Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

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olip
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Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von olip » 25.03.18, 21:49

Hallo,

angenommen einer der zwei zukünftigen Erben bewohnt zu Lebzeiten des gestorbenen eine dessen Wohnungen, bezahlt pauschal Nebenkosten und unterstützt hier und da bei Arbeiten im Haushalt, Einkaufen etc. (nach außen hin läuft das ganze sogar als ein Haushalt insofern nur ein Stromzähler, Wasserzähler, Festnetztelefonanschluss fürs ganze Haus genutzt wird).

Hat der zweite Erbe einen Anspruch aus diesem Sachverhalt? Also z.B. hinsichtlich des vom anderen Erben ersparten da er keine Wohnung mieten muss.

Letztlich wäre die Wohnung ansonsten leer gestanden. Auch der zweite Erbe hätte die Möglichkeiten nutzen können die freie Wohnung zu beziehen da diese nur innerhalb der Familie vergeben werden sollte (wer zuerst kommt malt zuerst).

Ich freue mich über eure Meinungen oder auch Hinweise falls ich im falschen Forenbereich frage.

SusanneBerlin
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von SusanneBerlin » 25.03.18, 22:20

Hallo,
Wohnungsnutzung zu Lebzeiten
Natürlich zu Lebzeiten. Tote können keine Wohnung nutzen, und Tote können auch keine Wohnung zur Verfügung stellen.
Hat der zweite Erbe einen Anspruch aus diesem Sachverhalt? Also z.B. hinsichtlich des vom anderen Erben ersparten da er keine Wohnung mieten muss.
Nein.

Wenn der Erblasser dem A die Wohnung gegen Zahlung der Nebenkosten und Hilfe im Haushalt kostenlos zur Verfügung stellt, ist das eine gültige Vereinbarung. Erbe B kann nicht rückwirkend für die Vergangenheit eine Miete fordern die nicht vereinbart war.
Grüße, Susanne

olip
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von olip » 25.03.18, 22:25

Miete will er nicht aber einen höheren Erbteil bzw. da im Moment glücklicherweise noch niemand gestorben ist auch etwas für sich => das kommt vermutlich für juristisch gebildete Menschen aufs selbe raus, oder?

Danke das du so schnell geantwortet hast!

SusanneBerlin
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von SusanneBerlin » 25.03.18, 22:50

Wenn die ersparte Miete über 10 Jahre als Schenkung angenommen wird, ergäbe sich theoretisch ein Pflichtteilergänzungsanspruch.

Rechnerisch müsste der Nachlasswert unter Beachtung der Abschmelzungsregel damit kleiner sein als das Dreißigfache der ansetzbaren Monatskaltmiete. Wenn der Nachlass aus mehreren Wohnungen oder einem Mehrfamilienhaus besteht, kommt ein Pflichtteilsergänzungsanspruch von null heraus.
Grüße, Susanne

olip
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von olip » 26.03.18, 11:14

Puh, das versteh ich nicht :(

Kannst du es anders formulieren? (einfacher)

SusanneBerlin
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von SusanneBerlin » 26.03.18, 11:29

An sich steht Erbe B kein höheherer Erbteil zu als Erbe A.

Es gibt jedoch einen Pflichtteilergänzungsanspruch. Das ist dann der Fall, wenn z.B. der Erblasser kurz vor seinem Tod große Teile seines Vermögens verschenkt und ein pflichtteilberechtigter gesetzlicher Erben weniger erbt, als sein Pflichtteil wäre wenn der Erblasser das Vermögen nicht verschenkt hätte.

Deshalb gibt es theoretisch einen Anspruch von Erbe B (wenn er zugleich pflichtteilsberechtigt ist), aber dafür müsste der Erblasser den Nachlass halbiert haben, also mindestens genausoviel verschenkt haben wie am Ende übrig ist.
Grüße, Susanne

Froggel
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von Froggel » 26.03.18, 12:34

