Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

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HansMoser79
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Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von HansMoser79 » 21.09.18, 18:20

Hallo,

ich habe einen etwas verzwickten Fall:

mein Opa will seine Tochter und seinen Sohn vom Erbe teilweise ausschließen. Konkret geht es hier um ein Depot und dessen Inhalt.

Das Depot soll in die Schweiz übertragen werden und hier den Enkeln überschrieben werden.
Der Wert liegt deutlich innerhalb dessen, was Schenkungsmäßig steuerbefreit möglich ist.

Haben bei Ableben des Opas, seine Kinder (die er Ausschließen will) noch ein Anrecht (auch teilweise) darauf?
Es gibt doch so einen prozentuale Regelung für die kommenden zehn Jahre?!!??

Also Übertrag von Depot OPA DTLD auf Depot OPA CH, und dann Übertrag auf Depot ENKEL CH.

Ist dass nachvollziehbar?
Haben seinen Kinder ein Recht auf irgendwas?
Vielen, vielen Dank.

SusanneBerlin
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von SusanneBerlin » 21.09.18, 18:36

Hallo,

der Opa kann mit seinen Wertpapieren machen was er möchte, es sind ja seine.

Falls der Erbfall innerhalb der nächsten 10 Jahre nach der Schenkung eintritt, haben die Kinder unter Umständen einen Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Beispielrechnung: Der Wert des Depots beträgt zum Zeitpunkt der Schenkung 400.000 €, Erbfall 5 Jahre später, der Opa ist im Zeitpunkt seines Versterbens nicht verheiratet, es gibt 2 Kinder die der Opa testamentarisch enterbt hat, und das Vermögen zum Todeszeitpunkt beträgt 160.000 €.

Von den 400.000€ wird die Hälfte, also 200.000€ zum Nachlass addiert, ergibt 360.000 €.

Der Pflichtteil der Kinder beträgt 40.000€ (25% von 160.000 €) pro Kind, dazu kommt der Pflichtteiergänzungsanspruch von 50.000€.

Jedes Kind kann also in dieser Beispielrechnung 90.000€ (25% von 360.000 €) von dem per Testament eingesetzten Erben verlangen.
Grüße, Susanne

HansMoser79
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von HansMoser79 » 21.09.18, 21:20

OK. Das hilft schon mal. Vielen Dank.

Wenn ich es jetzt weiterspinne:
Nach Übertrag innerhalb der Schweiz an die Enkel, wird sein Konto und Depot aufgelöst.
Dann ist doch nicht mehr nachvollziehbar wohin, wie viel geflossen ist!?!??

Jetzt bin ich zwar definitiv falsch hier beim Erbrecht aber vielleicht kennt sich ja dennoch jemand aus.

Vielen Dank

SusanneBerlin
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von SusanneBerlin » 21.09.18, 21:28

Wenn der Opa jedem Enkel 100.000€ überweist und anschließend alle Beteiligten ihre Kontoauszüge vernichten, ist es für Außenstehende auch nicht mehr nachvollziehbar, dass das Geld geflossen ist.

Die Erben sind zwar verpflichtet, auf Anfrage den Pflichtteilsberechtigten gegenüber ein Nachlassverzeichnis zu erstellen das auch erhaltene Schenkungen enthält, aber wenn die Erben unehrlich sind und falsche Angaben machen, haben Pflichtteilsberechtigte tatsächlich ein Nachweisproblem.
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von hambre » 21.09.18, 23:03

Nach Übertrag innerhalb der Schweiz an die Enkel, wird sein Konto und Depot aufgelöst.
Dann ist doch nicht mehr nachvollziehbar wohin, wie viel geflossen ist!?!??
Eine Anleitung zu Straftaten (Betrug, falsche eidesstattliche Versicherung) gibt es in diesem Forum nicht.

Wie SusanneBerlin zu der Auffassung kommt, dass das nicht nachvollziehbar wäre, kann ich nicht nachvollziehen. Selbstverständlich geben auch Schweizer Banken einem Erben Auskunft darüber, was mit dem Depotguthaben passiert ist.

SusanneBerlin
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von SusanneBerlin » 21.09.18, 23:28

hambre hat geschrieben:Wie SusanneBerlin zu der Auffassung kommt, dass das nicht nachvollziehbar wäre, kann ich nicht nachvollziehen. Selbstverständlich geben auch Schweizer Banken einem Erben Auskunft darüber, was mit dem Depotguthaben passiert ist.
Die Schilderung des TE legt nahe, dass der Opa seine Kinder enterben will ("bei Ableben des Opas, seine Kinder (die er Ausschließen will"). Als Nicht-Erben hätten die Kinder keine Auskunftsrechte gegenüber der Bank.
Grüße, Susanne

HansMoser79
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von HansMoser79 » 22.09.18, 04:27

Das ist korrekt.
DerOpa will seine Kinder enterben und die Enkel bedenken.
Heisst dass, er muss dies auch explizit im Testament erwähnen, damit sie kein Auskunftsrecht haben?

