"Verpflichtungskette" Erbe

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Boxi
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"Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Boxi » 09.03.18, 10:35

Wenn A in seinem Testament folgendes verfügen würde

"Für den Fall, dass mein Hausgrundstück x verkauft wird, erhält mein Erbe die Auflage, an folgende (nichterbberechtigte) Person X einen Betrag in Höhe von x EUR aus dem Kaufpreis auszuzahlen"

A verstirbt und Kind B erbt das Haus. Für wie viele Erbgenerationen gilt dann dieser Zusatz?

Wenn B verstirbt, gilt das dann auch für das Kind C?
Und wenn dies widerum stirbt für sein Kind D (also Urenkel von A)?

Vielen Dank

Jdepp
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Jdepp » 09.03.18, 11:43

Handelt es sich um ein notarielles oder handschriftliches Testament oder anders gefragt, kannte der Erblasser den Unterschied zwischen Auflage und Vermächtnis?

Boxi
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Boxi » 09.03.18, 12:11

Es handelt sich um ein notariell beurkundetes Testament bzw. dieses Vermächtnis wurde beim Notar vor 10 Jahren separat verfasst.

Ob der Unterschied bewusst war, kann ich nicht beantworten.

Im Testament steht über dem Absatz: "Mein Erbe wird mit folgendem Vermächtnis beschwert:"

Jdepp
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Jdepp » 09.03.18, 13:25

Es dürfte sich um ein aufschiebend bedingtes Vermächtnis handeln. Ein Erbeserbe kann nicht Beschwerter eines Vermächtnisses sein.

SusanneBerlin
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von SusanneBerlin » 09.03.18, 14:41

Boxi hat geschrieben:A verstirbt und Kind B erbt das Haus. Für wie viele Erbgenerationen gilt dann dieser Zusatz?
Jdepp hat geschrieben:Es dürfte sich um ein aufschiebend bedingtes Vermächtnis handeln. Ein Erbeserbe kann nicht Beschwerter eines Vermächtnisses sein.
Anders gesagt: Es gilt nur für die Erben von A. Es gilt also nur für B. Die nächsten Generationen sind nicht Erben von A und damit hat das Tetament von A keine Wirkung auf sie.
Grüße, Susanne

Boxi
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Boxi » 09.03.18, 19:28

Vielen lieben Dank für die Antworten!

Könnte man C als Erbe machen, wenn man im Testament sagt "nach meinem Tod soll B mein Haus erben; stirbt nach mir B soll das Haus an C übergehen"?
Wäre C dann Erbe?

Bzw. kann man die Erbfolgen weiter als seinen nächsten Erben bestimmen oder kann B dann vererben wie er möchte?

SusanneBerlin
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von SusanneBerlin » 09.03.18, 19:49

Man kann einen Vorerben und einen Nacherben einsetzen. Mehr als die einmalige Weitergabe eines Erbgegenstands ist damit aber nicht möglich.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 2100 Nacherbe
Der Erblasser kann einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist (Nacherbe).
Wenn B von A als Voerbe eingesetzt ist und C als Nacherbe, kann B nicht darüber bestimmen, wer das von A geerbte von B erbt. Das ist dann automatisch C. B kann nur über sein weiteres Vermögen testamentarische Bestimmungen treffen.
Grüße, Susanne

Jdepp
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Jdepp » 09.03.18, 20:09

Eine gegenständlich beschränkte Vor- und Nacherbschaft gibt es allerdings im deutschen Recht nicht Dh wenn man nur das Grundstück im Wege der Vor- und Nacherbschaft vererben will und alles andere soll der eigentliche Erbe direkt endgültig erhalten, muss man ein bisschen rumtricksen. Das geht in dem man alles außer des Grundstückes dem Vorerben als Vorausvermächtnis vermacht, so dass nur noch das Grundstück Bestandteil des Erbes ist (2110 BGB)

hambre
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von hambre » 10.03.18, 00:48

Für wie viele Erbgenerationen gilt dann dieser Zusatz?
Der Zusatz gilt für max. 30 Jahre.

Dabei bin ich im Gegensatz zu Jdepp und SusanneBerlin der Auffassung, dass der Zusatz auch für die Erben des Erben gilt. Die Verpflichtung geht im Rahmen der Universalsukzession über.

Jdepp
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Jdepp » 10.03.18, 18:38

hambre hat geschrieben:
Für wie viele Erbgenerationen gilt dann dieser Zusatz?
Der Zusatz gilt für max. 30 Jahre.

Dabei bin ich im Gegensatz zu Jdepp und SusanneBerlin der Auffassung, dass der Zusatz auch für die Erben des Erben gilt. Die Verpflichtung geht im Rahmen der Universalsukzession über.
Ich hab meins aus dem Münchener Kommentar zum BGB, hab ich aber, da WE, gerade nicht zitatreif hier.

Jdepp
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Re: "Verpflichtungskette" Erbe

Beitrag von Jdepp » 12.03.18, 08:35

Der Erbeserbe kann als solcher nicht Beschwerter sein

Münchener Kommentar zum BGB, 7. Auflage 2017, Rn 3 zu 2147 BGB

Ebenso wenig kann der Erbeserbe (oder der Erbe des Vermächtnisnehmers) Beschwerter sein.

BeckOK BGB, Bamberger/Roth/Hau/Poseck, 44. Edition, Rn. 6 zu 2147 BGB

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