Fragen zum Testament - komische Lage

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potzikatty
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Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von potzikatty » 23.03.18, 02:32

Ich habe schon fleißig im Forum gelesen und bin dankbar für Eure
Antworten. Ich möchte mal über folgenden Fall berichten ( alles fiktiv).

Vater A und Mutter B haben Kind C und Kind D.
Nun passiert folgendes:
A stirbt, hat aber B zum Alleinerben eingesetzt (Berliner Testament).
C will unbedingt an die Immobilie und D " loswerden",
D nur das Bargeld erhalten.
Es gibt eine Immobilie und Geldvermögen.
C und D haben kein gutes Verhältnis.
A und D auch nicht.
Überdies gibt es für B ein lebenslanges Wohnrecht in der Immobilie,
was C nicht gerne sieht. D ist auch nicht glücklich damit, nimmt es aber hin.
Da A den C " vergöttert" will er ihn zum Testamentsvollstrecker für D
berufen wenn B mal stirbt.
B möchte das nicht und es kommt zum offenen Streit zwischen den Eheleuten.


Eine verzwickte Lage also.
Wie sieht es bezüglich den Pflichtteilen aus, dem Wohnrecht für B?
Macht C sich eigentlich Schadenersatzpflichtig ggf. D bezüglich
des Testamentvollstreckers? Ist das überhaupt erlaubt?
2. Und falls B vor A stehen würde, wie kann er den vergötterten C bestrafen?

Danke für Eure Hilfe.

winterspaziergang
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von winterspaziergang » 23.03.18, 06:56

potzikatty hat geschrieben: A stirbt, hat aber B zum Alleinerben eingesetzt (Berliner Testament).
...
Da A den C " vergöttert" will er ihn zum Testamentsvollstrecker für D
berufen wenn B mal stirbt.
B möchte das nicht und es kommt zum offenen Streit zwischen den Eheleuten.
wie das :?:

Dig
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von Dig » 23.03.18, 06:59

Wenn A stirbt und B als Alleinerbe (Berliner Testament) eingesetzt ist, bekommen C und D die Pflichtteile nur in Form von (Bar)Geld. B wird/bleibt alleiniger Eigentümer der Immobilie.
Viele Grüße Dig

SusanneBerlin
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.18, 08:16

A stirbt, hat aber B zum Alleinerben eingesetzt (Berliner Testament).
C will unbedingt an die Immobilie und D " loswerden",
D nur das Bargeld erhalten.
C und D könben beim Tod des ersten Elternteils ihre Pflichtteile verlangen. Das ist jeweils ein Bargeldbetrag, für jeden 1/8 des Nachlasswerts. Was C und D ansonsten "wollen" ist uninteressant, da die Mutter die Immobilie alleine erbt.
Überdies gibt es für B ein lebenslanges Wohnrecht in der Immobilie,
Das ist doppelt gemoppelt, da B als Eigentümerin sowieso über die Immobilie bestimmen darf und selbstverständlich auch darin wohnen darf.

Da A den C " vergöttert" will er ihn zum Testamentsvollstrecker für D
berufen wenn B mal stirbt.
B möchte das nicht und es kommt zum offenen Streit zwischen den Eheleuten.
Was genau soll der Testamentsvollstrecker denn tun, außer den Nachlass zwischen den Erben aufteilen?
Macht C sich eigentlich Schadenersatzpflichtig ggf. D bezüglich
des Testamentvollstreckers? Ist das überhaupt erlaubt?
Diese Fragen sind unverständlich, welcher Schaden soll entstehen? Oder meinen Sie, ob dem Testamentsvollstrecker ein Honorar für seine Tätigkeit zusteht? Und warum soll das Einsetzen eines Testamentsvollstreckers nicht erlaubt sein? Natürlich ist es erlaubt, sonst gäbe es doch niemals das Amt des Testamentvollstreckers.
2. Und falls B vor A stehen würde, wie kann er den vergötterten C bestrafen?
Keine Ahnung, was Sie sich unter "bestrafen" vorstellen. Wenn damit gemeibt ist, dass C möglichst wenig vom Erbe bekomnen soll, das geht nicht mehr, weil man ein Berliner Testament nicht mehr ändern kann nachdem ein Ehepartner verstorben ist.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von matthias. » 23.03.18, 08:56

SusanneBerlin hat geschrieben:Das ist doppelt gemoppelt, da B als Eigentümerin sowieso über die Immobilie bestimmen darf und selbstverständlich auch darin wohnen darf.

