Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testament?

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Probit
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Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testament?

Beitrag von Probit »

Hallo,
ich bin dt. Staatsbürger und habe meinen gewöhnlichen Aufenthalt in NL. Ich würde gern ein Testament machen, in dem meine Lebenspartnerin (sie ist Niederländerin, wir sind nicht verheiratet) im Falle meines Todes die Hälfte meines Vermögens (in D und in NL) erhält und unser Sohn die andere Hälfte. Nach niederl. Recht geht das für Vermögen nur mit Notar, also nicht handschriftlich. Nach deutschem Recht hingegen geht das auch handschriftlich. Meines Wissens darf nach dem aktuellen EU-Erbrecht der Erblasser selber entscheiden, nach welchem Nationalrecht er vererben will. Aber wie ist das bei den Anforderungen an ein Testament? Die Anforderungen an Testamente sind doch Teil des Nationalrechts, oder?

Einiges Suchen im Netz hat nicht wirklich überzeugende rechtliche Hinweise dazu ergeben. Allerdings habe ich einen Artikel in der WELT gefunden, wo es ein Erb-Beispiel gibt, das meinem Fall etwas ähnelt:

https://www.welt.de/finanzen/altersvors ... rtlos.html

Dort diese Formulierung: "Das deutsche Ehepaar mit Wahlheimat Mallorca zum Beispiel hat die Möglichkeit, sein Berliner Testament zu retten. Dafür ist ein formwirksamer, und daher handschriftlicher, Zusatz erforderlich, in dem beide verfügen, dass für ihren Nachlass das deutsche Erbrecht gelten soll."

Darf ich also analog dazu, für meinen Fall, handschriftlich ein Testament machen und darin angeben, nach dt. Recht zu vererben, und dann o.g. Erbverteilung festlegen?

Danke!

matthias.
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von matthias. »

Wobei man sich schon fragt, wenn jemand eine schwierige, zweistaatliche Erbrechtskonstellation hat, wieso er dann nicht zu einem Fachmann geht?

Zumal einem das notarielle, hinterlegte Testament in Deutschland den Erbschein spart. Den Erben also ca. das spart was es dich jetzt kostet.

Ich würde zu einem Notar oder evtl. Anwalt in der Grenzregion gehen.

MfG
Matthias

Jdepp
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Jdepp »

Artikel 1 Haager Testamentsformübereinkommen

[Gültigkeit der Verfügung]

Eine letztwillige Verfügung ist hinsichtlich ihrer Form gültig, wenn diese dem innerstaatlichen Recht entspricht:

a)des Ortes, an dem der Erblasser letztwillig verfügt hat, oder


b)eines Staates, dessen Staatsangehörigkeit der Erblasser im Zeitpunkt, in dem er letztwillig verfügt hat, oder im Zeitpunkt seines Todes besessen hat, oder


c)eines Ortes, an dem der Erblasser im Zeitpunkt, in dem er letztwillig verfügt hat, oder im Zeitpunkt seines Todes seinen Wohnsitz gehabt hat, oder


d)des Ortes, an dem der Erblasser im Zeitpunkt, in dem er letztwillig verfügt hat, oder im Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt gehabt hat, oder


e)soweit es sich um unbewegliches Vermögen handelt, des Ortes, an dem sich dieses befindet.


Ist die Rechtsordnung, die auf Grund der Staatsangehörigkeit anzuwenden ist, nicht vereinheitlicht, so wird für den Bereich dieses Übereinkommens das anzuwendende Recht durch die innerhalb dieser Rechtsordnung geltenden Vorschriften, mangels solcher Vorschriften durch die engste Bindung bestimmt, die der Erblasser zu einer der Teilrechtsordnungen gehabt hat, aus denen sich die Rechtsordnung zusammensetzt.

Die Frage, ob der Erblasser an einem bestimmten Ort einen Wohnsitz gehabt hat, wird durch das an diesem Orte geltende Recht geregelt.
------------------------



Sollten die Niederlande kein Vertragsstaat sein (was ich nicht glaube aber nicht überprüft habe) gilt:
Art. 27 EuErbVO

Formgültigkeit einer schriftlichen Verfügung von Todes wegen


(1) Eine schriftliche Verfügung von Todes wegen ist hinsichtlich ihrer Form wirksam, wenn diese:

a) dem Recht des Staates entspricht, in dem die Verfügung errichtet oder der Erbvertrag geschlossen wurde,


b) dem Recht eines Staates entspricht, dem der Erblasser oder mindestens eine der Personen, deren Rechtsnachfolge von Todes wegen durch einen Erbvertrag betroffen ist, entweder im Zeitpunkt der Errichtung der Verfügung bzw. des Abschlusses des Erbvertrags oder im Zeitpunkt des Todes angehörte,


c) dem Recht eines Staates entspricht, in dem der Erblasser oder mindestens eine der Personen, deren Rechtsnachfolge von Todes wegen durch einen Erbvertrag betroffen ist, entweder im Zeitpunkt der Errichtung der Verfügung oder des Abschlusses des Erbvertrags oder im Zeitpunkt des Todes den Wohnsitz hatte,


d) dem Recht des Staates entspricht, in dem der Erblasser oder mindestens eine der Personen, deren Rechtsnachfolge von Todes wegen durch einen Erbvertrag betroffen ist, entweder im Zeitpunkt der Errichtung der Verfügung oder des Abschlusses des Erbvertrags oder gewöhnlichen Aufenthalt hatte, oder


e) dem Recht des Staates entspricht, in dem sich unbewegliches Vermögen befindet, soweit es sich um dieses handelt.


