m.W. ist auch die zweite Frau berufstätig.
Andersist es halt mit Schenkung etc.
Da wäre schon möglich, daß versucht wird, die 2. Frau und die Kinder aus 2. Ehe zu begünstigen.
Fair wäre es nicht, denn der Vater hat ja den Sohn aus 1. Ehe "verlassen" (als dieser ein Kind war), sozusagen mit der Erstfamilie "abgeschlossen".

Von Anfechtung war oben die Rede, wenn die Zweitfrau den Sohn aus 1. Ehe sozusagen dem Nachlassgericht gegenüber "unterschlägt".

lg lotte

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von Elyss »

Also ich kann in dem Beitrag nicht über "Anfechtung" finden....

Was fair ist und was nicht ist oftmals Ansichtssache! Der Erblasser ist auch nicht verpflichtet, alle seine Kinder gleich zu behandeln. Er könnte das Kind aus erster Ehe, wenn er das denn möchte, auch per Testament enterben und ihm nur den Pflichtteil hinterlassen.
Grüßle

Elyss

lotte33
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 20.08.11, 16:25

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lotte33 »

ja, ich glaube, der Beitrag, auf den ich mich beziehe, ist geändert worden.
Bzgl. "fair" etc.: wenn ein Vater sich nicht nur von seiner Frau, sondern damit auch von seinem Kind "scheiden" läßt, d.h. sich nicht mehr kümmern mag, was kann ein 7-Jähriger da schon tun?
Klar, er hätte 10/15 Jahre später versuchen können, die Beziehung wieder zu aufzubauen, aber man kann nun Geschehenes auch nicht ungeschehen machen. Nun läßt sich elterliche Fürsorge vielleicht nicht rechtlich fassen, ist hier vielleicht auch ein Nebenaspekt und nur insofern relevant, als der Sohn vom Tod seines Vaters ggf. gar nicht zeitnah unterrichtet werden würde.

lg lotte

lerchenzunge
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1060
Registriert: 06.11.08, 12:59

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lerchenzunge »

mit der Frage nach "Fairness" sind wir schon sehr weit ausserhalb des Themenfeldes, welches hier abgehandelt werden kann, daher nur als Gedankenanregung: mit gleicher Berechtigung, mit der der Sohn aus erster Ehe es als "unfair" empfinden könnte, nur den Pflichtteil abzubekommen, können die Frau und die Kinder aus zweiter Ehe es als "unfair" empfinden, dass jemand, der in der Zeit des Vermögensaufbaus und der Vermögenssicherung (ein solches Mietshaus mit acht Parteien macht ja auch viel Arbeit) nicht mitgewirkt hat, nicht Teil der Familie war (warum auch immer), der zB. falls der Vater pflegebedürftig wird ihn sicher auch nicht pflegen wird, überhaupt einen Teilen vom Kuchen abbekommen soll...
Die Frage nach "Fairness" ist eben sehr vom Standpunkt des Betrachters abhängig und kann daher nicht Grundlage eines neutralen Rechtes sein

lotte33
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 20.08.11, 16:25

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von lotte33 »

lerchenzunge hat geschrieben:dass jemand, der in der Zeit des Vermögensaufbaus und der Vermögenssicherung (ein solches Mietshaus mit acht Parteien macht ja auch viel Arbeit) nicht mitgewirkt hat, nicht Teil der Familie war (warum auch immer)
Die Frage nach "Fairness" ist eben sehr vom Standpunkt des Betrachters abhängig und kann daher nicht Grundlage eines neutralen Rechtes sein
Der Vater hat das Mietshaus von seiner Mutter (also der Oma des Betreffenden) geerbt, da er nicht vor Ort ist, wird es vermutlich von einer Wohnungsverwaltung gemanagt.
Ich finde die Frage der "Fairness" ziemlich eindeutig (ein Kind kann nichts dafür, wenn es verlassen wird), aber das ist, wie bereits gesagt, eigentlich nicht Inhalt der Frage.
Sondern eher, welche Ansprüche er ggf. hat und wie er sie dann geltend machen könnte.

lg lotte

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Kann ein Scheidungskind leer ausgehen?

Beitrag von Elyss »

lotte33 hat geschrieben: Sondern eher, welche Ansprüche er ggf. hat und wie er sie dann geltend machen könnte.
Das hatten wir ja dann schon geklärt!
Grüßle

Elyss

Antworten