Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Moderator: FDR-Team

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lowmax
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Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von lowmax »

Um sich einen Überblick zu verschaffen, ob das Erbe ggf. ausgeschlagen werden sollte, schreibt der (mögliche) Erbe die jeweiligen Banken mit der Bitte um Auskunft an. Sterbeurkunde liegt den Schreiben bei.
Alle Banken verweigern die Auskunft, solange keine Erburkunde vorgelegt wird!!

Aber beißt sich hier die Katze nicht in den Schwanz? Sofern die Erburkunde vorgelegt werden würde, hätte man das Erbe doch schon angenommen, oder? Dabei möchte man doch zunächst herausfinden, ob man das Erbe überhaupt annehmen sollte, und das müsste doch auch eigentlich ohne Erburkunde möglich sein! Oder soll man etwa Würfeln, ob das Erbe ausgeschlagen werden soll..?

CruNCC
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von CruNCC »

Aber beißt sich hier die Katze nicht in den Schwanz?
Das kann man so sehen.
Sofern die Erburkunde vorgelegt werden würde, hätte man das Erbe doch schon angenommen, oder?
Richtig.
Dabei möchte man doch zunächst herausfinden, ob man das Erbe überhaupt annehmen sollte, und das müsste doch auch eigentlich ohne Erburkunde möglich sein! !
Es ist nunmal so, dass man ohne Erbnachweis bei Banken etc. keine Auskunft erhält. Ggfl. ergibt sich ein Hinweis aus den Unterlagen des Verstorbenen.
Oder soll man etwa Würfeln, ob das Erbe ausgeschlagen werden soll..?
Das kann man natürlich auch machen.. :mrgreen:

Fakt ist, es gibt keine Möglichkeit vorab Auskunft zu erhalten. Ausschlagen sollte man nur, wenn bekannt ist, dass der Nachlass überschuldet ist. Sollte sich nach der Annahme der Erbschaft herausstellen, dass dieser überschuldet ist, kann man Nachlassinsolvenz beantragen und damit die Haftung auf den Nachlass beschränken.

lowmax
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von lowmax »

Vielen Dank für die Antwort! Auch wenn es praktisch nicht weiterhilft, es ist einfach verrückt, wie die Sachlage ist. Ich hätte nicht gedacht, dass in Deutschland so etwas dem Zufall überlassen wird...

Im digitalen Zeitalter findet man leider auch keine greifbaren Kontoauszüge mehr. Zugänge (Passwörter) zu Computer, Online-Konten, Email-Accounts etc... sind leider auch nicht bekannt. (Wortsperre: Firma) und Co. sind da mindestens genauso streng wie die Banken... :cry:

Rolf22
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von Rolf22 »

Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen nach Kenntnisnahme des Erbfalls. Falls ein Testament vorliegt, besteht noch genügend Zeit die Auskunft zu erhalten. Wenn eine Kopie vorgelegt wird, erteilen die Banken Auskunft.

barbara müller
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von barbara müller »

Rolf22 hat geschrieben:Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen nach Kenntnisnahme des Erbfalls. Falls ein Testament vorliegt, besteht noch genügend Zeit die Auskunft zu erhalten. Wenn eine Kopie vorgelegt wird, erteilen die Banken Auskunft.
Nö, das müssen die Banken nicht, so wie´s von Dir geschildert wird.
Das müssen sie nur bei einem öffentlichen = notariellen Testament.
Wenn man den Banken diese Eröffnungsurkunde vorlegt, dann müssen sie Auskunft geben.

khmlev
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von khmlev »

barbara müller hat geschrieben:Nö, das müssen die Banken nicht, so wie´s von Dir geschildert wird.
Das müssen sie nur bei einem öffentlichen = notariellen Testament.
Wenn man den Banken diese Eröffnungsurkunde vorlegt, dann müssen sie Auskunft geben.
Aber nur dann, wenn die Erbfolge ersichtlich ist. Das ist es beim Ehegattentestament mit Schlusserbenfolge und Pflichtteilsstrafklausel nach dem Tod des Längstlebenden schon nicht mehr.
Gruß
khmlev
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FM
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von FM »

Ist völlig selbstverständlich, dass eine Bank einer Privatperson keine Auskunft gibt. Bankgeheimnis. Anders natürlich beim Erben (wenn er Erbe ist und dies nachweist).

