Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

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DonCorleone
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Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 13.04.18, 09:39

Hallo,

da man so etwas nicht alltäglich hat, muss ich doch einmal nachfragen. Es liegt ein handschriftliches Testament vor, was vom Inhalt her recht kompliziert ist. Sehe ich das richtig das wenn keine Vorsorgevollmacht des Verstorbenen vorliegt das Gericht dann Eintritt und den Inhalt und die Abwicklung des Testamentes vornimmt ? Müssen dann vom Gericht auch alle Wünsche des Verstorbenen berücksichtigt werden oder kann das Gericht eigene Entscheidung abweichend vom Testament entscheiden ? Im klaren geht es darum, dass auch "normale" Freunde im Testament berücksichtigt werden sollen und nicht nur die eigenen Kinder. Kann das Gericht hier entscheiden, dass die im Testament hinterlegten Freunde leer ausgehen ?

Danke
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SusanneBerlin
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von SusanneBerlin » 13.04.18, 10:02

Mit einer Vorsorgevollmacht werden Dinge geregelt für den Fall, dass der Vollmachtgeber nicht mehr Herr seiner Sinne ist, z.B. dement wird oder im Koma liegt. Ist der Betreffende tot, dann verliert die Vorsorgevollmacht ihren Zweck und wird nicht mehr gebraucht.

Für das Abwickeln der Erbschaft ist eine Vorsorgevollmacht ohne Belang.

Das Testament muss man beim Nachlassgericht abgeben. Das Gericht sendet dann jedem Erben und jedem bekannten Pflichtteilberechtigten eine Abschrift.

Wird ein Erbschein beantragt, dann stellt das Gericht den Erbschein aus. Damit sind die Aufgaben des Nachlassgerichts erstmal beendet.

Das Abwickeln der Erbschaft, die Teilung des Nachlasses ist Sache der Erben. Daran beteiligt sich das Nachlassgericht nicht.
Im klaren geht es darum, dass auch "normale" Freunde im Testament berücksichtigt werden sollen und nicht nur die eigenen Kinder. Kann das Gericht hier entscheiden, dass die im Testament hinterlegten Freunde leer ausgehen ?
Erstens hat das Nachlassgericht mit dem Aufteilen des Nachlasses gar nichts zu tun, zweitens werden die Testamentsabschriften nicht abgeändert, da wird niemand herausgestrichen. Die im Testament bedachten Freunde erhalten Abschriften des Testaments.Wenn sie nicht selber Erben sind, verlangen sie die Erfüllung der Vermächtnisse von den Erben. Wenn die Erben sich weigern, können die im Testament vedachten Freunde vor dem Gericht (Amts- oder Landgericht, nicht Nachlassgericht) auf Herausgabe klagen.
Grüße, Susanne

Jdepp
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von Jdepp » 13.04.18, 10:04

DonCorleone hat geschrieben:Hallo,

da man so etwas nicht alltäglich hat, muss ich doch einmal nachfragen. Es liegt ein handschriftliches Testament vor, was vom Inhalt her recht kompliziert ist. Sehe ich das richtig das wenn keine Vorsorgevollmacht des Verstorbenen vorliegt das Gericht dann Eintritt und den Inhalt und die Abwicklung des Testamentes vornimmt ? Müssen dann vom Gericht auch alle Wünsche des Verstorbenen berücksichtigt werden oder kann das Gericht eigene Entscheidung abweichend vom Testament entscheiden ? Im klaren geht es darum, dass auch "normale" Freunde im Testament berücksichtigt werden sollen und nicht nur die eigenen Kinder. Kann das Gericht hier entscheiden, dass die im Testament hinterlegten Freunde leer ausgehen ?

Danke
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Nein. Das Gericht eröffnet das Testament und gibt es den Beteiligten bekannt. Mehr passiert da nicht.

matthias.
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von matthias. » 13.04.18, 10:21

Jdepp hat geschrieben:

Nein. Das Gericht eröffnet das Testament und gibt es den Beteiligten bekannt. Mehr passiert da nicht.

Alles weitere müssen die Erben selbst veranlassen/regeln.

DonCorleone
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 13.04.18, 10:34

d.h. die tatsächliche finanzielle "Abwicklung" macht dann einer der Erben bzw. der Sohn der dafür bereits bestimmt wurde vom verstorbenen Vater ?
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matthias.
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von matthias. » 13.04.18, 10:40

Grundsätzlich müssen das alle zusammen machen.
Sie sind eine Erbengemeinschaft.
bzw. der Sohn der dafür bereits bestimmt wurde vom verstorbenen Vater ?
Kommt darauf an, wenn der als Testamentsvollstrecker bestimmt wurde.

