Testament anfechten

Moderator: FDR-Team

Fred_Unger
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 12
Registriert: 16.12.13, 16:39

Testament anfechten

Beitrag von Fred_Unger » 16.12.13, 16:47

Mein Vater hat mich meine Tochter und seine Lebensgefährtin per handschriftlichen Testament bedacht.
Meiner Tochter und mir hat er Lebnensversicherungen etc. vermacht und der Lebensgefährtin seinen anteil an der gem. Wohnung.
Weiter hat die Lebensgefährtin eine Vollmacht für seine Konten die wohl auch nach dem Tod noch besteht (kein gemeinsames Konto) das noch gut 10.000 € schwer ist. Da ich laut Erbfolge der einzige Erbberechtigte bin, sollte doch auch das Geld auf seinen Konten an mich gehen. Darf die Lebensgefährtin von diesem Geld nach seinem Tode noch etwas nehmen, oder kann ich das später eifordern?
Bzw. spiele ich mit dem Gedanken bzgl. dem Wohnungsanteil das Testament anzufechten.

Wie ist hier die Rechtslage?

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Testament anfechten

Beitrag von Elyss » 16.12.13, 16:53

Um zu entscheiden, wem das Geld auf dem Konto zusteht, müsste man konkret wissen, wie das Testament formuliert ist. Wenn die Vollmacht der Lebensgefährtin über den Tod hinaus gilt, so kann sie weiterhin über das Konto verfügen, sie darf es allerdings nicht. Es wäre also am sichersten, die Vollmacht zu widerrufen.

Einen Grund für eine Anfechtung sehe ich jetzt nicht
Grüßle

Elyss

Redfox

Re: Testament anfechten

Beitrag von Redfox » 16.12.13, 16:54

Vollmachten des Erblassers, die über den Tod hinausgehen, können von den Erben widerrufen werden.

Der Erbe kann gegen den Erbschaftsbesitzer die Herausgabe des Erlangten verlangen, siehe dazu z.B. hier --> http://www.rechtslexikon.net/d/erbschaf ... sitzer.htm

Die Teilanfechtung eines Testamentes ist möglich.
Elyss hat geschrieben:Wenn die Vollmacht der Lebensgefährtin über den Tod hinaus gilt, so kann sie weiterhin über das Konto verfügen, sie darf es allerdings nicht.
Warum sollte sie nicht dürfen?

Allerdings nützen ihr Verfügungen ggf. nichts.

CruNCC
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3599
Registriert: 01.01.07, 21:55
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Testament anfechten

Beitrag von CruNCC » 16.12.13, 19:43

Fred_Unger hat geschrieben:Meiner Tochter und mir hat er Lebnensversicherungen etc. vermacht.
Wenn als Bezugsbrerechtigte die Bedachten eingetragen sind, fallen die LV nicht in den Nachlass.
Wer Erbe ist, ergibt sich aus dem Beitrag nicht, hier kommt es auf die genaue Formulierung des Testaments an.
Da ich laut Erbfolge der einzige Erbberechtigte bin, sollte doch auch das Geld auf seinen Konten an mich gehen.
Hier gilt aber nicht gesetzliche Erbfolge, sondern das, was im Testament verfügt wurde.
Bzw. spiele ich mit dem Gedanken bzgl. dem Wohnungsanteil das Testament anzufechten.
Mit welcher Begründung soll denn angefochten werden? Ein Testament kann nicht "angefochten" werden, nur weil einem der Inhalt nicht passt.

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23805
Registriert: 07.06.05, 20:10

Re: Testament anfechten

Beitrag von matthias. » 16.12.13, 20:10

Bei den Lebensversicherung kann es sich auch um Kapitallebensversicherungen z.b. handeln. Das wären dann eher Vermögen was man wirklich vererben kann, nicht der Risikoanteil (Risikolebensversicherung) der evtl. auch schon längst nicht mehr abgesichert ist..

