Grundstück erben ohne Zustimmung?

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Niceyard
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Grundstück erben ohne Zustimmung?

Beitrag von Niceyard » 06.06.18, 01:29

Eine Frau die in den letzten Lebensmonaten von ihrer Schwester gepflegt wird verstirbt und hinterlässt zunächst nichts als eine Wohnungseinrichtung.
Einige Jahre nach dem Tod kommt aber über einen Bekannten heraus, dass ihm und der verstorbenen Frau ein Waldgrundstück gehört/e.
Es gibt einen Enkel der Person, dessen beiden Söhne, die Ehefrau des Sohnes der Verstorbenen und den Sohn der Schwester der Verstorbenen.
Wer kann das Grundstück erben? Der Enkel?
Der Enkel hat kein Interesse am Grundstück, da mit der Eigentümerschaft des Grundstückes Kosten verbunden sind (z.B. Unfallversicherung für Landwirtschaftlich nutzbare Flächen).
Kann der Enkel das Grundstück zugesprochen bekommen, ohne dass er sein Einverständnis gibt, oder muss er es aktiv ablehnen, damit es
ihm nicht zugesprochen wird? Was passiert mit dem Grundstück, wenn der Enkel nicht tätig wird?
Wie ist die Rechtslage?

SusanneBerlin
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Re: Grundstück erben ohne Zustimmung?

Beitrag von SusanneBerlin » 06.06.18, 05:28

Hallo,
verstirbt und hinterlässt zunächst nichts als eine Wohnungseinrichtung.
Sie hinterlässt in der Sekunde ihres Todes auch einen Anteil an einem Grundstück, auch wenn das in diesem Augenblick anscheinend niemand von der Verwandschaft weiß.
Einige Jahre nach dem Tod kommt aber über einen Bekannten heraus, dass ihm und der verstorbenen Frau ein Waldgrundstück gehört/e.
Wenn der Bekannte noch lebt, wird nur der Anteil des Grundstücks vererbt, der der Frau gehörte.
Es gibt einen Enkel der Person, dessen beiden Söhne, die Ehefrau des Sohnes der Verstorbenen und den Sohn der Schwester der Verstorbenen.
Wer ist "die Person"?

Wenn es kein Testament gibt, gilt die gesetzliche Erbfolge. In erster Linie erben die Kinder und der Ehegatte. Sind die Kinder der Verstorbenen vor ihrer Mutter gestorben? Nur dann erbt der Enkel. Der Ehegatte ist auch vor der Frau gestorben?
Wer kann das Grundstück erben? Der Enkel?
Die Frage ist nickt: wer kann, sondern: Wer hat geerbt? Eine Erbschaft entsteht mit dem Tod des Erblassers. Ob der Erbe oder die Erbin oder die Erben von dem Grundstück wußten spielt keine Rolle.
Kann der Enkel das Grundstück zugesprochen bekommen, ohne dass er sein Einverständnis gibt, oder muss er es aktiv ablehnen, damit es
ihm nicht zugesprochen wird?
Eine Erbschaft wird nicht zugesprochen, sondern sie entsteht von gesetzes wegen. Wenn der Enkel Erbe ist, dann hat er auch den Anteil der Großmutter am Grundstück geerbt. Wenn er nicht Erbe ist, dann kann er das Grundstück auch nicht "zugesprochen bekommen", er kann es dann nur kaufen oder sich schenken lassen.

Eine Erbschaft kann man ausschlagen, dafür ist es jetzt aber zu spät. Die Ausschlagungsfrist beträgt nur 6 Wochen nachdem man wußte, dass man Erbe geworden ist. Man kann eine Erbschaft nur im Ganzen annehmen oder im Ganzen ablehnen.
Was passiert mit dem Grundstück, wenn der Enkel nicht tätig wird?
Das Grundstück liegt herum, was soll ihm denn passieren? Der Eintrag im Grundbuch wird nur auf Antrag geändert. Solange sich kein Erbe beim Grundbuchamt meldet, bleibt die verstorbene Großmutter im Grundbuch eingetragen.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Grundstück erben ohne Zustimmung?

Beitrag von winterspaziergang » 06.06.18, 07:08

Niceyard hat geschrieben:Eine Frau die in den letzten Lebensmonaten von ihrer Schwester gepflegt wird verstirbt ...
Einige Jahre nach dem Tod kommt aber über einen Bekannten heraus, dass ihm und der verstorbenen Frau ein Waldgrundstück gehört/e.
Es gibt einen Enkel der Person, dessen beiden Söhne, die Ehefrau des Sohnes der Verstorbenen und den Sohn der Schwester der Verstorbenen.
Die Frau stirbt und der "ihm" ist oder war ihr Mann?
"Die Person", deren Enkel hier erwähnt wird, ist die Verstorbene? Wenn ja, dann sind die genannten Hinterbliebenen demnach: der Enkel, zwei Urenkel, die Schwiegertochter, die Schwester, welche sie ja pflegte, so sie jetzt noch lebt und der Neffe.
Wer kann das Grundstück erben? Der Enkel?
Wenn o.a. stimmt und der "ihm" nicht mehr lebt, ist der Enkel der nächste in der Erbfolge.
Der Enkel hat kein Interesse am Grundstück, da mit der Eigentümerschaft des Grundstückes Kosten verbunden sind (z.B. Unfallversicherung für Landwirtschaftlich nutzbare Flächen).
Kann der Enkel das Grundstück zugesprochen bekommen, ohne dass er sein Einverständnis gibt, oder muss er es aktiv ablehnen, damit es
ihm nicht zugesprochen wird?

wie bereits genannt: Der Erbberechtigte erbt, sobald der Erblasser verstirbt. Man erbt somit immer "ohne Zustimmung" und den meisten Menschen ist da recht, einige warten sogar regelrecht darauf oder achten gar zu Lebzeiten des Erblassers darauf, dass er "ihr Erbe" nicht verbraucht.

Wenn der Enkel das Erbe nicht annehmen möchte, muss er innerhalb einer bestimmten Frist das Erbe ausschlagen. Auch wenn die Frist nun ohnehin vorbei ist, hier die Info: Dann erbt der nächste in der Erbfolge. Hier die beiden Urenkel.
Was passiert mit dem Grundstück, wenn der Enkel nicht tätig wird?
Da der Enkel nicht tätig wurde, ist er Erbe. Wenn es für das Grundstück etwas zu zahlen gibt, könnten hier innerhalb der Verjährungsfristen noch Rechnungen kommen.
Wie ist die Rechtslage?
Der Erbe kann mit seinem Eigentum natürlich machen, was er will, etwa verkaufen.
Es kann auch klug sein, dass man gegeneinander zu rechnen. Ein Erbe auszuschlagen, wenn es noch geht, um eine Versicherung zu sparen, während z.B. der Verkauf ein Vielfaches einbringen würde, wäre wohl etwas undurchdacht.

Niceyard
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Re: Grundstück erben ohne Zustimmung?

Beitrag von Niceyard » 06.06.18, 12:04

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

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