Frage zu Testament

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OliB
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Frage zu Testament

Beitrag von OliB » 10.05.18, 17:11

Hallo!

Eine Erblasserin verfügt im Testament, dass ihr Vater Alleinerbe werden soll.
Wenn der Vater erbt und danach ebenfalls verstirbt, soll das verbleibende Erbe zu gleichen Teilen an die Personen A und B gehen.

A und B stehen in keinerlei Erbfolge zu der Erblasserin.
Es gibt noch einen Bruder der Erblasserin, welcher der einzige Verwandte ist und somit nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe wäre.
Dieser Bruder wird im Testament jedoch nicht erwähnt.

Nun ist die Erblasserin verstorben. Ihr Vater allerdings bereits vor ihr, ohne dass das Testament geändert wurde.

2 Fragen dazu:

1) Ist das Testament grundsätzlich gültig, wenn es wie hier 2-stufig aufgebaut ist?
Wie soll definiert werden, welchen Anteil vom Erbe der Vater verbraucht hat?

2) Ist das Testament überhaupt gültig, wenn Punkt 1, also Alleinerbe Vater nicht mehr möglich ist?
Hätte es dann nicht geändert werden müssen?

Danke für jede Antwort.

Grüße

Jdepp
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Re: Frage zu Testament

Beitrag von Jdepp » 10.05.18, 17:34

OliB hat geschrieben: Es gibt noch einen Bruder der Erblasserin, welcher der einzige Verwandte ist und somit nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe wäre.
Dieser Bruder wird im Testament jedoch nicht erwähnt.
Das ist er nur wenn der Vater vor der Tochter verstirbt, sonst nicht.
1) Ist das Testament grundsätzlich gültig, wenn es wie hier 2-stufig aufgebaut ist?
Wie soll definiert werden, welchen Anteil vom Erbe der Vater verbraucht hat?

2) Ist das Testament überhaupt gültig, wenn Punkt 1, also Alleinerbe Vater nicht mehr möglich ist?
Hätte es dann nicht geändert werden müssen?

Danke für jede Antwort.

Grüße


1. Ja ist es. Es handelt sich um Vor- und Nacherbschaft. Der Vater hätte die Erbmasse von seinem Vermögen getrennt behandeln müssen.

2. Ja ist es und nein es hätte nicht geändert werden müssen. Die Nacherben sind im Zweifel Ersatzerben (§ 2102 BGB) und erben somit zu je 1/2 Anteil.

CruNCC
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Re: Frage zu Testament

Beitrag von CruNCC » 10.05.18, 18:15

Ist das Testament grundsätzlich gültig, wenn es wie hier 2-stufig aufgebaut ist?
Ja.
Wie soll definiert werden, welchen Anteil vom Erbe der Vater verbraucht hat?
:?: Wenn der Vater vor der Tochter verstorben ist und somit nicht Erbe wurde, welches Erbe soll dann verbraucht sein?
Ist das Testament überhaupt gültig, wenn Punkt 1, also Alleinerbe Vater nicht mehr möglich ist?
Ja.
Hätte es dann nicht geändert werden müssen?
Nein, es gibt keine Verpflichtung ein Testament zu ändern.

SusanneBerlin
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Re: Frage zu Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.05.18, 18:47

Eine Erblasserin verfügt im Testament, dass ihr Vater Alleinerbe werden soll.
Wenn der Vater erbt und danach ebenfalls verstirbt, soll das verbleibende Erbe zu gleichen Teilen an die Personen A und B gehen.
Genau genommen ist die Formulierung "Alleinerbe" falsch. Gemeint ist wohl, dass der Vater befreiter Vorerbe werden soll und A und B sollen die Nacherben werden.
1) Ist das Testament grundsätzlich gültig, wenn es wie hier 2-stufig aufgebaut ist?
Ja, die Vor- und Nacherbschaft anzuordnen ist vom Gesetz her möglich, es ist in allen Details geregelt in insgesamt siebenundvierzig Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§§ 2100 - 2146).
A und B stehen in keinerlei Erbfolge zu der Erblasserin.
Es gibt noch einen Bruder der Erblasserin, welcher der einzige Verwandte ist und somit nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe wäre.
Dieser Bruder wird im Testament jedoch nicht erwähnt.
Der nicht im Testament erwähnte Bruder ist damit enterbt. Er hat auch keinen Anspruch auf einen Pflichtteil.

Der Bruder wäre nach gesetzlicher Erbfolge auch nicht Alleinerbe. Er würde gar nichts erben, wenn beide Eltern noch leben, und wenn die Mutter bereits vorverstorben ist und der Vater noch lebte, würde er zusamnen mit dem Vater erben.
Wie soll definiert werden, welchen Anteil vom Erbe der Vater verbraucht hat?
Wenn der eingesetzte Vorerbe (Vater) vor der Erblasserin stirbt, kann er nichts erben und somit nichts verbrauchen, die Nacherben erben dann alles. Das steht in § § 2102 BGB.
2) Ist das Testament überhaupt gültig, wenn Punkt 1, also Alleinerbe Vater nicht mehr möglich ist?
Sicher ist das Testament gültig, der Vorerbfall kann eben nur nicht eintreten, es tritt dann mit dem Tod der Erblasserin gleich der Nacherbfall ein, eben wie in § 2102 BGB geregelt.
Hätte es dann nicht geändert werden müssen?
Es gibt keine gesetzliche Pflicht, ein Testament zu ändern. Es gibt ja auch keine Pflicht, überhaupt ein Testament zu machen. Im Worst Case sterben alle im Testament eingesetzten Erben vor dem Erblasser, das ist aber weder verboten noch ungesetzlich und zwingt den Erblasser auch nicht, neu zu verfügen.
Grüße, Susanne

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