Vorgehen bei nicht auffindbarer Urschrift Testament

Moderator: FDR-Team

Antworten
SpecialAgentCooper
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3862
Registriert: 07.09.06, 15:05

Vorgehen bei nicht auffindbarer Urschrift Testament

Beitrag von SpecialAgentCooper » 13.08.15, 09:16

Hallo zusammen!
Folgendes Problem beschäftigt mich zur Zeit:
Beim Notar wurde die Kopie eines handschriftlichen Testaments hinterlegt, die dieser nun an das Nachlassgericht übersandt hat. Die Witwe hat den Nachlass gesichtet und konnte die Urschrift nicht auffinden. Sie geht wohl davon aus, dass diese a) vom Erblasser entweder versehentlich vernichtet wurde oder b) vom Erblasser in der irrigen Annahme vernichtet wurde, dass durch vorherige schenkweise Übertragung von Grundbesitz und Erteilung von Bankvollmachten über den Tod hinaus alles so in seinem Sinne erbrechtlich geregelt sei, dass die Witwe Alleinerbin werde. Das Testament sieht Vor- und Nacherbschaft vor. Vorerbin soll die Witwe sein, Nacherben sind 2 Töchter. Ohne Testament würden die drei zu gleichen Teilen erben.

Wie geht man damit praktisch am besten um? Erbscheinsverfahren über einen Notar einleiten? Ist vorab ein Verfahren zur Ersetzung der Testamentsurschrift nach § 46 BeurkG nötig? Oder versucht man eine einvernehmliche Lösung unter den drei potentiellen Erbinnen zu finden?
„Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!“ (Luis B.)

Charly Kelly
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 215
Registriert: 27.04.15, 05:34

Re: Vorgehen bei nicht auffindbarer Urschrift Testament

Beitrag von Charly Kelly » 13.08.15, 09:22

SpecialAgentCooper hat geschrieben:Hallo zusammen!
Folgendes Problem beschäftigt mich zur Zeit:
Beim Notar wurde die Kopie eines handschriftlichen Testaments hinterlegt, die dieser nun an das Nachlassgericht übersandt hat. Die Witwe hat den Nachlass gesichtet und konnte die Urschrift nicht auffinden. Sie geht wohl davon aus, dass diese a) vom Erblasser entweder versehentlich vernichtet wurde oder b) vom Erblasser in der irrigen Annahme vernichtet wurde, dass durch vorherige schenkweise Übertragung von Grundbesitz und Erteilung von Bankvollmachten über den Tod hinaus alles so in seinem Sinne erbrechtlich geregelt sei, dass die Witwe Alleinerbin werde. Das Testament sieht Vor- und Nacherbschaft vor. Vorerbin soll die Witwe sein, Nacherben sind 2 Töchter. Ohne Testament würden die drei zu gleichen Teilen erben.

Wie geht man damit praktisch am besten um? Erbscheinsverfahren über einen Notar einleiten? Ist vorab ein Verfahren zur Ersetzung der Testamentsurschrift nach § 46 BeurkG nötig? Oder versucht man eine einvernehmliche Lösung unter den drei potentiellen Erbinnen zu finden?

Da es kein notarielles Testament ist, ist mir a. nicht ersichtlich warum überhaupt was beim Notar liegt, b. warum ein Notar eine Kopie eines handschriftlichen Testaments verwahren sollte, wenn er nicht mal eigene erstellte notarielle Testamente verwahren würde und c. kann eine Ersetzung nach § 46 BeurkG erst Recht nicht erfolgen, denn es gibt überhaupt keine notarielle Niederschrift die ersetzt werden könnte.
Die Erben können einen Erbschein beim Nachlassgericht beantragen. Grundlage kann auch ein nicht auffindbares Testament sein, wenn klar ist, dass es nicht wissentlich vom Erblasser aufgehoben/vernichtet wurde. Die Auslegung ob dem so ist, ist Sache des zuständigen Richter/Rechtspfleger.

SpecialAgentCooper
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3862
Registriert: 07.09.06, 15:05

Re: Vorgehen bei nicht auffindbarer Urschrift Testament

Beitrag von SpecialAgentCooper » 13.08.15, 09:37

Danke schon mal für den Hinweis zu § 46, das macht Sinn!
Ich vermute, dem Notar wurde die Kopie lediglich zu Beweiszwecken zur Aufbewahrung übergeben, als seinerzeit ein Güterrechtsvertrag beurkundet wurde.
„Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!“ (Luis B.)

Antworten