Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

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Tevi
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Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Tevi » 26.03.19, 13:48

Ehepaar A+B haben ein gemeinsames Haus und im Testament sich gegenseitig als Alleinerbe eingesetzt.
Das Haus haben beide zusammen gebaut , allerdings lief es lange Jahre nur auf den Namen des Mannes ( wegen Schulden der Frau, welche nun beglichen sind . )
Seid 12 Jahren ist das Haus nun im Grundbuch umgeschrieben worden , auf Eheleute
Ehepaar hat 2 Kinder.
Im Testament gibt es eine Klausel , die besagt , wenn 1 Kind sich nach dem Tode des erst verstorben Elternteil sein Pflichteil ausbezahlt haben will, so erhält er auch nach dem Tode des letztverstorbenen Elternteil auch nur den Pflichtteil.
Nun tritt der Todesfall des Ehemanns ein .
Wie verhält es sich mit dieser 10 Jahre -Schenkungsfrist.
Kind A verlangt seinen Pflichtteil, wie genau wird der berechnet?

matthias.
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von matthias. » 26.03.19, 14:00

In meinen Augen gibt es hier keine Schenkung. Das Haus wurde zusammen angeschafft, es wurde zusammen finanziert und bezahlt.
Der Mann hat der Frau das halbe Haus nicht geschenkt, auch wenn er vorher allein im Grundbuch stand.

Zumal wenn das Haus in der Ehe angeschafft und bezahlt wurde, es ja auch bei einer Scheidung in den Zugewinnausgleich rein geht. Also auch da würde der Frau die Hölfte des Hauses zustehen, egal ob sie im Grundbuch steht oder nicht.

Also nach meiner Meinnung ist der Pflichtteil 1/16 vom Wert des Hausses (plus natürlich 1/8 vom Wert des restlichen Vermögens des Mannes).

Du Mutter erbt gesetzlich von der Hälfte des Hauses die dem Mann gehört die Hälfte, also 1/4. 1/4 würde auf die 2 Kinder aufgeteilt also jeder 1/8. Das Pflichtteil ist davon wieder die Hälfte also 1/16.

Vom restlichen Vermögen 1/8, weil es da ja nicht um halbe Sachen geht :christmas

Tevi
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Tevi » 26.03.19, 14:12

Hallo,
Ja, das Haus wurde während der Ehe gebaut und bezahlt .


Restliches Vermögen 1/8 , nur von dem des Mannes ?
oder Eheleute?

alana4
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von alana4 » 26.03.19, 14:38

Tevi hat geschrieben:

Restliches Vermögen 1/8 , nur von dem des Mannes ?
oder Eheleute?
des Mannes, denn es steht nur das zur Debatte, was dieser hinterlässt.

SusanneBerlin
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von SusanneBerlin » 26.03.19, 15:10

Tevi hat geschrieben:Hallo,
Ja, das Haus wurde während der Ehe gebaut und bezahlt .


Restliches Vermögen 1/8 , nur von dem des Mannes ?
oder Eheleute?
Nur von dem Vermögen des Mannes!
Die Frau lebt doch noch!
Wie komnt man auf die Idee, dass die Ehefrau den Kindern Teile ihres Vermögens abgeben muss wenn der Mann stirbt?

Erst sterben, dann erben!
Grüße, Susanne

Tevi
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Tevi » 26.03.19, 20:39

Was ist denn dann eine Schenkung unter Ehegatten , wo ein Pflichteilergänzungsanspruch Anrechnung findet?

SusanneBerlin
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von SusanneBerlin » 26.03.19, 21:08

Eine Schenkung unter Ehegatten ist z.B. wenn ein Ehepartner zu Lebzeiten dem anderen Ehegatten eine große Geldsumme schenkt oder einen Anteil an einer Immobilie überträgt. Im Erbfall, also wenn der Schenker können daraus Pflichtteilsergänzungsansprüche für die gesetzlichen Erben entstehen.

Man zählt alle Schenkungen der letzten 10 Jahre und die Erbmasse zusamnen, und wenn der Pflichtteil der sich daraus ergibt, weniger ist als der Erbteil, dann hat der Erbe einen Ergänzungsanspruch. Auch die enterbten Pflichtteilberechtigten haben einen Pflichtteilergänzungsanspruch.
Grüße, Susanne

Smuthjk
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Smuthjk » 26.03.19, 22:08

matthias. hat geschrieben:In meinen Augen gibt es hier keine Schenkung. Das Haus wurde zusammen angeschafft, es wurde zusammen finanziert und bezahlt.
Der Mann hat der Frau das halbe Haus nicht geschenkt, auch wenn er vorher allein im Grundbuch stand.

