Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

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Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Newbie »

Liebe Foren- und Spezialistengemeinde,

gesetzt sei folgender fiktiver Fall:

Leibliche Mutter A
Leiblicher Vater B
Stiefvater C
Kind D

Mutter A und Vater B sind seit mehr als 26 Jahren geschieden. Kind D, inzwischen kurz vorm 40. Geburtstag, hat seit dieser Zeit auch bewusst keinen Kontakt mehr zum leiblichen Vater. Die Gründe seien dahingestellt, da sehr persönlich.
Mutter A ist mit Stiefvater C seit 25 Jahren verheiratet, Kind D wurde jedoch nicht von Stiefvater C adoptiert. Der Wille war da, aber um Stress mit Vater B zu vermeiden, wurde dies damals erst einmal auf Eis gelegt. In den letzten Jahren war es immer wieder Thema, aber aufgrund Auslandsaufenhalten von Kind D und daneben noch weiteren Stiefgeschwistern ist es bisher nicht wirklich gelungen alle unter einen Hut zu bringen und das ganze in die Wege zu leiten. Wird sicher später passieren, wenn Kind D wieder aus dem Ausland zurück ist.
Stiefvater C hat die Rolle des Vaters voll und ganz ausgefüllt, für Kind D ist es der beste Vater der Welt.

Kind D ist inzwischen auch verheiratet und macht sich Gedanken, was im Fall der Fälle mit seinem wenn auch nur bescheidenen Vermögen passiert. Kind D möchte nicht, dass leiblichem Vater B im Falle des Todes von Kind D etwas zusteht. Um den Erbanspruch bzw. Pflichtteilsanspruch von leiblichen Vater B möglichst gering zu halten, kam Kind D auf folgende Idee:

Erstellung eines Testamentes, in dem leiblicher Vater B mit einem symbolischen Betrag von 100 EUR bedacht wird.
Der Rest des Erbes wird unter Ehegatte, Mutter A und leiblichem Bruder von Kind D aufgeteilt.

Durch die "symbolischen" 100 EUR für den leiblichen Vater B ist dieser ja quasi nicht enterbt und kann keine Pflichtteilsansprüche geltend machen.
Ist diese Form der "Schadensbegrenzung" möglich ?

Kind D ist klar, dass es unabhängig davon gegenüber leiblichem Vater B im Falle eines Falles einmal unterhaltsverpflichtet sein sollte, wenn bis dahin nicht die geplante Adoption durchgeführt wird. Das ist aber eine andere Baustelle, hier soll erst einmal der Erbanspruch behandelt werden.

Herzlichen Dank schon jetzt an alle, die sich zur Beantwortung Zeit nehmen !

LG
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Elyss
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Elyss »

Der leibliche Vater könnte hier gemäß §2305 BGB einen sog. "Zusatzpflichtteil" geltend machen. Bringt also nichts!
Grüßle

Elyss

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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Newbie »

Danke für die schnelle Antwort, Elyss !

Wäre wohl auch zu einfach gewesen :roll:

Dann kann Kind D nur hoffen, dass die Adoption durch Stiefvater C noch passiert, bevor Kind D etwas passiert :wink:
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Elyss
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Elyss »

Oder D bekommt schnell Nachwuchs! :wink:

Dann haben die Eltern keinen Pflichtteilsanspruch mehr
Grüßle

Elyss

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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Newbie »

Elyss hat geschrieben:Oder D bekommt schnell Nachwuchs! :wink:

Dann haben die Eltern keinen Pflichtteilsanspruch mehr
:lol: Das wäre sicher die einfachste Variante, ist aber für Kind D keine Option. :wink:

Ganz lieben Dank nochmal für die fixe Hilfe 8)
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Drakon
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Drakon »

Auch nach einer Adoption bleiben D und B verwandt und entsprechend erb- bzw. pflichtteilsberechtigt.

Elyss
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Elyss »

Das ist so pauschal falsch! Handelt es sich bei der Adoption um eine Volljährigenadoption, dann kann das Gericht unter bestimmten Umständen anordnen, dass nach den Grundsätzen der MInderjährigenadoption adoptiert wird. Und dann erlischt das Erbrecht der leiblichen Eltern.

Hier könnte z.B. §1772 Abs. 1 Nr. c BGB vorliegen
Grüßle

Elyss

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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Newbie »

Elyss hat geschrieben:Das ist so pauschal falsch! Handelt es sich bei der Adoption um eine Volljährigenadoption, dann kann das Gericht unter bestimmten Umständen anordnen, dass nach den Grundsätzen der MInderjährigenadoption adoptiert wird. Und dann erlischt das Erbrecht der leiblichen Eltern.