Man kann eigentlich hier nur raten zu einem Anwalt zu gehen. Es geht ja um 5-6 stellig Summen, da kann man sich doch eine Erstberatung für 250 € gönnen und weiß woran man ist oder?

Evtl. hätte man auch einen Pflichtteilsergänzungsanspruch gegen die Lebensgefährtin, wobei das Ganze auch noch verkompliziert wird durch die bedachte Tochter/Enkelin, die ja auch nicht gesetzliche Erbin ist. Aber das kann dir alles der Anwalt ausrechnen.

Fred_Unger
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 12
Registriert: 16.12.13, 16:39

Re: Testament anfechten

Beitrag von Fred_Unger » 16.12.13, 21:21

Also nochmal genauer:

Im Testament steht, daß mein Vater seiner Lebensgefährtin seinen Anteil 25% (wobei ich glaube er hat einen Drittel Anteil an der Wohnung bezahlt, jedenfalls sagte er dies immer.) der Wohnung in xxxxx, vererbt. Aber das könnte man wohl am Grundbuchamt erfragen.

Weiter schrieb er: Alle meine Geldanlagen soll mein Sohn Herr XX wohnhaft in XX erben.

Im Testament steht nichts von meiner Tochter, die hat er als Begünstigte einer LV eingesetzt. Sowie auch mich in einer anderen LV und einer Geldanlage.
Da es ausser mir niemenden gibt der erbberechtigt wäre, sollte alles weitere was ihm gehörte, also auch das laufende Giro-/ Sparkonto an mich gehen.

Der Wert des Wohnungsanteil sollte allerdings den Wert der mir vererbten Geldanlagen bei weitem übersteigen, deshalb die Frage.

Einen Termin beim RA habe ich schon vereinbart, nur wenn meine Annahme völlig absurd ist, werde ich mir das sparen.

Wie seht ihr die Rechtslage?

Elyss
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5088
Registriert: 23.02.07, 19:53
Wohnort: bei Darmstadt

Re: Testament anfechten

Beitrag von Elyss » 16.12.13, 23:33

Ich sehe immer noch keinen Grund, mit dem man das Testament anfechten könnte....
Grüßle

Elyss

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23805
Registriert: 07.06.05, 20:10

Re: Testament anfechten

Beitrag von matthias. » 17.12.13, 08:39

Wenn der wert der Immo das Geldvermögen übersteigt käme wie ich schon sagte ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Frage.


Also z.b. der Wert der Immo den er vererbt hat 100.000.- €, du erbst in Geld den Rest 10.000 €.

Dann wäre dein Pflichtteil aus dem Erbe die Hälfte von allem. 55.000 €, Du hast aber nur 10.000 bekommen. Also müsste dir die Lebensgefährtin noch 45.000 € geben.

Beachten sollte man auch noch ob die Immo schuldenfrei ist!

Die Beerdigung geht auch noch vom Vermögen ab.

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6056
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Testament anfechten

