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Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 10:49
von Hamburg1983
Guten Tag,
ich habe mal folgende Frage, weil ich leider darüber nichts finde und mir bisher auch keiner eine richtige Antwort geben konnte, hoffe ich, dass mir hier einer eine Antwort gegeben kann.

Mein Vater ist vor einigen Wochen verstorben, es bestand immer sehr wenig Kontakt, nahezu kein Kontakt.
Meine Halbschwester hat einfach für sich entschieden die Bestattung zu veranlassen und zu bezahlen.
Jetzt hat sie mir eine Rechnung geschickt und verlangt von mir einen Anteil von 500,-€.

Kann sie einfach das Geld von mir verlangen? Anders, ich habe das Geld auch nicht um zu zahlen.

Freue mich über eine helfende Antwort.

Gruß
Hamburg1983

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 11:47
von ExDevil67
Ja das kann die Schwester. Im Gegenzug hat man allerdings auch entsprechend einen Anspruch gegen die Schwester auf seinen Anteil am Erbe. Erfordert aber das auch entsprechend Geld zum vererben vorhanden ist.

Hat man eine eigene Rechnung der Schwester bekommen oder eine Kopie der Rechnung vom Bestatter mit der Bitte seinen Anteil ihr zu erstatten? Falls nämlich weitere Geschwister existieren, müssen auch diese sich an den Kosten beteiligen.

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 11:56
von FelixSt
Um das auch mal zu sagen: Es reicht mitnichten aus, sich darauf zu berufen, es habe kaum Kontakt zu dem Verstorbenen bestanden und man habe gerade auch nicht so viel Geld. :roll:

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 12:47
von FM
Die Kosten müssen in erster Linie aus dem Nachlass getragen werden. Wenn das nicht geht (etwa weil kein ausreichendes Vermögen vorhanden), richtet dich die Verpflichtung nach dem Bestattungsgesetz des jeweiligen Landes. Dort sind dann diverse Angehörige und die jeweilige Reihenfolge aufgelistet, in der sie zur Kasse gebeten werden. Die Frage wäre auch, ob der Verstorbene verheiratet war.

Falls es zutreffend ist, dass "die Kinder" hier bestattungspflichtig sind, erscheint ein Anteil von 500 Euro sehr niedrig. Trotzdem könnte man natürlich verlangen, dass die genaue Zusammensetzung der Kosten nachgewiesen wird und prüfen, ob die Höhe angemessen war. Ob sich der Aufwand lohnt, wenn man dann vielleicht einen kleinen Teil der 500 Euro spart, muss man sich eben überlegen. Insbesondere wenn Anwalt und Gericht beteiligt werden, sind auch deren Kosten zu bedenken.

Wenn die Zahlungspflicht besteht und nur noch das Argfument "ich habe das Geld nicht" bleibt, müsste sich die Schwester einen gerichtlichen Titel (Urteil, Vollstreckungsbescheid) besorgen und kann dann damit die Zwangsvollstreckung versuchen - also z.B. das Gehalt oder das Bankkonto pfänden, den Gerichtsvollzieher zur Sachpfändung vorbeischicken, ein Vermögensverzeichnis verlangen. Die Kosten trägt dann der Schuldner.

Am ehesten praktisch relevant: wann ist denn mit dem Nachlass?

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 13:44
von Hamburg1983
Moin,
also was man vielleicht noch zu der Sache ergänzen muss, ich habe das Erbe ausgeschlagen!
Habe nach Erbausschlagung privat einen Brief von Ihr bekommen.

Ich kann nicht verstehen warum ich ihr was zahlen soll!

Sie hätte doch für die Bestattung einen Antrag stellen können und nicht einfach alles selbst zahlen und jetzt davon ausgehen das die anderen auch soviel Geld haben.

Ich habe nur jetzt zu erfahren bekommen, das ein Antrag im Nachgang nicht mehr gestellt werden kann, somit schon mal voll scheisse.

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 14:43
von SusanneBerlin
Den Antrag auf Erstattung der Bestattungskosten muss mW. jeder besrattungspflichtige Angehörige bei seinem Sozialamt stellen. Denn wenn nur einer zahlungsfähig ist, dann zahlt derjenige seinen Anteil selber.
Ich habe nur jetzt zu erfahren bekommen, das ein Antrag im Nachgang nicht mehr gestellt werden kann, somit schon mal voll scheisse.
Doch gerade bei Bestattungskosten kann man den Antrag auch hinterher stellen, nach der Beerdigung, da zwischen Tod und Beerdigung i.d.R. nur wenige Tage Zeit ist.

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 15:00
von ExDevil67
Hamburg1983 hat geschrieben:Moin,
also was man vielleicht noch zu der Sache ergänzen muss, ich habe das Erbe ausgeschlagen!
Habe nach Erbausschlagung privat einen Brief von Ihr bekommen.

Ich kann nicht verstehen warum ich ihr was zahlen soll!
Weil erben und Bestattung zwei getrennte Dinge sind.

Selbst wenn man es schafft am Todestag mit den jeweilis nötigen, druckfrischen, Unterlagen das Erbe auszuschlagen ist man nicht sicher davor sich um die Beerdigung kümmern zu müssen.
Erbrecht regelt das BGB auf Bundesebene, die Frage wer die Bestattung organisieren (und damit zahlen) muss regeln die Bestattungsgesetze der Länder.

Ich würde trotz Ausschlagung die Schwester auffordern Auskunft über den Wert des Erbes zu erteilen. Wenn der nicht reicht um die Kosten zu decken, wird man wohl trotzdem zahlen müssen.

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 18:48
von CruNCC
Kann sie einfach das Geld von mir verlangen?
Das kommt darauf an, ob alle Erben ausgeschlagen haben.

Gemäß § 1968 BGB haben die Erben die Bestattungskosten zu zahlen. Sollten alle Erben ausgeschlagen haben, müssen die nächsten Verwandten die Bestattungkskosten trotz Ausschlagung übernehmen. Dies ist, wie schon geschrieben wurde, im Bestattungsgesetz des Bundeslandes geregelt.

Re: Bestattungskosten durch Verwandte

Verfasst: 26.01.18, 19:30
von khmlev
Nein. Zunächst greift Par. 1615 (2) BGB. Ein Kind muss für die Beerdigungskosten der Eltern aufkommen, wenn es ihnen gegenüber unterhaltspflichtig ist, soweit ihre Bezahlung nicht von dem Erben zu erlangen ist.