SusanneBerlin
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von SusanneBerlin » 22.09.18, 09:07

Ein Auskunfsrecht bei der Bank hat nur der Kontoinhaber und bei Versterben des Kontoinhabers, seine Erben (Bankgeheimnis). Das muss nicht extra im Testament erwähnt werden.
Grüße, Susanne

HansMoser79
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von HansMoser79 » 22.09.18, 09:12

Tut mir leid wenn ich nachfragen muss: aber die Erben sind doch seine Kinder.
In Deutschland kann man nicht "enterben".
Haben sie also ein Auskunftsrecht (obwohl sie nichts bekommen sollen)?

freemont
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von freemont » 22.09.18, 09:18

hambre hat geschrieben:
Nach Übertrag innerhalb der Schweiz an die Enkel, wird sein Konto und Depot aufgelöst.
Dann ist doch nicht mehr nachvollziehbar wohin, wie viel geflossen ist!?!??
Eine Anleitung zu Straftaten (Betrug, falsche eidesstattliche Versicherung) gibt es in diesem Forum nicht.

Wie SusanneBerlin zu der Auffassung kommt, dass das nicht nachvollziehbar wäre, kann ich nicht nachvollziehen. Selbstverständlich geben auch Schweizer Banken einem Erben Auskunft darüber, was mit dem Depotguthaben passiert ist.
Das denke ich auch.

Viele Banken sehen das mit dem Geldwäschegesetz sehr eng, enger als es das GeldWG eigentlich verlangt. Die SB beim FA können ggf. Konten einsehen.

Auslandsüberweisungen sind ab einem Betrag von 12.500 EUR generell meldepflichtig. Und Zollhunde können Bargeld riechen.

SusanneBerlin
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von SusanneBerlin » 22.09.18, 09:24

HansMoser79 hat geschrieben:Tut mir leid wenn ich nachfragen muss: aber die Erben sind doch seine Kinder.
In Deutschland kann man nicht "enterben".
Doch, kann man. Lesen Sie § 2303 BGB
Bürgerliches Gesetzbuch hat geschrieben:(1) Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen.
Diesen "Ausschluss von der Erbfolge" ist eine Enterbung. Wer von der Erbfolge ausgeschlossen ist, aber seinen Pflichtteil geltend macht, ist kein Erbe.
HansMoser79 hat geschrieben: Haben sie also ein Auskunftsrecht (obwohl sie nichts bekommen sollen)?
Es bleibt dabei, dass wer kein Erbe ist, von der Bank keine Auskunft bekommt.
Grüße, Susanne

HansMoser79
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von HansMoser79 » 22.09.18, 11:18

Jetzt hab ich gerafft. Vielen Dank.

Der richtige Weg ist also sie testamentarisch auszuschließen auszuschließen und sie nur noch zu "Pflichtteilsempfängern" zu degradieren. Dann haben sie auch kein Auskunftsrecht mehr.

Herzlichen Dank und beste Grüße

Jim Panse
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von Jim Panse » 22.09.18, 19:20

Das stimmt so nicht. Die Pflichtteilsberechtigten können immer Auskunftsansprüche gegen die Erben geltend machen, § 2314 BGB.

Gruß
JP
in dubio pro leo!

RGSilberer
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von RGSilberer » 24.09.18, 09:55

Jim Panse hat geschrieben:Das stimmt so nicht. Die Pflichtteilsberechtigten können immer Auskunftsansprüche gegen die Erben geltend machen, § 2314 BGB.

Gruß
JP
Es ging doch um Auskunftsansprüche gegenüber der BANK!

hambre
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Re: Depotverlagerung ins Ausland - normale Erbfolge?

Beitrag von hambre » 24.09.18, 11:08

Die Pflichtteilsberechtigten können immer Auskunftsansprüche gegen die Erben geltend machen, § 2314 BGB.
Richtig und die Pflichtteilsberechtigten können auch verlangen, dass die Erben ihre Angaben eidesstattlich versichern.

Die Erben mögen sich daher darüber im Klaren sein, dass sie Straftaten (Betrug, falsche eidesstattliche Versicherung) begehen, wenn sie das Depot verschweigen. Ist es das wert? Dass der Großvater dabei seine Enkel auch noch zu diesen Straftaten anstiftet halte ich für sehr bedenklich. Er macht es sich dabei einfach, denn er selbst muss nach seinem Tod keine Strafe befürchten. Außerdem richten sich diese Straftaten auch noch gegen die eigenen Eltern, aber wie heißt es doch so schön: "Gier frisst Hirn".

@SusanneBerlin
Ich bin sehr erstaunt darüber, dass Du meinen Hinweis, dass in diesem Forum keine Anleitung zu Straftaten gegeben werden ignoriert hast.
Der Großvater will offenbar nicht nur seine Kinder enterben, sondern ihnen auch noch einen wesentlichen Teil des Pflichtteils entziehen. Zur Umsetzung dieses Plans will er offenbar die Enkel zu Straftaten anleiten. Du hast nunmehr dazu beigetragen, dass ein möglicher Stolperstein bei der Begehung dieser Straftaten beiseite geschoben werden kann.

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