Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

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csveni33
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Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von csveni33 » 23.01.18, 18:57

Angenommen der Erblasser hat in einem handschriftlichen Testament sein Erbe unter seiner Frau, seinem Kind und seinem Bruder aufgeteilt.

Soviel ich verstnaden habe kann dieses Testament aber nicht dazu verwendet werden um z.B. beim Grundbuch die Überschreibung einer Wohnung
vornehmen zu lassen oder bei der Bank Zugriff auf das Kontoguthaben zu erlangen.

Dazu ist wohl IMMER ein Notarieller Vertrag (zusätzlich) notwendig.

Sehe ich das richtig?

Was ist bei der Formulierung dieses notariellen Vertrag zu beachten?

Hängen die Kosten für den Notar ab von dem Umfang des Erbes oder von der Komplexität des Testaments oder der Anzahl der Beteiligten Erben?

Geht das auch irgendwie preiswerter (wenn die Erben prinzipiell übereinstimmen über die Aufteilung)?

Claudia

SusanneBerlin
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von SusanneBerlin » 23.01.18, 19:19

Dazu ist wohl IMMER ein Notarieller Vertrag (zusätzlich) notwendig.

Sehe ich das richtig?
Nein. Man braucht keinen notariellen Vertrag, wenn ein eigenhändig geschriebenes Testament vorliegt.

Was man dann braucht, ist ein Erbschein. Das Testament ist nach dem Todesfall beim Nachkassgericht abzuliefern. Auf Antrag stellt das Nachlassgericht dann einen Erbschein aus. Mit dem Erbschein bekommen die Erben bei der Bank den Zugriff auf das Konto und können beim Grundbuchamt die Eintragung der neuen Eigentümer veranlassen.

Wenn man einen notariellen Erbvertrag oder ein notarielles Testament macht, brauchen die Erben keinen Erbschein.Sie können dann mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts zur Bank und zum Grundbuchamt gehen.
Was ist bei der Formulierung dieses notariellen Vertrag zu beachten?
Der Notar formuliert den Vertrag. Man braucht dem Notar nur zu sagen, was man mit dem Vertrag erreichen möchte, um die richtige Ausformulierung kümmert sich der Notar, dafür wird er bezahlt.
Hängen die Kosten für den Notar ab von dem Umfang des Erbes oder von der Komplexität des Testaments oder der Anzahl der Beteiligten Erben?
Die Notarkosten hängen in erster Linie vom Wert des Nachlasses ab.
Grüße, Susanne

khmlev
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von khmlev » 23.01.18, 19:48

SusanneBerlin hat geschrieben:und können beim Grundbuchamt die Eintragung der neuen Eigentümer veranlassen.
Ein bisschen Korinthenk...en: Es gibt nur einen "neuen" Eigentümer, und zwar die Erbengemeinschaft.
Gruß
khmlev
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csveni33
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von csveni33 » 26.01.18, 08:09

Nochmal eine Frage zu dem notariellen Vertrag:

Müssen in einem solchen Vertrag alle Vermögenswerte und dessen zukünftiger Eigentümer einzeln aufgelistet sein?

Oder kann dieser auch nach folgendem Schema aufgebaut sein:

A erhält das Ferienhaus in Flensburg
B erhält das Auto mit dem Kfz-Kennzeichen ....
C erhält den Rest

Wie ist das mit Bankkonten und Depots?

Muss im notariellen Vertrag zwangsweise die volle Bankverbindung, der Kontostand zum Todestag und
alle Wertpapiere im Depot aufgelistet werden oder genügt eine Formulierung der Art
"Bankguthaben und Wertpapiere erhält C"

Claudia

SusanneBerlin
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von SusanneBerlin » 26.01.18, 08:27

Muss im notariellen Vertrag zwangsweise die volle Bankverbindung, der Kontostand zum Todestag
Sie scheinen von einem Vertrag auszugehen, der erst nach dem Tod des Erblassers gemacht wird. Denn der Erblasser weiß doch vorher nicht, wieviel Geld exakt an seinem Todestag auf seinem Konto sein wird.

Bei der Frage, ob ein Erbschein beantragt werden muss, kommt es aber nicht darauf an, was die Erben machen, nachdem der Erbfall eingetreten (der Erblasser bereits tot) ist. Wenn das Testament nicht vom Notar erstellt ist vorliegt, dann ist für die Grundbuchumschreibung ein Erbschein notwendig. Statt einem natariellem Testament ist auch ein Erbvertrag (über das gesamte Vermögen des Erblassers oder auch nur über das zu vererbende Grundstück) möglich.

Ein notarieller Erbvertrag ist ein Vertrag, den der Erblasser zu seinen Lebzeiten mit den Erben macht.