Ob der Erblasser oder eine der Personen, deren Rechtsnachfolge von Todes wegen durch einen Erbvertrag betroffen ist, in einem bestimmten Staat ihren Wohnsitz hatte, regelt das in diesem Staat geltende Recht.


(2) 1Absatz 1 ist auch auf Verfügungen von Todes wegen anzuwenden, durch die eine frühere Verfügung geändert oder widerrufen wird. 2Die Änderung oder der Widerruf ist hinsichtlich ihrer Form auch dann gültig, wenn sie den Formerfordernissen einer der Rechtsordnungen entsprechen, nach denen die geänderte oder widerrufene Verfügung von Todes wegen nach Absatz 1 gültig war.


(3) 1Für die Zwecke dieses Artikels werden Rechtsvorschriften, welche die für Verfügungen von Todes wegen zugelassenen Formen mit Beziehung auf das Alter, die Staatsangehörigkeit oder andere persönliche Eigenschaften des Erblassers oder der Personen, deren Rechtsnachfolge von Todes wegen durch einen Erbvertrag betroffen ist, beschränken, als zur Form gehörend angesehen. 2Das Gleiche gilt für Eigenschaften, welche die für die Gültigkeit einer Verfügung von Todes wegen erforderlichen Zeugen besitzen müssen.

Probit
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Probit »

matthias. hat geschrieben:Wobei man sich schon fragt, wenn jemand eine schwierige, zweistaatliche Erbrechtskonstellation hat, wieso er dann nicht zu einem Fachmann geht?

Zumal einem das notarielle, hinterlegte Testament in Deutschland den Erbschein spart. Den Erben also ca. das spart was es dich jetzt kostet.

Ich würde zu einem Notar oder evtl. Anwalt in der Grenzregion gehen.

MfG
Matthias
Danke. Schon richtig; ich bevorzuge aber immer, erstmal den einfacheren Weg zu versuchen und mich dazu gut zu informieren - vielleicht weil ich öfter mit Leuten "vom Fach" nicht so gute Erfahrungen gemacht habe...

Jdepp
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Jdepp »

Probit hat geschrieben: Danke. Schon richtig; ich bevorzuge aber immer, erstmal den einfacheren Weg zu versuchen und mich dazu gut zu informieren - vielleicht weil ich öfter mit Leuten "vom Fach" nicht so gute Erfahrungen gemacht habe...
Na ja wenns dann drauf ankommt is man ja eh tot und muss selber mit den Folgen nicht klarkommen.

Probit
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Probit »

@ Jdepp

Danke bezgl. des Hinweises zum Haager Testamentsformübereinkommen und Art. 27 EuErbVO: sehr schön!

Habe dazu noch eine Erläuterung (mit Beispielen) einer Rechtsreferendarin auf infopoint-europa.de gefunden...:

http://www.infopoint-europa.de/assets/U ... ietner.pdf

Damit ist die Formwirksamkeit eines handschriftlichen Testaments für mich gegeben.

(Nachtrag: Noch zur Sicherheit kontrolliert: NL ist auch Vertragsstaat bezgl. EuErbVO.)
Zuletzt geändert von Probit am 01.03.17, 13:26, insgesamt 1-mal geändert.

Probit
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Probit »

Jdepp hat geschrieben:
Probit hat geschrieben: Danke. Schon richtig; ich bevorzuge aber immer, erstmal den einfacheren Weg zu versuchen und mich dazu gut zu informieren - vielleicht weil ich öfter mit Leuten "vom Fach" nicht so gute Erfahrungen gemacht habe...
Na ja wenns dann drauf ankommt is man ja eh tot und muss selber mit den Folgen nicht klarkommen.
Ja, aber jetzt muss ich in Sachen 'Absicherung durch Testament' mit meiner Freundin klarkommen... ;)

CruNCC
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von CruNCC »

Als Hinweis: Man darf kein gemeinschaftliches Testament errichten.

Probit
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Re: Dt. Staatsbürger im EU-Ausland: welches Recht für Testam

Beitrag von Probit »

CruNCC hat geschrieben:Als Hinweis: Man darf kein gemeinschaftliches Testament errichten.
Ja, hatte ich zur Kenntnis genommen. (Ist auch nicht geplant.)

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