Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

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Tevi
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Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von Tevi » 15.03.19, 08:42

Person A möchte zu Lebzeiten ein Haus an den Sohn verkaufen , allerdings zu einem vergünstigten Preis.
Person A hat kein Gutachten über den Wert des Hauses und möchte vom Sohn Betrag xxxx haben .
Betrag xxx liegt allerdings ca. 35 % unter dem evtl. Wert des Hauses. (Bekannter ist Makler )
Wie verhält es sich im Erbfall.
Können andere Pflichteilsberechtige dann eine Aufrechnung vom Sohn verlangen .
Gibt es eine Freigrenze das Person A an den Sohn günstiger verkaufen kann , als an fremde Persoen.
Oder muss die Differenz im Erbfall über Pflichtteilergänzungsanspruch ausgeglichen werden .?
Wer kann Info`s geben .

SusanneBerlin
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von SusanneBerlin » 15.03.19, 08:56

Hallo,
Person A möchte zu Lebzeiten ein Haus an den Sohn verkaufen , allerdings zu einem vergünstigten Preis.
Natürlich zu Lebzeiten, ein Toter kann kein Haus verkaufen.
Können andere Pflichteilsberechtige dann eine Aufrechnung vom Sohn verlangen .
Nein.
Gibt es eine Freigrenze das Person A an den Sohn günstiger verkaufen kann , als an fremde Persoen.
A kann sein Haus auch ganz verschenken, ohne Gegenleistung. In der Bewertung, ob das Haus günstiger verkauft wurde d.h. dass eine gemischte Schenkung vorliegt, spielt es keine Rolle ob es sich um ein Kind des Schenkers handelt oder um einen Fremden..
Oder muss die Differenz im Erbfall über Pflichtteilergänzungsanspruch ausgeglichen werden .?
Wenn sich ein Anspruch auf Pflichtteilergänzung ergibt, können die Pflichtteilberechtigten die Ergänzung verlangen, ja.

P.S. Sie haben den Beitrag versehentlich 2x gepostet. Bitte löschen Sie den 2. thread.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von matthias. » 15.03.19, 09:07

Der Anteil um den das Haus günstiger verkauft wird, gilt als Schenkung.


Im übrigen nur mal so, bringt Verkaufen ja auch nichts um andere Erben auszubooten, ausser man verjubelt die Kohle dann.
Das Vermögen bleibt ja gleich, egal ob es in Immobilien steckt oder auf dem Bankkonto.

hambre
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von hambre » 15.03.19, 09:32

Betrag xxx liegt allerdings ca. 35 % unter dem evtl. Wert des Hauses.
Diese 35% gelten als Schenkung. In direktem zeitlichen Zusammenhang mit dem Verkauf können andere Pflichtteilsberechtigte keine Ansprüche geltend machen.

Falls Person A in weniger als 10 Jahren verstirbt, so kommen jedoch Pflichtteilergänzungsansprüche in Betracht. Damit derartige Ansprüche rechnerisch entstehen können muss der verbleibende Nachlass von Person A aber geringer sein als der Schenkungsanteil beim Verkauf.

Wenn Person A kein Testament macht oder gemacht hat, dann kommen aber auch Ausgleichsansprüche nach § 2050 BGB in Betracht. In dem Fall müsste der Schenkungsanteil im Rahmen der Erbschaft in vollem Umfang ausgeglichen werden.

Ohne Testament können derartige Ausgleichsansprüche aber auch dadurch verhindert werden, dass im Kaufvertrag vereinbart wird, dass der Schenkungsanteil nicht ausgleichungspflichtig ist. Wenn andersherum Person A wünscht, dass eine Ausgleichung erfolgen soll, dann kann das auch klarstellend in den Kaufvertrag aufgenommen werden. Insgesamt empfiehlt sich eine entsprechende Klausel im Kaufvertrag um spätere Streitigkeiten, ob der Schenkungsanteil ausgleichungspflichtig ist oder nicht zu vermeiden.

Tevi
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von Tevi » 29.04.19, 07:24

Person A ist Alleinerbe ( Testament )
Wäre auch dann ein KLausel im Kaufvertrag bindet , das vom Erblasser die Schenkung (35%) als nicht ausgleichspflichtig gewünscht wird.

Wann genau tritt dieser Pflichteilergänzungsanspruch in Kraft

SusanneBerlin
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von SusanneBerlin » 29.04.19, 08:00

Der Pflichtteilergänzungsanspruch lässt sich nicht durch eine Bestimmung im Testament aushebeln.
Wann genau tritt dieser Pflichteilergänzungsanspruch in Kraft
Im Erbfall. D.h. wenn der Schenker stirbt.
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Vergünstigter Hausverkauf / Pflichtteilergänzung ?

Beitrag von hambre » 29.04.19, 08:16

Wäre auch dann ein KLausel im Kaufvertrag bindet , das vom Erblasser die Schenkung (35%) als nicht ausgleichspflichtig gewünscht wird.
Wenn der Käufer gleichzeitig testamentarischer Alleinerbe ist, dann ist eine solche Klausel überflüssig. Die Klausel gilt nur für den Fall, dass kein Testament vorhanden ist.
Wann genau tritt dieser Pflichteilergänzungsanspruch in Kraft
Der Pflichtteilergänzungsanspruch tritt im Erbfall, d.h. bei Tod des Schenkers in Kraft. Rechnerisch entsteht so ein Anspruch aber nur dann, wenn die Schenkung größer war als das zum Todeszeitpunkt des Schenkers noch vorhandene Vermögen. Da hier der Schenker ja 65% des Verkehrswertes als Kaufpreis erhält und nur 35% als Schenkung gelten müsste der Schenker schon nahezu die Hälfte des Kaufpreises für eigene Zwecke verbraucht haben, damit überhaupt ein Pflichtteilergänzungsanspruch entstehen kann.

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