Von daher sehe ich auch nicht, dass das Pflichtteil dadurch gemindert wird, durch das "Wohnrecht" (dass sie/er eh als Eigentümer hat).

MfG
Matthias

potzikatty
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von potzikatty » 23.03.18, 14:32

Wie sehe denn das beschriebene zu o.b. Situation aus,
wenn kein Berliner Testament bestehen würde?

Ein anderer Gedanke:

Wenn A stirbt ziehen doch beide Kinder mit Ehefrau (B) in das Haus ein.
Es bestehen mehrere Etagen.
Dies würde voraussetzen:
Das Haus müsste " aufwendig" umgebaut werden,
Abtrennung von einzelnen Etagen, sep. Eingänge errichten.
Geht das denn überhaupt rechtlich ? Wer trägt die Kosten
in so einem Szenario, wenn nichts vereinbart wäre?

Danke!

SusanneBerlin
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.18, 15:11

Wie sehe denn das beschriebene zu o.b. Situation aus,
wenn kein Berliner Testament bestehen würde?
Wenn ein Elternteil stirbt und kein Testament gemacht hat und im gesetzlichen Güterstand gelebt hat, erbt der längerlebende Ehegatte 50% und den "Voraus", die beiden Kinder je 25%.
Das Haus müsste " aufwendig" umgebaut werden,
Abtrennung von einzelnen Etagen, sep. Eingänge errichten. Geht das denn überhaupt rechtlich ?
Das ist zum einen eine baurechtliche Frage, man muss uU. einen Bauantrag stellen. Wenn es baurechtlich keine Einwände gibt, kann/können der oder die Eigentümer der Immobilie das machen, warum auch nicht.
Wer trägt die Kosten
in so einem Szenario, wenn nichts vereinbart wäre?
Das Bauunternehmen und die Handwerker werden von demjenigen die Entlohnung verlangen, der die Verträge unterschrieben hat. Es geht leider nicht, dem Bauunternehmen zu sagen: "Bauen Sie mir mal ein Haus. Es ist zwar nicht nicht entschieden, wer das bezahlt, aber fangen Sie ruhig schon mal an."

Wenn keiner bereit ist, die Kosten zu tragen, wird eben nicht umgebaut. Man wird sich also einigen müssen, bevor man den Umbau beauftragt.
Grüße, Susanne

Dig
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von Dig » 23.03.18, 17:32

Warum sollen die Kinder mit in das Haus einziehen? Sie werden nur im Grundbuch eingetragen als anteilige Eigentümer. Sie müssen doch nicht einziehen... :?:
Viele Grüße Dig

winterspaziergang
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von winterspaziergang » 23.03.18, 18:39

potzikatty hat geschrieben: Wenn A stirbt ziehen doch beide Kinder mit Ehefrau (B) in das Haus ein.
wieso "doch"? Ist was vereinbart? geplant?
Es bestehen mehrere Etagen.
Dies würde voraussetzen:
Das Haus müsste " aufwendig" umgebaut werden,
C und D können in ihr Elternhaus einziehen und ihre 25% nutzen. Wieso sollte die Mutter einem Umbau zustimmen?
Abtrennung von einzelnen Etagen, sep. Eingänge errichten.
dem muss die Mutter nicht zustimmen
Geht das denn überhaupt rechtlich ? Wer trägt die Kosten
in so einem Szenario, wenn nichts vereinbart wäre?
wie bereits beantwortet

SusanneBerlin
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.18, 19:40

Wenn A stirbt ziehen doch beide Kinder mit Ehefrau (B) in das Haus ein.
Es bestehen mehrere Etagen.
Dies würde voraussetzen:
Das Haus müsste " aufwendig" umgebaut werden,
Abtrennung von einzelnen Etagen, sep. Eingänge errichten.
Geht das denn überhaupt rechtlich ?
Zur Klarstellung: Die Eigentümer müssen gemeinschaftlich entscheiden was mit der Immobilie geschieht. Nur weil den Kinder jetzt als Mitglieder der Erbengemeinschaft rechnerisch je ein Anteil von 25% gehört, können sie nicht ihne die Mutter einzubeziehen über Umbaumaßnahmen entscheiden.
Wer trägt die Kosten
in so einem Szenario, wenn nichts vereinbart wäre?
Da es ohne Gemeinschaftsentscheidung nicht geht, wird die Kostenverteilung ein Teil der Vereinbarung sein müssen.
Grüße, Susanne

potzikatty
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von potzikatty » 23.03.18, 23:47