Wobei das Problem ist bei handschriftlichen Testamenten, dass da oft viel Unklares drin steht.

DonCorleone
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 13.04.18, 10:56

...dass da oft viel Unklares drin steht.
deshalb schrieb ich im Anfangspost, es ist kompliziert aufgestellt das Testament. 20% des Gesamtvermögens an die letzte Frau. Wie deklariert man Frau, = verheiratet oder nicht oder zählt auch die letzte Freundin. 50K an den besten Freund aus Lebenszeiten, Grundstück in Brasilien etc. etc. Ich möchte die Arbeit nicht haben dies auseinander zu bekommen.

Der Testamentsvollstrecker wir von der Erbengemeinschaft "gewählt" oder vom Gericht ?

Danke !
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matthias.
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von matthias. » 13.04.18, 11:33

DonCorleone hat geschrieben: Der Testamentsvollstrecker wir von der Erbengemeinschaft "gewählt" oder vom Gericht ?

Danke !
Du hast doch gesagt, der Verstorbene hätte ihn bestimmt.

DonCorleone
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 13.04.18, 12:04

OK, dann passt alles. Ich dachte nur, da kann noch wer anderes (Gericht) eingreifen. Der Sohn wurde vom verstorbenen Vater dafür bestimmt. Für mich sind nur die ganzen Begrifflichkeiten nicht ganz geläufig.
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matthias.
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von matthias. » 13.04.18, 12:32

DonCorleone hat geschrieben:OK, dann passt alles. Ich dachte nur, da kann noch wer anderes (Gericht) eingreifen.

Erstmal oder automatisch wird da niemand eingreifen.

DonCorleone
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 13.04.18, 12:37

OK, Zusammenfassend - wird dann der berufene Sohn alles übernehmen. Erst wenn jemand dagegen ist wird es andere Entscheider geben.
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SusanneBerlin
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von SusanneBerlin » 13.04.18, 13:18

Wenn das mit dem Testamentsvollstrecker nicht im Testament steht, dann wird es keinen Testamentsvollstrecker geben. Mündliche Vereinbarungen zählen nichts in Nachlasssachen.

Der Testamentsvollstrecker ist nicht dazu da um irgendwas zu entscheiden, er soll die Bestimmungen des Testaments ausführen und jedem das übereignen, was der Erblasser ihm zugedacht hat.

Die Erben können auch keinen Testamentsvollstrecker unter sich auswählen, wenn der Erblasser keinen Testamentsvollstrecker im Testament berufen hat.

Was die Erben machen können wenn kein Testamentsvollstrecker im Testament genannt ist: eine Person bevollmächtigen, die sich dann um die Abwicklung kümmert. Den nennt man dann aber "Bevollmächtigter der Erbengemeinschaft" und nicht Testamentsvollstrecker.
deshalb schrieb ich im Anfangspost, es ist kompliziert aufgestellt das Testament. 20% des Gesamtvermögens an die letzte Frau. Wie deklariert man Frau, = verheiratet oder nicht oder zählt auch die letzte Freundin. 50K an den besten Freund aus Lebenszeiten, Grundstück in Brasilien etc. etc.
"20% an meine letzte Frau" wenn der Verstorbene zum Todeszeitpunkt nicht verheiratet war und "50.000 an meinen besten Freund" ist tatsächlich ein wenig unklar. Hat der Testator keine Namen derjenigen hingeschrieben, denen er etwas hinterlassen möchte sondern nur solche blumigen Umschreibungen?

Das Grundstück dagegen ist klar. Wenn er nur ein Grundstück in Brasilien hat, dann ist dieses eine Grundstück in Brasilien gemeint.
Grüße, Susanne

DonCorleone
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von DonCorleone » 19.04.18, 10:19

OK, bisher läuft alles gut und es wurden auch zur Abwicklung Rechtsanwälte eingebunden. Eine Frage noch. Der Verstorbene hat zwei Testamente hinterlassen. Eines soll alles in Brasilien und eines alles in Deutschland abwickeln. Er wollte, dass die Besitztümer in Brasilien auch dort bleiben bzw. dort abgewickelt werden. Ist so etwas rechtens mit den zwei Testamenten ?

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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von lottchen » 19.04.18, 12:03

2 Testamente mit ein und demselben Datum, die sich widersprechen?

matthias.
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Re: Erbschaft ohne Vorsorgevollmacht

Beitrag von matthias. » 20.04.18, 07:33

lottchen hat geschrieben:2 Testamente mit ein und demselben Datum, die sich widersprechen?
Sie behandeln wohl nur unterschiedliche Teile des Vermögens. Kein Widerspruch.

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