Es gibt andere Wege, das Risiko zu vermeiden oder zu begrenzen. Z.B. das Aufgebotsverfahren oder die Nachlassinsolvenz. Es ist aber dringendst anzuraten, dergleichen nicht nach der Heimwerkermethode und mit Internetsuchmaschinen zu versuchen, sondern einen Fachanwalt für Erbrecht zu befragen. Und zwar umgehend.

CruNCC
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von CruNCC »

...sondern einen Fachanwalt für Erbrecht zu befragen. Und zwar umgehend.
Das wäre dann gegeben, wenn sich herausstellen sollte, dass der Nachlass überschuldet ist.

SusanneBerlin
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von SusanneBerlin »

Rolf22 hat geschrieben:Falls ein Testament vorliegt, besteht noch genügend Zeit die Auskunft zu erhalten. Wenn eine Kopie vorgelegt wird, erteilen die Banken Auskunft.
Was soll denn die Kopie eines, möglicherweise vor Jahrzehnten geschriebenen, handgeschriebenen Testaments beweisen? Der Erblasser kann es sich in der Zwischenzeit fünfmal anders überlegt haben und jemand völlig anderen zum Erben bestimmt haben.

Anders bei einem notariell beurkundeten Testament. Da gibt es nur das Original der aktuellen Version, frühere Versionen werden vernichtet.
Grüße, Susanne

khmlev
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von khmlev »

SusanneBerlin hat geschrieben:Anders bei einem notariell beurkundeten Testament. Da gibt es nur das Original der aktuellen Version, frühere Versionen werden vernichtet.
Nein, das ist falsch. Die älteren Testamente werden nicht vernichtet. Sofern der Erblasser diese nicht aus der amtlichen Verwahrung beim Amtsgericht nimmt, werden sie beim Tod des Erblassers eröffnet.
Gruß
khmlev
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elwoody
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von elwoody »

SusanneBerlin hat geschrieben: Anders bei einem notariell beurkundeten Testament. Da gibt es nur das Original der aktuellen Version, frühere Versionen werden vernichtet.
Nö, ich kann gleichzeitig hunderte notarielle Testament haben die über ganz Deutschland bei hunderten Amtsgerichten liegen.

SusanneBerlin
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von SusanneBerlin »

Ja okay, und wie sieht so ein Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichtes aus, wenn der Erblasser zig notarielle Testamente gemacht hat? Enthält es dann Anschriften jedes einzelnen Testaments und die Gesamtheit der darin erwähnten Erben darf sich streiten, welches Testament zählt und welches nicht, oder filtert das Nachlassgericht durch spätere Verfügungen obsolet gewordene Bestimmungen aus?
Grüße, Susanne

khmlev
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von khmlev »

Genauso ist es.

Deswegen kann es trotz notariellen Testaments erforderlich sein, einen Erbschein zu beantragen. Denn nur dann stellt das Nachlassgericht die Erbfolge durch Erteilung eines Erbscheines fest.
Gruß
khmlev
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elwoody
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von elwoody »

SusanneBerlin hat geschrieben:Ja okay, und wie sieht so ein Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichtes aus, wenn der Erblasser zig notarielle Testamente gemacht hat? Enthält es dann Anschriften jedes einzelnen Testaments und die Gesamtheit der darin erwähnten Erben darf sich streiten, welches Testament zählt und welches nicht, oder filtert das Nachlassgericht durch spätere Verfügungen obsolet gewordene Bestimmungen aus?

Jedes Amtsgericht das Testamente verwahrt eröffnet die selber und schickt diese mit dem Eröffnungsprotokoll an das zuständige Nachlassgericht. Das schickt die dann (im besten Fall) gesammelt raus. Das Nachlassgericht interessiert es eher nicht welches davon wirksam ist.

FM
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Re: Keine Infos von Banke ohne Erburkunde??

Beitrag von FM »

CruNCC hat geschrieben:
...sondern einen Fachanwalt für Erbrecht zu befragen. Und zwar umgehend.
Das wäre dann gegeben, wenn sich herausstellen sollte, dass der Nachlass überschuldet ist.
Tja, wenn man sich so lange Zeit lassen will, könnte inzwischens schon das Konto (auch das eigene, nicht nur das des Erblassers) gepfändet sein und der Gerichtsvollzieher anklopfen.

Aber jeder wie er will.

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