SusanneBerlin hat geschrieben:
A stirbt, hat aber B zum Alleinerben eingesetzt (Berliner Testament).
C will unbedingt an die Immobilie und D " loswerden",
D nur das Bargeld erhalten.
C und D könben beim Tod des ersten Elternteils ihre Pflichtteile verlangen. Das ist jeweils ein Bargeldbetrag, für jeden 1/8 des Nachlasswerts. Was C und D ansonsten "wollen" ist uninteressant, da die Mutter die Immobilie alleine erbt


Dies habe ich schon vermutet,
aber wie sieht es aus wenn die beschriebene Sache wie folgt verhält.

A setzt Ehefrau B zum Alleinerben des unbeweglichen Erbes ein
Schwester von A erhält bewegliches Erbe

Sind Ehefrau B und die Kinder C und D somit enterbt?
Was ist mit den Pflichtteilen und der Höhe?

Danke!

SusanneBerlin
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 24.03.18, 00:19

A setzt Ehefrau B zum Alleinerben des unbeweglichen Erbes ein
Schwester von A erhält bewegliches Erbe
Von "Alleinerbe" spricht man, wenn es nur einen Erben gibt und der bekommt alles. Wenn Sie jetzt schreiben, die Ehefrau soll erben und die Schwester soll erben, dann gibt es keinen Alleinerben, sondern eine Erbengemeinschaft bestehend aus Ehefrau und Schwester.
Sind Ehefrau B und die Kinder C und D somit enterbt?
Die Ehefrau bekommt doch das Haus (das ist wohl gemeint mit "unbewegliches Erbe") , da ist sie doch nicht enterbt. Außerdem haben Sie oben geschrieben, die Ehefrau sei Alleinerbe. Man kann nicht gleichzeitig Erbe sein und enterbt sein. Entweder oder.

Die Kinder sind enterbt, da ihnen im Testament nichts zugewandt wurde.

Die Kinder haben immer noch, genau wie oben, einen Pflichtteilsanspruch von jeweils 1/8 des Nachlasses. Der Pflichtteilsanspruch der Kinder ist immer der gleiche, das ist unabhängig davon wer als Erben eingesetzt ist.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Fragen zum Testament - komische Lage

Beitrag von winterspaziergang » 24.03.18, 06:48

potzikatty hat geschrieben: A setzt Ehefrau B zum Alleinerben des unbeweglichen Erbes ein
Schwester von A erhält bewegliches Erbe

Sind Ehefrau B und die Kinder C und D somit enterbt?
Was ist mit den Pflichtteilen und der Höhe?
Wie schon aufgeführt, kann Ehefrau B, die alles erbt, nicht gleichzeitig enterbt werden, ebenso wie Erbstreitigkeiten nach dem Tod von Vater A, nicht dazu führen können, dass Eheleute A und B sich streiten.

Zur nun dritten Konstellation und Frage:
Es gibt etwas, was sich gesetzliche Erbfolge nennt.
Definiert als das vorrangige Erbrecht des überlebenden Ehepartners und der nächsten Verwandten. In den § 1924 bis § 1936 BGB geregelt.
Dabei gibt es eine Erbenanordnung, 1-5. Klasse.
1. Ordnung sind die eigenen Abkömmlinge und deren Nachkommen (also Kinder und Enkel), 2. Ordnung sind u.a. Geschwister und deren Nachkommen. Sogar die Urgroßeltern (die eher selten den Erblasser überleben) sind in einer 4. Ordnung aufgeführt. Erst danach kommen entfernte Verwandte.

Übergeht man einen höherrangigen Erben, indem man in einem Testament verfügt, dass der nichts erbt oder weniger als das, was ihm gesetzlich zusteht, so wird ein Pflichtteil berechnet und fällig.
Und zwar nur dann.
Verfügt der Erblasser in seinem Testament so, dass die erbberechtigten ihr Erbe erhalten, wird auch kein Pflichtteil notwendig.

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