Zum einen wäre es sicher sinnvoll, wenn man wüsste, wie viele Wohnungen der Erblasser überhaupt hatte, wenn der Erbe bereits vorher "eine der Wohnungen" bewohnt hat, zum anderen sollte aber auch berücksichtigt werden, dass nach dem Erbfall der zweite Erbe ebenfalls Eigentum an diesen Wohnungen erhält.
Jetzt ist die Frage, ob er es sich gefallen lassen muss, dass der andere Erbe praktisch kostenlos in seinem ererbten Eigentumsanteil weiter wohnt. Dies ist zu bejahen, wenn dem Miterben die Möglichkeit gegeben wird, die Immobilie ebenfalls zu bewohnen. Wird ihm dagegen diese Möglichkeit verwehrt, kann der Miterbe die Neuregelung der Verwaltung und Benutzung der Nachlassimmobilie verlangen und kann im Anschluss daran eine Nutzungsentschädigung von dem Bewohner der ererbten Immobilie verlangen. Diese kann aber nicht rückwirkend verlangt werden, sondern lediglich für die Zukunft.
Kommt es zu keiner gütlichen Einigung, droht das Zwangsversteigerungsverfahren, das dem Streit ein Ende setzen kann.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

olip
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von olip » 26.03.18, 12:59

So, jetzt versteh ich euch auch - vielen Dank dafür!

Der vollständigkeithalber noch die Antworten auf eure Fragen!

Es geht um ein Haus mit drei Wohnungen.
Eine der Wohnungen wird seit Jahren sporadisch von einem der zukünftigen Erben bewohnt (nämlich immer dann wenn er nicht jahrelang aus beruflichen Gründen außer Landes lebt).
=> sagen wir einfach mal er hat in den vergangenen 15 Jahren 5 Jahre in der Wohnung gelebt.
Da diese auch schon vor dem Bezug leer stand und eine Vermietung grundsätzlich nie vorgesehen war ist durch den Bezug keine Verringerung des zu vererbenden Vermögens geschehen.

In einer Wohnung lebt der Inhaber des Hauses, in einer zweiten seine Lebensgefährtin.


Da also kein größerer Teil des Vermögens verschenkt wurde entfällt das Thema Pfichtteilergänzungsanspruch.
Das mietfreies wohnen vereinbart wurde kann offensichtlich nicht als Verringerung des Vermögens gewertet werden zumal höchstens theoretisch durch Mieteinnahmen das Vermögen gewachsen wäre - dies war aber nie beabsichtigt da "Keine fremden Leute" mehr ins Haus sollten.

Nach einem Erbe könnte ich es problemlos nachvollziehen das die Nutzungsverhältnisse neu besprochen werden müssen und kann es nachvollziehen das Erbe B nicht weiter kostenlos in der zur Hälfte auch Erbe A gehörenden Wohnung lebt (auf der anderen Seite ergeben sich dann auch Aufgaben wie z.B. Instandhaltung und Verwaltung des Gesamtobjektes=> Erbe B als ortsansässiger könnte z.B. im Gegenzug für weitere Mietfreiheit solche Aufgaben übernehmen aber das ist ja ein anderes Thema).

Wenn auch ihr den Eindruck habt das ich alles richtig verstanden habe dann bedanke ich mich vielmals und kann damit nun ruhiger schlafen :)

hambre
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Re: Wohnungsnutzung zu Lebzeiten

Beitrag von hambre » 26.03.18, 13:47

Wenn die ersparte Miete über 10 Jahre als Schenkung angenommen wird
Das scheitert aber daran, dass es sich bei einer unentgeltlichen Überlassung einer Wohnung nicht um eine Schenkung in Höhe er ersparten Miete handelt.
Da diese auch schon vor dem Bezug leer stand und eine Vermietung grundsätzlich nie vorgesehen war ist durch den Bezug keine Verringerung des zu vererbenden Vermögens geschehen.
Auch wenn die vor dem Bezug nicht leer gestanden hätte und eine Vermietung grundsätzlich vorgesehen gewesen wäre, wäre durch den Bezug keine Verringerung des zu vererbenden Vermögens eingetreten. Die nicht erfolgte Vermehrung des Vermögens ist jedoch keine Schenkung.
Jetzt ist die Frage, ob er es sich gefallen lassen muss, dass der andere Erbe praktisch kostenlos in seinem ererbten Eigentumsanteil weiter wohnt.
Nach dem Erbfall besteht kein weiterer Anspruch auf kostenlose Nutzung. Ein Ausgleich für die kostenlose Nutzung vor dem Erbfall ergibt sich aber auch nicht.

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