Hausanteil gerecht?

Moderator: FDR-Team

Sumsele
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Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Guten Tag,

ich habe eine Frage zu einem Fall.

Ehepartner haben ein gemeinsames Haus zu je 50%.
Mann ist selbständig und in Insolvenz. Haus durch eventuelle Pfändung durch Bank gefährdet. Vater der Frau ist ebenfalls Gläubiger, nimmt einen Grundbucheintrag mit erstem Rang auf das Haus notariell vor. Er verstirbt und beerbt die Mutter der Frau.

Die Mutter möchte den Nachlass zwischen Frau und ihrem Bruder frühzeitig regeln und nimmt folgende Regelung notariell vor:
Fiktiver Wert der Immobilie: 320.000 Euro, Anteil Mutter durch Eintragung (Hälfte) 160.000 Euro.
Bruder erhält die Hälfte ihres Hausanteils mit 80.000 Euro in bar und Frau soll ihren Bruder mit 80.000 Euro auszahlen, dass sie das komplette Haus zu 100% besitzt. Kann dies nicht, Mutter tritt in Vorlage, gibt dem Bruder 80.000 Euro in bar und lässt den Betrag eintragen als Abzug vom späteren Erbe der Frau. Bruder besitzt jetzt 160.000 Euro und die Frau das ganze Haus ohne einen Geldbetrag erhalten zu haben.

Ist diese Vorgehensweise korrekt? Wie ist die Rechtslage.
Meiner Meinung nach erhält der Bruder 80.000 Euro zuviel.


Vielen Dank im voraus für Ihre Einschätzung.

MfG
Sumsele

matthias.
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von matthias. »

Die Mutter lebt noch?

Dann ist das keine Frage ob es erbrechtlich in Ordnung ist, weil vor Erben kommt sterben.

Die Mutter kann mit ihrem Teil und ihren Vermögen machen was sie will.

Im übrigen verstehe ich nicht wieso der Bruder 160.000 € hat.
Die Mutter hat ihm doch 80.000 gegeben weil die Tochter nicht zahlen konnte.
Oder hat er insgesamt 160.000 von der Mutter bekommen?

Und die Mutter hat dann ihren halben Anteil im Grundbuch löschen lassen?

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Ja, gestorben würde noch nicht.
Die Mutter wollte nur alles gerecht vor dem Todesfall regeln.

Die Mutter hat ihren Anteil aufgeteilt. 80.000 Euro hat der Sohn als Anteil bekommen, da die Tochter die andere Hälfte des Anteils der Mutter überschrieben bekam.
Due Frau sollte im Anschluss ihren Bruder mit 80.000 Euro auszahlen, da er ja nun noch 1/4 des Hauses besaß.
Das könnte sie nicht, worauf die Mutter 80.000 Euro vorstreckte und dies im Testament vermerkt.
Die Grundschuld wurde gelöscht.

Habe ich einen Denkfehler oder ist diese Vorgehensweise gerecht?
Grüße

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Nachtrag: Insgesamt hat der Bruder nun 160.000 Euro bekommen.

matthias.
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von matthias. »

Sumsele hat geschrieben:Nachtrag: Insgesamt hat der Bruder nun 160.000 Euro bekommen.
Von der Mutter?

Und der Tochter gehört jetzt das komplette Haus?

Ich verstehs immer noch nicht wirklich.

ratlose mama
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von ratlose mama »

Hm.

ich versuch mich mal.

Es gibt ein Haus der Tochter und deren Ehemann. Dieses gehört anscheindend beiden und hat einen Wert von 320.000 €.

Der Vater der Tochter hat eine Forderung an die Tochter in Höhe von 160.000 €, die als Grundschuld eingetragen ist.

Der Vater verstirbt und hinterlässt der Mutter als Alleinerbe (oder erben auch die Tochter und deren Bruder?). Diese möchte im Prinzip ihren späteren Nachlass gerecht aufteilen und gleichzeitig aber beide eigentlich absichern.

Sie verlangt also von der Tochter die Schulden zu bezahlen. Beiden Kindern würden also 80.000 € zustehen.

