Frage zu italienischem Erbrecht

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manet_monet
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Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von manet_monet »

Guten Tag,

ich habe eine Frage zum Erbrecht und welches nun in diesem Falle anzuwenden ist, bzw wie die Regelung ist.

Erblasser I ist Italiener mit Hauptwohnsitz in Deutschland. Er verstirbt in Deutschland.
Testament gibt es keines.
I war Besitzer einer Eigentumswohnung in Deutschland ohne Belastungen.
I war Kontoinhaber eines italienischen Girokontos (für Urlaub) mit geringfügigem Restbetrag.
Alleinerbe ist P.

Was muß P nun machen?
Erbschein für Deutschland? (ETW)
Erbschein für Italien? (Girokonto)

Besten Dank für eine Antwort

SusanneBerlin
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,
Alleinerbe ist P.
Woher nimmt P die Sicherheit, dass er Alleinerbe ist, wenn es weder ein Testament noch einen Erbschein gibt? I könnte Nachkommen haben von denen P nichts weiß.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von matthias. »

Es gilt hier meines Wissens deutsches Erbrecht.

Und P ist auch Deutscher oder wohnt in D?

Wobei wie gesagt, ist P wirklich einziger Erbe?


Für das Girokonto in Italien gilt auch deutsches Erbrecht, ich würd aber einfach mal dort anrufen und fragen was man machen soll. Da man eh einen Erbschein braucht, kann man den ja vielleicht hinfaxen oder falls man selber mal dort wieder hinfährt ihn vorzeigen. Vielleicht reicht das denen um das Konto aufzulösen und den Restbetrag auszuzahlen.

ktown
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von ktown »

matthias. hat geschrieben:Es gilt hier meines Wissens deutsches Erbrecht.
Auch für eine Person die keinen deutschen Pass hat?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

matthias.
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von matthias. »

NAch der "neuen" EU Erbrechtsverordnung hab ich das so verstanden.

https://www.haufe.de/recht/familien-erb ... 14070.html


Vorher galt für Italiener das italienische.
Das hätte der Erblasser hier auch haben können, wenn er ein Testament gemacht hätte. Hat er aber nicht.

ktown
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von ktown »

Wurde das
Für einen Deutschen mit letztem Wohnsitz in Italien war die Sache relativ einfach. Beide Länder knüpfen für die Anwendung des nationalen Erbrechts an die Staatsangehörigkeit an.
nach der Einführung der EU-Erbrechtsverordnung geändert?
Wenn nein, dann müsste das ja im umgekehrten Fall (Italiener mit Wohnsitz in Deutschland) ja auch gelten.
Oder?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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matthias.
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von matthias. »

S. haufe Link, das wurde IMHO so geändert.

ktown
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von ktown »

OK
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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manet_monet
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von manet_monet »

Herzlichen Dank erstmal an alle Antwortenden.

zu Alleinerbe: ja dessen ist sich selbiger sehr sicher. Er ist einzigstes Kind des Erblassers
zu Staatsbürgerschaft: Erbe P hat die deutsche Staatsbürgerschaft und Wohnsitz in D

Habe ich es dann richtig verstanden, dass gemäß folgender Regelung das deutsche Recht für den Erblasser gilt da der Wohnsitz in D war?
Gemäß Art. 21 EU-ErbVO ist der Anknüpfungspunkt in Zukunft der letzte gewöhnliche Aufenthaltsort des Erblassers.


Besten Dank

hambre
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von hambre »

Habe ich es dann richtig verstanden, dass gemäß folgender Regelung das deutsche Recht für den Erblasser gilt da der Wohnsitz in D war?
•Gemäß Art. 21 EU-ErbVO ist der Anknüpfungspunkt in Zukunft der letzte gewöhnliche Aufenthaltsort des Erblassers.
Ja, das hast Du richtig verstanden.

Und damit man auch an das Konto in Italien heran kommt, sollte in Deutschland ein europäisches Nachlasszeugnis beantragt werden und nicht ein italienischer Erbschein.

manet_monet
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von manet_monet »

Vielen herzlichen Dank.
Damit ist man einen Schritt weiter.

Abschließende Fragen:
Kann das europäische Nachlaßzeugnis von jedem Notar ausgestellt werden oder sind hierfür nur bestimmte Notare dazu befähigt?

Lt Recherche ist ein ENZ nur 6 Monate gültig, kann aber verlängert werden. Auch von diesem Notar?
Hintergrund: das Nachlaßgericht des Wohnortes des verstorbenen I hat eine aktuelle Abarbeitungszeit von mind 6 Monaten. Sollte daher erst der deutsche Erbschein und DANN der ENZ beantragt werden oder gleich den ENZ und diesen dann verlängern lassen?

Dankeschön

Jdepp
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Re: Frage zu italienischem Erbrecht

Beitrag von Jdepp »

Das Nachlasszeugnis stellt (genau wie ein Erbschein) überhaupt kein Notar aus, sondern das Nachlassgericht.

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