Zumal wenn das Haus in der Ehe angeschafft und bezahlt wurde, es ja auch bei einer Scheidung in den Zugewinnausgleich rein geht. Also auch da würde der Frau die Hölfte des Hauses zustehen, egal ob sie im Grundbuch steht oder nicht.

Also nach meiner Meinnung ist der Pflichtteil 1/16 vom Wert des Hausses (plus natürlich 1/8 vom Wert des restlichen Vermögens des Mannes).

Du Mutter erbt gesetzlich von der Hälfte des Hauses die dem Mann gehört die Hälfte, also 1/4. 1/4 würde auf die 2 Kinder aufgeteilt also jeder 1/8. Das Pflichtteil ist davon wieder die Hälfte also 1/16.

Vom restlichen Vermögen 1/8, weil es da ja nicht um halbe Sachen geht :christmas

Es ist hoch interessant, ich mache mal ein Beispiel, vielleicht kann jemand aufzeigen was wer bekommt im Erbfall,
also in diesem Fall Mutter, Kinder ...
Hauswert 300.000 Euro, restliches Vermögen: 165.000 Euro
Wie sieht also die Berechnung aus im fiktiven Fall?

SusanneBerlin
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von SusanneBerlin » 26.03.19, 22:40

Smuthjk hat geschrieben:Hauswert 300.000 Euro, restliches Vermögen: 165.000 Euro
Soll es jetzt um den Fall gehen, dass der Vater stirbt, der Vater hatte ein Haus und 165.000 auf der Bank?

Dann gehört die Immobilie der Erbengemeinschaft (Mutter und Kinder) und das Geld wird geteilt. Wenn die Eltern in Zugewinngemeinschaft gelebt haben, bekommt die Witwe die Hälfte und die Kinder bekommen die andere Hälfte. Den Rest macht der Taschenrechner bzw. das handy.
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von hambre » 27.03.19, 00:21

matthias hat geschrieben:In meinen Augen gibt es hier keine Schenkung.
Was sollte es sonst sein, wenn nicht eine Schenkung? Denn das hier
Tevi hat geschrieben:Das Haus haben beide zusammen gebaut , allerdings lief es lange Jahre nur auf den Namen des Mannes ( wegen Schulden der Frau, welche nun beglichen sind . )
heißt doch wohl, dass sich die Frau vielleicht mit ihrer Arbeitskraft am Haus beteiligt hat, aber nicht finanziell, oder?
SusanneBerlin hat geschrieben:Man zählt alle Schenkungen der letzten 10 Jahre und die Erbmasse zusamnen
Bei Schenkungen zwischen Ehegatten gilt die 10-Jahresfrist nicht.
matthias hat geschrieben:Du Mutter erbt gesetzlich von der Hälfte des Hauses die dem Mann gehört die Hälfte, also 1/4. 1/4 würde auf die 2 Kinder aufgeteilt also jeder 1/8. Das Pflichtteil ist davon wieder die Hälfte also 1/16.

Vom restlichen Vermögen 1/8, weil es da ja nicht um halbe Sachen geht
Genau und zusätzlich noch einen Pflichtteilergänzungsanspruch in Höhe von 1/8 des Wertes des übertragenen Hausanteils.

Smuthjk
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Smuthjk » 27.03.19, 01:51

SusanneBerlin hat geschrieben:
Smuthjk hat geschrieben:Hauswert 300.000 Euro, restliches Vermögen: 165.000 Euro
Soll es jetzt um den Fall gehen, dass der Vater stirbt, der Vater hatte ein Haus und 165.000 auf der Bank?

Dann gehört die Immobilie der Erbengemeinschaft (Mutter und Kinder) und das Geld wird geteilt. Wenn die Eltern in Zugewinngemeinschaft gelebt haben, bekommt die Witwe die Hälfte und die Kinder bekommen die andere Hälfte. Den Rest macht der Taschenrechner bzw. das handy.
Zur Möglichkeit Erbengemeinschaft:
465.000 / 3 = 155.000 Euro für jeden

Zum Zugewinn:
Witwe 465.000 / 2 = 232.500 Euro
Kinder (2 Stück): 465.000 / 2 /2= 116.250 Euro je Kind (2x)

Sind die Rechnungen so korrekt? Ist das noch im Rahmen der Freibeträge?

