Neue Frage nach Testamentseröffnung

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una
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Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von una » 02.11.17, 19:28

Hallo, nachdem meine Mutter verstorben ist, habe ich heute vom Nachlassgericht ein Testament bekommen. Es ist von 1993 und bei einem Notar aufgesetzt worden und es wird erklärt, dass meine Eltern sich gegenseitig uneingeschränkt als Erben einsetzen. Nacherben werden nicht genannt. Allerdings ist eine Seite des Testaments zur Hälfte beim kopieren abgedeckt worden und eine Seite fehlt vollständig. Ist das üblich ? Ich vermute, dass es sich um Passagen handelt, von denen das Nachlassgericht annimmt, dass diese mich nicht betreffen. Könnte dort eventuell mein Bruder als Nacherbe genannt sein ?
Das wäre für mich wichtig zu wissen bei der Entscheidung, ob ich eventuell einen Pflichtteil beantrage.

una

CruNCC
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von CruNCC » 02.11.17, 19:51

Ist das üblich ?
Ja.
Ich vermute, dass es sich um Passagen handelt, von denen das Nachlassgericht annimmt, dass diese mich nicht betreffen.
Das Testament wurde nur auszugsweise bezüglich der gemeinschaftlichen Bestimmungen erteilt. Die abgedeckten Klauseln betreffen die Erbfolge nach dem Tod des Überlebenden und diese werden erst nach dessen Tod eröffnet.

Man hat keinen Anspruch auf das gesamte Testament.

matthias.
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von matthias. » 02.11.17, 19:57

CruNCC hat geschrieben: Das Testament wurde nur auszugsweise bezüglich der gemeinschaftlichen Bestimmungen erteilt. Die abgedeckten Klauseln betreffen die Erbfolge nach dem Tod des Überlebenden und diese werden erst nach dessen Tod eröffnet.

Würde für den neutralen Beobachter aber bedeuten denke ich, entweder Vater fragen was da steht oder Pflichtteil fordern.

khmlev
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von khmlev » 02.11.17, 20:13

una hat geschrieben:Könnte dort eventuell mein Bruder als Nacherbe genannt sein ?
Das wäre für mich wichtig zu wissen bei der Entscheidung, ob ich eventuell einen Pflichtteil beantrage.
Sofern Vor- und Nacherbenfolge nach der Mutter angeordnet wäre, wäre dies auch aus dem jetzt eröffneten Teil des Testament ersichtlich.
Gruß
khmlev
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Jdepp
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von Jdepp » 02.11.17, 21:21

una hat geschrieben:Hallo, nachdem meine Mutter verstorben ist, habe ich heute vom Nachlassgericht ein Testament bekommen. Es ist von 1993 und bei einem Notar aufgesetzt worden und es wird erklärt, dass meine Eltern sich gegenseitig uneingeschränkt als Erben einsetzen. Nacherben werden nicht genannt. Allerdings ist eine Seite des Testaments zur Hälfte beim kopieren abgedeckt worden und eine Seite fehlt vollständig. Ist das üblich ? Ich vermute, dass es sich um Passagen handelt, von denen das Nachlassgericht annimmt, dass diese mich nicht betreffen. Könnte dort eventuell mein Bruder als Nacherbe genannt sein ?
Das wäre für mich wichtig zu wissen bei der Entscheidung, ob ich eventuell einen Pflichtteil beantrage.

una
Ich würde nachfragen. Sollte da eine Nach- oder Schlusserbschaft angeordnet sein ist der Pflichtteilsberechtigte darüber zu informieren gerade damit er die Entscheidung treffen kann ob der Pflichtteil jetzt nach dem Erstverstorbenen verlangt wird.

khmlev
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von khmlev » 02.11.17, 21:30

Jdepp hat geschrieben:Ich würde nachfragen.
Sollte eine Schlusserbeneinsetzung bestimmt worden sein, so wäre auch diese im lesbaren Teil des eröffneten Testaments enthalten.

Nachfragen oder Einsichtnahme bringt nichts, da das Nachlassgericht die nicht eröffneten Verfügungen des Überlebenden geheim zu halten.
Gruß
khmlev
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Jdepp
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von Jdepp » 02.11.17, 22:12

khmlev hat geschrieben:
Jdepp hat geschrieben:Ich würde nachfragen.
Sollte eine Schlusserbeneinsetzung bestimmt worden sein, so wäre auch diese im lesbaren Teil des eröffneten Testaments enthalten.