Hier könnte z.B. §1772 Abs. 1 Nr. c BGB vorliegen
Danke Elyss, für diese Anmerkung. Genau dies haben Mutter A, Stiefvater C und Kind D und der leibliche Bruder von Kind D auch angedacht.
Die Bedingungen hierfür sollten alle erfüllt sein. Auch die Stiefgeschwister von Kind D (Kinder des Stiefvaters C) haben keinerlei Bedenken dagegen, im Gegenteil, sie würden es sehr begrüßen. Auch wenn ihr potentielles Erbe dadurch ja geschmälert wird. :lol:

In diesem Falle handelt es sich wohl um den Optimal-Fall einer Patchwork-Familie, es wurde und wird innerhalb der Familie nicht unterschieden, wer von wem abstammt etc. Trotz einiger Reibereien am Anfang, wurde schon von Beginn an bei der Frage "Wer hat das nun wieder angestellt ?" immer zu viert geantwortet "Wir." :lachen:

Soetwas soll es ja auch geben :wink:

Danke nochmals !

LG Newbie
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Drakon
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Drakon »

Elyss hat geschrieben:Das ist so pauschal falsch! Handelt es sich bei der Adoption um eine Volljährigenadoption, dann kann das Gericht unter bestimmten Umständen anordnen, dass nach den Grundsätzen der MInderjährigenadoption adoptiert wird. Und dann erlischt das Erbrecht der leiblichen Eltern.

Hier könnte z.B. §1772 Abs. 1 Nr. c BGB vorliegen
Der Regelfall ist das Bestehenbleiben der Verwandtschaftsverhältnisse. Es ist in rechtlichen Angelegenheiten sehr oft möglich, dass a) ein Sonderfall vorliegen könnte
und
b) das zuständige Gericht vielleicht in bestimmter Weise entscheiden könnte.

Dies darzustellen, ist für mich die Aufgabe von Kommentaren, und einem Rechtsuchenden solche Möglichkeiten (Mehr ist es nicht, denn auch beim Vorliegen eines solchen Falls ist eine entsprechende Entscheidung nicht zwingend geboten.) zu erklären, ist Bestandteil einer Rechtsberatung. Beides würde die Möglichkeiten eines Forums sprengen. Sofern man der Auffassung ist, Denkbares darstellen zu müssen, kann man das natürlich tun, aber es wäre dann wünschenswert, wenn alles Denkbare geschrieben würde, um einen Fragenden nicht zu falschen Überlegungen zu bringen.
Newbie hat geschrieben:Genau dies haben Mutter A, Stiefvater C und Kind D und der leibliche Bruder von Kind D auch angedacht.
Dann muss nur noch der zuständige Richter mitmachen, denn eine Entscheidung im Sinn des Angedachten ist auch beim Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen nicht zwingend geboten.

Newbie
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Re: Testament - Indirekt Quasi-Enterbung möglich ?

Beitrag von Newbie »

Drakon hat geschrieben:
Elyss hat geschrieben:Das ist so pauschal falsch! Handelt es sich bei der Adoption um eine Volljährigenadoption, dann kann das Gericht unter bestimmten Umständen anordnen, dass nach den Grundsätzen der MInderjährigenadoption adoptiert wird. Und dann erlischt das Erbrecht der leiblichen Eltern.

Hier könnte z.B. §1772 Abs. 1 Nr. c BGB vorliegen
Der Regelfall ist das Bestehenbleiben der Verwandtschaftsverhältnisse. Es ist in rechtlichen Angelegenheiten sehr oft möglich, dass a) ein Sonderfall vorliegen könnte
und
b) das zuständige Gericht vielleicht in bestimmter Weise entscheiden könnte.

Dies darzustellen, ist für mich die Aufgabe von Kommentaren, und einem Rechtsuchenden solche Möglichkeiten (Mehr ist es nicht, denn auch beim Vorliegen eines solchen Falls ist eine entsprechende Entscheidung nicht zwingend geboten.) zu erklären, ist Bestandteil einer Rechtsberatung. Beides würde die Möglichkeiten eines Forums sprengen. Sofern man der Auffassung ist, Denkbares darstellen zu müssen, kann man das natürlich tun, aber es wäre dann wünschenswert, wenn alles Denkbare geschrieben würde, um einen Fragenden nicht zu falschen Überlegungen zu bringen.
Newbie hat geschrieben:Genau dies haben Mutter A, Stiefvater C und Kind D und der leibliche Bruder von Kind D auch angedacht.
Dann muss nur noch der zuständige Richter mitmachen, denn eine Entscheidung im Sinn des Angedachten ist auch beim Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen nicht zwingend geboten.
Danke auch für Ihre Anmerkungen Drakon !
Natürlich liegt es im Endeffekt im Ermessen des zuständigen Richters, das ist Kind D bzw. den Beteiligten auch insoweit klar.
Mir ist auch klar, dass alles weitere hier einer Rechtsberatung gleichkommen würde und dies ist nicht erlaubt.
Wenn das Verfahren dann nach Rückkehr von Kind D in Angriff genommen wird, geht sowieso nichts ohne Notar und ggf. einem Rechtsanwalt.

Viele Grüße !

Newbie
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