Der Bruder bekommt 80.000 € von der Mutter und die Mutter gibt ihm noch weitere 80.000 €, die sie im Gegenzug der Tochter als Schulden erlässt. Also hat der Bruder in Bar 160.000 € und die Tochter 80.000 als Hauswert als Erlass durch die Mutter und 80.000 € als Hauswert aus "ihrem" Erbteil durch die Mutter. In Summe haben beide eigentlich gleichviel, nur eben der Bruder keinen Anteil, über die vom Vater eingetragene Gundschuld, am Haus der Schwester

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Ja, richtig.
Also ist es richtig, dass der Bruder 160.000 Euro in bar hat, im Grunde den Wert des halben Hauses?

ratlose mama
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von ratlose mama »

Ja und die Tochter den gleichen Wert in Immobilien.

Und irgendwie hat sich auf diesem Weg das Erbe verdoppelt *versucht den Knoten im in den Gedanken aufzulösen*

SusanneBerlin
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von SusanneBerlin »

Ehepartner haben ein gemeinsames Haus zu je 50%.
(...)
Die Mutter möchte den Nachlass zwischen Frau und ihrem Bruder frühzeitig regeln und nimmt folgende Regelung notariell vor:
Bruder erhält die Hälfte ihres Hausanteils(...)
Ich verstehe nicht, wieso die Mutter hier irgendetwas bezüglich des Hauses zu regeln hat, die Mutter ist doch gar nicht Eigentümerin des Hauses.

Eigentümer ist doch das Ehepaar.
Die eingetragene Grundschuld zugunsten der Mutter macht die Mutter nicht zur Eigentümerin, ergo kann die Mutter auch keine "Nachlassregelung" bezüglich des Hauses festlegen.

Zudem, wenn der Ehemann in Insolvenz ist, braucht man erstmal gar nicht überlegen wer das Haus bekommen soll. Entweder das Haus dient als Sicherheit für Bankkredite, dann versteigert die Bank das Haus, oder der Insolvenzverwalter lässt das Haus versteigern um die Insolvenzschulden zu decken. Man kann sich nicht durch die Insolvenz der Schulden entledigen aber das Haus bzw. den hälftigen Anteil am Haus behalten und als schuldenfreier Hauseigentümer aus der Insolvenz hervorgehen.

Entweder fehlt bei der Geschichte der Teil, wo das Haus in das Eigentum der Eltern der Ehefrau übergeht, oder diese Vorstellungen entspringen dem Wunschdenken der Beteiligten ein Vermögen zu verteilen als ob es die Schulden bei der Bank nicht gäbe.
Grüße, Susanne

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Ja, richtig. Eigentümer ist die Ehefrau. Der Ehemann hat ihren Teil überschrieben.
Die Bankschulden wurden getilgt, so dass die Bank keinen Anspruch mehr darauf hebt.

Die Mutter wollte ihre Forderung und somit die Grundschuld löschen lassen vor ihrem Tod.
Damit der Bruder nicht leer ausgeht, hat sie die Hälfte des fiktiven Hauswertes zu je einer Hälfte auf die Kinder aufgeteilt, also jedes Kind bekam 80.000 Euro. Der eine als Hausanteil und der andere in bar. Die Ehefrau sollte ihren Bruder noch das letzte Viertel des Hausanteils ausbezahlen, was die Mutter noch übernahm und der Ehefrau vom späteren Erbe als Abzug eintragen ließ.

Mir ist der Knoten noch nicht geplatzt, was den Bruder angeht. Er hat insgesamt 160.000 Euro erhalten, quasi den Wert des halben Hauses. Obwohl ihm nur 1/4
Zustand. Wo ist dem da der Denkfehler?

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Sorry für die Rechtschreibfehler, autocorrect hat einige Änderungen vorgenommen und ich habe nicht Korrektur gelesen.

winterspaziergang
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von winterspaziergang »

Sumsele hat geschrieben:
ich habe eine Frage zu einem Fall.

etwas konfus geschildert
denn erst steht
Ehepartner haben ein gemeinsames Haus zu je 50%.
und später
Ja, richtig. Eigentümer ist die Ehefrau. Der Ehemann hat ihren Teil überschrieben.
dann
Mann ist selbständig und in Insolvenz. Haus durch eventuelle Pfändung durch Bank gefährdet. Vater der Frau ist ebenfalls Gläubiger, nimmt einen Grundbucheintrag mit erstem Rang auf das Haus notariell vor. Er verstirbt und beerbt die Mutter der Frau.
hier steht: Das Haus ist durch Pfändung gefährdet, später
Die Bankschulden wurden getilgt, so dass die Bank keinen Anspruch mehr darauf hebt.
demnach wurden also vor dem Tod des Vaters die Schulden bei der Bank getilgt?