Nachfragen oder Einsichtnahme bringt nichts, da das Nachlassgericht die nicht eröffneten Verfügungen des Überlebenden geheim zu halten.

Es soll auch Nachlassgerichte geben die sich vertun oder der Auffassung sind solche Vfg. wären nicht mitzuteilen. Nachfragen kostet nichts.

matthias.
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von matthias. » 02.11.17, 23:07

Was könnte denn da konkret (Beispiel[e]) stehen, was nicht mit zu teilen wäre?

Jdepp
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von Jdepp » 02.11.17, 23:09

Vermächtnisse.

una
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von una » 29.11.17, 08:45

....danke für alle hilfreichen Antworten. una

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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von una » 15.01.18, 20:23

Hallo, ich denke es ist hier auch mal ganz interessant ein Ergebnis zu erfahren: nachdem ich leider vom Vater weiterhin im Unklaren gelassen wurde und das Nachlassgericht mich auch nicht über die fehlenden Passagen informieren wollte, habe ich einen Anwalt kontaktiert und dieser hat nach einem Schreiben an das Nachlassgericht das gesamte Testament für mich ausgehändigt bekommen. Es waren tatsächlich Nacherben, Vermächtnisse und eine Schenkung angegeben worden. Es gibt den Hinweis, dass der Pflichtteilsberechtigte, der seinen aktuellen Pflichtteil verlangt, später auch nur den Pflichtteil erhalten kann und dass der länger lebende Ehepartner berechtigt ist ein neues Testament zu erstellen.
Soweit also der Stand der Dinge.
una

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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von matthias. » 16.01.18, 10:32

una hat geschrieben:und dass der länger lebende Ehepartner berechtigt ist ein neues Testament zu erstellen.
Soweit also der Stand der Dinge.
una
Danke für die Rückmeldung?

Frage an die Anderen:

Und sowas darf abgedeckt werden?

Und wieso bekommt der Anwalt dann doch Akteneinsicht?

Jdepp
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von Jdepp » 16.01.18, 13:09

matthias. hat geschrieben:
una hat geschrieben:und dass der länger lebende Ehepartner berechtigt ist ein neues Testament zu erstellen.
Soweit also der Stand der Dinge.
una
Danke für die Rückmeldung?

Frage an die Anderen:

Und sowas darf abgedeckt werden?

Und wieso bekommt der Anwalt dann doch Akteneinsicht?
Da haben halt manche Amtsgerichte eigenwillige Rechtsauffassungen und wenn man halt nervt, kriegt man die Infos eben dann (zu Recht) doch, bevor dann am Ende mit großem Aufwand das OLG dem Antragsteller Recht geben würde.

una
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von una » 16.01.18, 18:27

......eine Frage hätte ich noch zu diesem Testament:

Liege ich richtig in der Annahme, dass eigentlich in einem gemeinsamen Testament die wechselbezüglichen Verfügungen nach dem Versterben des ersten Ehepartners nicht mehr geändert werden können ?

In diesem Testament gibt es aber den Satz: Dem überlebenden Ehepartner ist es freigestellt neu zu testieren.

Ist es also so, wie ich vermute, dass dadurch alle anderen wechselbezüglichen Verfügungen unwirksam sind ?

una

SusanneBerlin
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Re: Neue Frage nach Testamentseröffnung

Beitrag von SusanneBerlin » 16.01.18, 19:10

Wenn der Satz nicht drinstünde, dann könnte das Testament nach Ableben eines Ehepartners nicht mehr geändert werden.

Da der Satz aber drinsteht, gilt er auch.
Dem überlebenden Ehepartner ist es freigestellt neu zu testieren.
Ist es also so, wie ich vermute, dass dadurch alle anderen wechselbezüglichen Verfügungen unwirksam sind ?
Ihre Vermutung ist falsch.

Der Überlebende hat zwar die Möglichkeit neu zu testieren, aber wenn er es nicht tut, dann gelten die wechselbezüglichen Verfügungen aus dem gemeinsamen Testament bei seinem Ableben.
Grüße, Susanne

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