Was passiert eigentlich wenn Hauswert + restliches Vermögen
900.000 und 800.000 Euro betragen würde, dann würde
ja der Freibetrag überschritten?

Tevi
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Tevi » 27.03.19, 06:40

ES ging um folgende Grundfrage:

Gilt diese Übertragung im Grundbuch als Schenkung unter Ehepartnern, bzgl. der 10 Jahresfrist und besonders der Berechnung der Pflichtteilergänzungsansprüche der Kinder gegen die Mutter.

Bespiel Haus Wert : 250.000 Euro ( also nicht über Freibetrag , Bar.5000 )

Da der Mutter ja laut Grundbucheintrag die Hälfte des Hauses gehört.

Und das soll bei der Berechnung der Pflichtteilsergänzungsansprüche wegfallen ??

Tevi
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von Tevi » 27.03.19, 06:44

und wieso Erbengemeinschaft ?
Laut Testament haben die Ehepartner sich gegenseitig als Alleinerbe eingesetzt.
Mit der Klausel für die Kinder ,wenn diese das Erbe des Vaters vor dem Tode des zuletzt verstorbenen Elternteil einfodern .

Wonach wird denn jetzt berechnet ?

hambre
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von hambre » 27.03.19, 08:29

[quote=“Smuthjk“]Sind die Rechnungen so korrekt?[/quote]

Nein, natürlich nicht. Es ist auch völlig unklar, wie Du auf solche Berechnungen kommst.

[quote=„Smuthjk“]Was passiert eigentlich wenn Hauswert + restliches Vermögen
900.000 und 800.000 Euro betragen würde, dann würde
ja der Freibetrag überschritten?[/quote]

Dann fällt Erbschaftsteuer an. An den Erbansprüchen ändert das allerdings nichts.

SusanneBerlin
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Re: Wie wird der Pflichtteil in diesem Fall berechnet

Beitrag von SusanneBerlin » 27.03.19, 08:33

Tevi hat geschrieben:ES ging um folgende Grundfrage:

Gilt diese Übertragung im Grundbuch als Schenkung unter Ehepartnern,
Meiner Meinung nach Ja.
bzgl. der 10 Jahresfrist
Bei Schenkungen zwischen Ebegatten beginnt die 10-Jahresfrist nicht zu laufen, d.h. es zählen alle Schenkungen, die der Erblasser dem anderen Ehegatten gemacht hat auch wenn es länger als 10 Jahre her ist..
und besonders der Berechnung der Pflichtteilergänzungsansprüche der Kinder gegen die Mutter.

Bespiel Haus Wert : 250.000 Euro ( also nicht über Freibetrag , Bar.5000 )
Was ist mit dem Barbetrag, wurde der ebenfalls verschenkt oder ist das das Barvermögen am Todestag des Erblassers?

Freibeträge gibt es bei der Erbschaftssteuer, haben also Auswirkung darauf, wie hoch die Erbschaftssteuer ist die man zahlen muss. Für die Berechnung der Pflichtteilsansprüche und Pflichtteilsansprüche spielt der Erbschaftssteuer-Freibetrag keine Rolle.
Da der Mutter ja laut Grundbucheintrag die Hälfte des Hauses gehört.
Und ihr diese Hälfte des Hauses vom Erblasser während der Ehe geschenkt wurde.
Und das soll bei der Berechnung der Pflichtteilsergänzungsansprüche wegfallen ??
Es fällt ja auch nicht weg.

Aber wenn man den Pflichtteilergänzungsanspruch von Kind A berechnen will, muss man auch sämtliche anderen größeren Schenkungen wissen, die der Vater in den letzten 10 Jahren gemacht hat. Insbesondere Schenkung an Kind A sind interessant, sie werden Kind A nämlich auf den Pflichtteilergänzungsanspruch angerechnet.
Aber auch wenn Kind B in den letzten 10 Jahren eine Schenkung vom Vater erhalten hat, hat dies Auswirkungen auf den Pflichtteilergänzungsanspruch von Kind A.
Tevi hat geschrieben:und wieso Erbengemeinschaft ?
Das war eine Antwort auf die Frage von Smuthjk und ist für Ihren Fall unbeachtlich.
Tevi hat geschrieben:Wonach wird denn jetzt berechnet ?
Man kann erst anfangen zu rechnen, wenn außer der Übertragung der Haushälfte, auch die anderen Schenkungen der letzten 10 Jahre bekannt sind.
Grüße, Susanne

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