Der Vater, aber auch Gläubiger, verstirbt (nach Tilgung bei der Bank?) und "beerbt" die Mutter der Frau, demnach seine Witwe. Was aber vererbt heißen soll, denn der Tote wird kaum Erbe seiner lebenden Ehefrau geworden sein.
Fiktiver Wert der Immobilie: 320.000 Euro, Anteil Mutter durch Eintragung (Hälfte) 160.000 Euro.
Die Mutter erbt die Hälfte des Hauses/Wertes, da ihr Mann als Gläubiger immer noch im Grundbuch eingetragen ist.
Bruder erhält die Hälfte ihres Hausanteils mit 80.000 Euro in bar und Frau soll ihren Bruder mit 80.000 Euro auszahlen, dass sie das komplette Haus zu 100% besitzt. Kann dies nicht, Mutter tritt in Vorlage, gibt dem Bruder 80.000 Euro in bar und lässt den Betrag eintragen als Abzug vom späteren Erbe der Frau. Bruder besitzt jetzt 160.000 Euro und die Frau das ganze Haus ohne einen Geldbetrag erhalten zu haben.

Ist diese Vorgehensweise korrekt? Wie ist die Rechtslage.
Meiner Meinung nach erhält der Bruder 80.000 Euro zuviel.
Nein, der Bruder bekommt nicht 80 000 zuviel.

Eine Alternative wäre, dass die Mutter dem Bruder nur 80 000 überschreibt und die Tochter mit 80 000 Euro Schulden verbleibt, denn die Mutter kann/will ihren Hausanteil - den Grundbucheintrag als Gläubiger- ja nicht der Schuldnerin (Tochter) vererben und sie damit lastenfrei stellen.
Die Mutter zahlt also die Schulden der Tochter aus, die sie wiederum der Erbe entzieht.

Deswegen bekommt der Bruder weitere 80 000 und die Tochter hat ein lastenfreies Haus.

Der "Knoten" entsteht vermutlich dadurch, dass Erblasserin und Gläubigerin eine Person sind.

Sumsele
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Sumsele »

Ja, ziemlich konfus geschildert. Da haben Sie Recht.
Ich habe auch versucht, einen Zeitraum von etwa 25 Jahren mit vielen Details und Verstrickungen in ein paar Zeilen zu packen.

Vielen Dank für Ihre Aufklärung und Ihnen und allen anderen ein frohes neues Jahr.

Stefanie145
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von Stefanie145 »

Hallo,

ich kenne mich zwar mit dem Erbrecht nicht aus, wobei hier ja der Fokus auf dem Verstehen liegt.

Ich habe das ganze wie folgt verstanden:

Den Eheleuten gehört ein Haus jeweils zur Hälfte, der Ehemann muss in ein Insolvenzverfahren. Damit die Familie das Haus nicht verliert, zahlt der Vater der Frau 320.000 € an die Bank / den Insolvenzverwalter um das Haus aus der Insolvenz und "der Haftung" zu kaufen. Der Vater hat sich dafür eine Grundschuld über 320.000 € eintragen lassen. Zudem hat der Vater damit dem Ehemann seinen Anteil abgekauft und diesen seiner Tochter überschreiben lassen, so dass durch die Intervention des Vaters nun die Tochter Eigentümerin des ganzen Hauses ist.

Im Endeffekt hat dann der Bruder der Ehefrau 160.000 € erhalten und die Ehefrau das gesamte Haus (Aufwendungen des Vaters 320.000 €), somit sind die Aufwendungen des Vaters von 320.000 € gerecht auf beide Kinder aufgeteilt werden.

SusanneBerlin
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Re: Hausanteil gerecht?

Beitrag von SusanneBerlin »

Sumsele hat geschrieben:Obwohl ihm nur 1/4
Zustand. Wo ist dem da der Denkfehler?
Wieso steht dem Bruder nur 1/4 zu?
Die 320.000€, die der Vater der Bank gegeben hat um das Haus zu retten (hier folge ich den Erklärungen von webelch und Stefanie145 weil sie für mich schlüssig klingen)
wurden von der Mutter je zur Hälfte auf ihre Kinder (Frau und Bruder) verteilt.
Da es zwei Kinder sind, würden sie nach dem Tod der Mutter je zur Hälfte erben, und eben diese Aufteilung der 320.000€ auf die Abkömmlinge soll bereits noch zur Lebzeit der Mutter erfolgen.
Grüße, Susanne

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