Beitrag von khmlev » 17.12.13, 09:21

Mir ist der Sachverhalt noch ziemlich unklar.
Fred_Unger hat geschrieben:Im Testament steht, daß mein Vater seiner Lebensgefährtin seinen Anteil 25% (wobei ich glaube er hat einen Drittel Anteil an der Wohnung bezahlt, jedenfalls sagte er dies immer.) der Wohnung in xxxxx, vererbt.
Gibt es nun ein Vermächtnis in Höhe von 25% des Barvermögens, unter der Auflage damit die Verbindlichkeiten der Wohnung zu tilgen oder wurde ein Vermächtnis ausgesprochen, indem der Miteigentumsanteil des Erblassers seiner Lebensgefährtin zu übertragen ist, oder gar beides?
[quote=""Fred_Unger"]Weiter schrieb er: Alle meine Geldanlagen soll mein Sohn Herr XX wohnhaft in XX erben.[/quote]Das scheint mir ebenfalls ein Vermächtnis zu sein, denn
Fred_Unger hat geschrieben:Da es ausser mir niemenden gibt der erbberechtigt wäre, sollte alles weitere was ihm gehörte, , also auch das laufende Giro-/ Sparkonto an mich gehen.
Dies deutet daraufhin, dass wohl die gesetzliche Erbfolge gilt und im Testament nur Vermächtnisse ausgesprochen wurden.
matthias. hat geschrieben:wie ich schon sagte ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Frage.
Warum in diesem Zusammenhang ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Frage kommt, ist mir nicht ganz klar, da der Sohn als (alleiniger) gesetzlicher Erbe, das Erbe anscheinend angenommen hat. Warum sollte er das Testament sonst anfechten wollen.
matthias. hat geschrieben:Also z.b. der Wert der Immo den er vererbt hat 100.000.- €, du erbst in Geld den Rest 10.000 €.
Es scheint ja nur ein Anteil, irgendwo zwischen 25% und 1/3, vererbt, vermacht oder was auch immer, zu sein. Dann wäre der anzusetzende Wert, bei 25%= EUR 25.000,00 davon 50% = € 12.500

Hier erscheint noch allzuviel im Nebel zu sein. Ohne den gesamten Inhalt des Testamentes zu kennen, lässt sich hier keine Aussage treffen.
Gruß
khmlev
- out of order -

Fred_Unger
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 12
Registriert: 16.12.13, 16:39

Re: Testament anfechten

Beitrag von Fred_Unger » 17.12.13, 13:21

Also nochmal,
Im Testament steht: Dass mein Vater seiner Lebensgefährtin seinen Anteil an der gemeinsamen Wohnung vererbt. Diesen Anteil beschreibt er im Testament mit 25%. Die Wohnung sollte in etwa etwas über 200.000€ Wert sein. Wie hoch sein Anteil beim Kauf der Wohnung genau war weiss ich nicht, aber er hat mehrfach von einem Drittel gesprochen, das wären also 33,3333%. Die Wohnung ist schuldenfrei.

Und dann steht eben noch dass ich alle Geldanlagen bekommen soll. Den Rest regelt die gesetzliche Erbfolge, in dem Fall wäre ich der alleinig Begünstigte.

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23805
Registriert: 07.06.05, 20:10

Re: Testament anfechten

Beitrag von matthias. » 17.12.13, 13:47

Ich würd mal ins Grundbuch schauen.

Roni
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 12161
Registriert: 21.01.05, 19:42

Re: Testament anfechten

Beitrag von Roni » 17.12.13, 14:01

matthias. hat geschrieben:Ich würd mal ins Grundbuch schauen.
richtig,
aber selbst wenn dem Vater " nur " 25 % gehörten würde das bedeuten dass ein Pflichteilergänzungsanspruch besteht.

Redfox

Re: Testament anfechten

Beitrag von Redfox » 17.12.13, 14:06

Roni hat geschrieben:aber selbst wenn dem Vater " nur " 25 % gehörten würde das bedeuten dass ein Pflichteilergänzungsanspruch besteht.
Verstehe ich nicht.

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch ist in § 2325 BGB geregelt. Da geht es um Schenkungen unter Lebenden.

Wo ist hier eine Schenkung unter Lebenden zu sehen?

Oder ist der Zusatzpflichtteil gem. § 2305 BGB gemeint?
Zuletzt geändert von Redfox am 17.12.13, 14:13, insgesamt 1-mal geändert.


khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6056
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Testament anfechten

Beitrag von khmlev » 17.12.13, 14:46

Nach den Ausführungen des Themerstellers ist der Sohn Alleinerbe und der Miteigentumsanteil des Erblassers an der Wohnung anscheinend nur ein Vermächtnis zu Gunsten der Lebensgefährtin .
Fred_Unger hat geschrieben:Den Rest regelt die gesetzliche Erbfolge, in dem Fall wäre ich der alleinig Begünstigte.
Gruß
khmlev
- out of order -

Antworten