Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

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dsler
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Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von dsler » 22.01.18, 20:06

Hallo,
A ist vor einem Jahr verstorben. A hatte noch verschiedene Handwerkeraufträge erteilt. Die Rechnung ist aber bis jetzt noch nicht durch den Handwerker erstellt worden, die Leistung wurde aber erbracht. Sind dieses neue Verbindlichkeiten die als Passiva das Erbe vermindern oder gilt hier das Abflussprinzip? Das würde mich aus erbsteuer- und pflichtteilrechtlicher Perspektive interessieren.

Danke!

freemont
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von freemont » 23.01.18, 16:00

dsler hat geschrieben:Hallo,
A ist vor einem Jahr verstorben. A hatte noch verschiedene Handwerkeraufträge erteilt. Die Rechnung ist aber bis jetzt noch nicht durch den Handwerker erstellt worden, die Leistung wurde aber erbracht. Sind dieses neue Verbindlichkeiten die als Passiva das Erbe vermindern oder gilt hier das Abflussprinzip? Das würde mich aus erbsteuer- und pflichtteilrechtlicher Perspektive interessieren.

Danke!
Hallo, das sind aufschiebend bedingte Schulden des Erblassers, die ggf. das Erbe mindern, siehe § 6 Bewertungsgesetz:

§ 6 Aufschiebend bedingte Lasten
(1) Lasten, deren Entstehung vom Eintritt einer aufschiebenden Bedingung abhängt, werden nicht berücksichtigt.
(2) Für den Fall des Eintritts der Bedingung gilt § 5 Abs. 2 entsprechend.

§ 5 ...
(2) Tritt die Bedingung ein, so ist die Festsetzung der nicht laufend veranlagten Steuern auf Antrag nach dem tatsächlichen Wert des Erwerbs zu berichtigen. Der Antrag ist bis zum Ablauf des Jahres zu stellen, das auf den Eintritt der Bedingung folgt.

matthias.
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von matthias. » 23.01.18, 16:23

Nehmen wir mal an es ist eine Handwerkerleistung am Haus, dann kostet die zwar was, sie erhöht aber auch den Wert des Hauses.
Z.b. der Einbau eines 5000 € teuren neuen Heizkessels.

Was dann? Sind das dann auch bedingte Schulden? Das Geld ist ja nicht weg, es ist jetzt nur nicht mehr auf dem Konto sonder im Wert des Hauses.

Bzw. der Auftrag erspart dem Erben ja nur selber diese Massnahme zu beauftragen/durchzuführen.

Anders würde es aussehen für reine Schönheisänderungen, ohne bleibenden Wert.

Oder ist das alles egal :ostern:

freemont
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von freemont » 23.01.18, 16:55

matthias. hat geschrieben:Nehmen wir mal an es ist eine Handwerkerleistung am Haus, dann kostet die zwar was, sie erhöht aber auch den Wert des Hauses.
Z.b. der Einbau eines 5000 € teuren neuen Heizkessels.

Was dann? Sind das dann auch bedingte Schulden? Das Geld ist ja nicht weg, es ist jetzt nur nicht mehr auf dem Konto sonder im Wert des Hauses.

Bzw. der Auftrag erspart dem Erben ja nur selber diese Massnahme zu beauftragen/durchzuführen.

Anders würde es aussehen für reine Schönheisänderungen, ohne bleibenden Wert.

Oder ist das alles egal :ostern:
Ich verstehe diesen Beitrag nicht.

Der Erbe tritt im Wege der Universalsukzession die Rechtsnachfolge des Erblassers an.

Er wird also Eigentümer der Immobilien. Die sind nach BewG mit dem Verkehrswert im Todeszeitpunkt anzusetzen und ggf. zu versteuern, siehe § 182 BewG.

Ganz unabhängg davon wird der Erbe Schuldner der Forderungen aus Verträgen, die der Erblasser zu Lebzeiten abgeschlossen hat. Wenn die Fälligkeit des Werklohns aus einem Werkvertrag aufschiebend bedingt ist, weil die Rechnung noch nicht gestellt ist, regelt der o.g. § 6 i.V.m. § 5 II BewG wie das den Wert des Nachlass, ggf. die Steuerschuld, aber auch den Pflichtteil verringert.

matthias.
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von matthias. » 23.01.18, 18:29

Ich habs so verstanden dass die Handwerkerleistungen bei Todesfall auch noch nicht erbracht sind.

Wenn die Handwerkerleistungen vorher schon erbracht sind ist es klar, ich habs hier so verstanden: Der Auftrag ist raus, dann stirbt der Erblasse, die Handwerkerleistung wird erst nach dem Tod erbracht, entsprechend Auftrag.

Vielleicht hab ichs auch falsch verstanden.

freemont
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von freemont » 23.01.18, 18:31

matthias. hat geschrieben:Ich habs so verstanden dass die Handwerkerleistungen bei Todesfall auch noch nicht erbracht sind.

...
Was würde das ändern?

Löst sich ein Werkvertrag in Luft auf, wenn der AG stirbt?

dsler
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von dsler » 23.01.18, 19:27

matthias. hat geschrieben:Ich habs so verstanden dass die Handwerkerleistungen bei Todesfall auch noch nicht erbracht sind.

Wenn die Handwerkerleistungen vorher schon erbracht sind ist es klar, ich habs hier so verstanden: Der Auftrag ist raus, dann stirbt der Erblasse, die Handwerkerleistung wird erst nach dem Tod erbracht, entsprechend Auftrag.

Vielleicht hab ichs auch falsch verstanden.
Auftrag vor Tod abgeschlossen, also nachträglich abziehbar?

matthias.
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von matthias. » 25.01.18, 15:33

freemont hat geschrieben:
matthias. hat geschrieben:Ich habs so verstanden dass die Handwerkerleistungen bei Todesfall auch noch nicht erbracht sind.

...
Was würde das ändern?

Löst sich ein Werkvertrag in Luft auf, wenn der AG stirbt?
Hab ich das behauptet?

Es geht darum wie das erbschaftsteuerrechtlich zu betrachten ist und welche Werte anzunehmen sind.

freemont
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Re: Abfluss- oder Leistungsprinzip im Erbrecht?

Beitrag von freemont » 25.01.18, 15:40

matthias. hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:
matthias. hat geschrieben:Ich habs so verstanden dass die Handwerkerleistungen bei Todesfall auch noch nicht erbracht sind.

...
Was würde das ändern?

Löst sich ein Werkvertrag in Luft auf, wenn der AG stirbt?
Hab ich das behauptet?

Es geht darum wie das erbschaftsteuerrechtlich zu betrachten ist und welche Werte anzunehmen sind.

Ach so. Welche Werte sind denn nach Ihrer Auffassung anzunehmen?

Was, wenn der Werkvertrag geschlossen aber noch nicht ausgeführt wurde?

Ist es falsch, was ich oben geschrieben habe?

Den Fragesteller haben Sie verwirrt.

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