Was die Erben hinterher machen, wenn der Erblasser bereits tot ist, das ist dann ein Erbteilungsvertrag oder Erbauseinandersetzungsvertrag.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 26.01.18, 08:32, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von matthias. » 26.01.18, 08:32

Bei der Frage nach dem Vertrag beziehst du dich da auf diese Aussage:
SusanneBerlin hat geschrieben:
Wenn man einen notariellen Erbvertrag oder ein notarielles Testament macht, brauchen die Erben keinen Erbschein.

Wie schon gesagt, beides muss vor dem Tod gemacht werden.

Also kann der Kontostand zum Todeszeitpunkt da kaum drin stehen.

Auch Konten können ja gewechselt werden, nach Erstellen des Vertrages, von daher ist es nicht unbedingt sinnvoll da die exakten Daten rein zu schreiben.

zimtrecht
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von zimtrecht » 26.01.18, 09:26

matthias. hat geschrieben: von daher ist es nicht unbedingt sinnvoll da die exakten Daten rein zu schreiben.
Auch Häuser können verkauft oder zwangsversteigert werden... oder im Verkehrswert deutlich fallen oder steigen.

Und wenn man kleinlich ist, richten sich die Kosten für den Notar somit auch nicht nach dem Nachlass, sondern nach dem Vermögen des Testators, beim Notar heißt es dann "Geschäftswert" (so stand es zumindest auf unserer Rechnung). "Nachlass" wird das Vermögen erst im Todesfall.

hambre
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von hambre » 26.01.18, 12:23

Wenn der Erblasser nur ein handschriftliches Testament gemacht hat, dann muss nach dessen zunächst ein Erbschein beantragt werden. Auf Basis dieses Erbscheins wird dann die gesamte Erbengemeinschaft in das Grundbuch eingetragen.

Sollte sich dann die Erbengemeinschaft darüber einig sein, dass Immobilie 1 an den Erben A geht, dann ist dafür ein notarieller Erbauseinandersetzungsvertrag erforderlich. Darin kann auch eine Teilauseinandersetzung vereinbart werden, wenn man Kosten sparen will, jedoch setzt das ein hohes Vertrauen der Miterben voraus.

Wenn der Erblasser bereits zu Lebzeiten ein notarielles Testament erstellt hat oder einen Erbvertrag abgeschlossen hat, dann erspart man sich dadurch die Beantragung des Erbscheins. Der Abschluss eines notariellen Erbauseinandersetzungsvertrages ist dennoch erforderlich.
Nochmal eine Frage zu dem notariellen Vertrag:
Welche Vertragsart ist denn nun gemeint? Ein Erbauseinandersetzungsvertrag, der zwischen den Erben nach dem Tod des Erblassers abgeschlossen wird oder ein Vertrag den der Erblasser zu seinen Lebzeiten abschließt?

freemont
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Re: Fragen zur Erbteilung (durch Notar?)

Beitrag von freemont » 26.01.18, 12:30

csveni33 hat geschrieben:Nochmal eine Frage zu dem notariellen Vertrag:

Müssen in einem solchen Vertrag alle Vermögenswerte und dessen zukünftiger Eigentümer einzeln aufgelistet sein?

Oder kann dieser auch nach folgendem Schema aufgebaut sein:

A erhält das Ferienhaus in Flensburg
B erhält das Auto mit dem Kfz-Kennzeichen ....
C erhält den Rest

Wie ist das mit Bankkonten und Depots?

Muss im notariellen Vertrag zwangsweise die volle Bankverbindung, der Kontostand zum Todestag und
alle Wertpapiere im Depot aufgelistet werden oder genügt eine Formulierung der Art
"Bankguthaben und Wertpapiere erhält C"

Claudia

Geht es denn hier nicht eher um die Auseinanderstzung des Nachlass, siehe §§ 363 ff. FamFG:
§ 363
Antrag

(1) Bei mehreren Erben hat der Notar auf Antrag die Auseinandersetzung des Nachlasses zwischen den Beteiligten zu vermitteln; das gilt nicht, wenn ein zur Auseinandersetzung berechtigter Testamentsvollstrecker vorhanden ist.

(2) Antragsberechtigt ist jeder Miterbe, der Erwerber eines Erbteils sowie derjenige, welchem ein Pfandrecht oder ein Nießbrauch an einem Erbteil zusteht.

(3) In dem Antrag sollen die Beteiligten und die Teilungsmasse bezeichnet werden.
Ob das Sinn macht ist offen. Das fängt schon mit den Kosten an. Es wäre besser sich selbst zu einigen, wenn das einvernehmlich möglich ist.

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