Kündigungen

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Gugleo
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Kündigungen

Beitrag von Gugleo » 05.05.19, 07:19

Hallo,
es ist mir nicht klar wo ich meine Fragen stellen könnte, versuche es hier:
Es ist ein Sterbefall eingetreten. Der Verstorbene hatte keine Ehefrau, keine Kinder, keine lebenden Eltern - nur einen Bruder. Dieser wird wahrscheinlich als Erbe anerkannt werden (es ist kein Testament bekannt) aber das dauert. De Verstorbene wird keine Rentenzahlungen mehr erhalten aber es werden alle Kosten weiuter gezahlt werden müssen. Es ist schon schwierig herauszufinden was alles gezahlt werden muss, was alles gekündigt werden muss. Auch die Wohnung müsste gekündigt werden. Die Frage ist : 1. Kann der Bruder diese Kündigungen aussprechen auch wenn er noch keinen Erbschein hat? 2. Wie kann er überhaupt erfahren welche Zahlungen zu machen sind / Verträge existieren? 3. Wie kann er herausfinden welche Konten, Versicherungen usw. wo Geldwerte sein könnten in Erfahrung bringen (die Bank mit dem Girokonto gibt - natürlich - vorerst keinerlei Auskunft)
Der Verstorbene war aussc hließlich Detscher, der Bruder ist EU-Ausländer und der deutschen Spreche nicht mächtig. Die Sterbeurkunde liegt vor, Die Angelegenheit ist beim Nachlassgericht eingeleitet (bereits durch das Krankenhaus im dem der Tod eintrat).
Vielen Dank.

SusanneBerlin
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Re: Kündigungen

Beitrag von SusanneBerlin » 05.05.19, 09:05

Hallo,
2. Wie kann er überhaupt erfahren welche Zahlungen zu machen sind / Verträge existieren? 3. Wie kann er herausfinden welche Konten, Versicherungen usw. wo Geldwerte sein könnten in Erfahrung bringen
Da muss man sich eben die Unterlagen in der Wohnung des Verstorbenen angucken.

Einige Versicherungsverträge enden sowieso mit dem Tod, diese Versicherungen muss man nicht kündigen, denen kann man die Sterbeurkunde schicken auch wenn man noch keinen Erbschein hat. Nach dem Tod abgebuchte Beiträge erhält der Erbe zurück. Solche Versicherungen, die mit dem Tod enden, sind z.B.: Krankenversicherung, Krankenzusatzversicherungen, Unfallversicherung, Privathaftpflicht, Rechtsschutzversicherung, natürlich die Lebensversicherung.

Sämtliche Mitgliedschaften enden mit dem Tod, z.B. Vereinsmitgliedschaften.

Die Wohnungskündigung ohne Erbschein ist ein schwieriges Feld, weil der Vermieter sich Haftungsfragen aussetzt wenn er mit einem angeblichen Erben Vereinbarungen trifft und später doch jemand anders der Erbe ist. Am besten man setzt sich mit dem Vermieter in Verbindung und bespricht mit ihm, wie der Fall gehandhabt wird.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 05.05.19, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Kündigungen

Beitrag von FM » 05.05.19, 09:12

Es gibt verschiedene Wege, die Haftung als Erbe zu beschränken, alle aufzuzählen würde zu weit führen. In Bezug auf die Frage wie man überhaupt etwas erfahren kann, wäre das Aufgebotsverfahren geeignet (§ 1973 BGB). Wirklich vollständig wird das Ergebnis aber auch nicht sein, denn:
1. Nicht jeder liest den Bundesanzeiger
2. Nicht angemeldete Forderungen erlöschen trotzdem nicht
3. Eine Kündigung von dauerhaften Verträgen folgt daraus nicht
4. Vermögenswerte des Verstorbenen sind nicht erfasst.

Man wird wohl die Unterlagen des Verstorbenen durchgehen müssen, am meisten Erfolg dürften die Kontoauszüge bringen.

Wenn der Erbe kein Deutsch kann, wird er schon für diese Ermittlung Hilfe brauchen, erst recht aber für die anstehenden Entscheidungen (z.B. zur Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft, aber auch zu einzelnen Verträgen und Kündigungsmöglichkeiten und zur Duchsetzung von Forderungen). Dazu wäre ein Rechtsanwalt zu beauftragen. Da es aber um viele einzelne Sachen gehen kann, sollte man die Kosten genau klären.

Gugleo
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Re: Kündigungen

Beitrag von Gugleo » 07.05.19, 19:00

Vielen herzlichen Dank, wir werden die Wohnung gründlich durchsuchen. Ich werde dem Bruder beistehen mit meinem Deutsch. Entscheidungen muss er selber fällen ist er doch Prof. Dr. xxx, so dass er verstehen sollte was er tut. Das Erbe wird angenommen, denn der Bruder war sparsam und hat sicher keine Schulden. Ich gehe davon aus, dass das Nachlassgericht irgendwann eine Aufstellung der Vermögenswerte verlangen wird. Man wird alles, außer Kontostände, nennen können. Kontoauszüge sind nicht zu finden. Der Mann scheint übermäßig vorsichtig gewesen zu sein. Er hat sicher keine online-Überweisungen getätigt (alles händisch) und Kontoauszüge wahrscheinlich am Automaten abgeholt und sofort vernichtet. Ja, man kann sich nur wundern was es für Menschen gibt. Auf jeden Fall, vielen Dank.

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Re: Kündigungen

Beitrag von lottchen » 07.05.19, 20:38

Der Vermieter hat normalerweise ein Interesse daran, (weiterhin) Miete für seine Wohnung zu bekommen. Der ist froh, wenn er einen Ansprechpartner hat und sich jemand findet, der die Wohnung räumt und übergibt. Und er neu vermieten kann. Wenn der Bruder kündigt und eine Kopie der Sterbeurkunde mitschickt sollte das normal reichen. Einfach probieren.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

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Re: Kündigungen

Beitrag von matthias. » 08.05.19, 12:02

Gugleo hat geschrieben:Ich gehe davon aus, dass das Nachlassgericht irgendwann eine Aufstellung der Vermögenswerte verlangen wird.
Eigentlich nicht.

CruNCC
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Re: Kündigungen

Beitrag von CruNCC » 08.05.19, 12:10

Das Erbe wird angenommen
Das Erbe gilt "automatisch" als angenommen, wenn die Erbschaft nicht frist- und formgerecht ausgeschlagen wird.
Ich gehe davon aus, dass das Nachlassgericht irgendwann eine Aufstellung der Vermögenswerte verlangen wird.
Wenn kein Testament vorhanden ist, wird das NG nicht von Amts wegen tätig.

SusanneBerlin
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Re: Kündigungen

Beitrag von SusanneBerlin » 08.05.19, 13:11

Ich gehe davon aus, dass das Nachlassgericht irgendwann eine Aufstellung der Vermögenswerte verlangen wird.
Nur wenn jemand ein Testament abgibt oder einen Erbschein beantragt.

Die Aufforderung, die Höhe des Nachlassvermögens bekanntzugeben, richtet sich an den Erben.

Jemand der das Erbe ausgeschlagen hat, muss keine Vermögenswerte eruieren und beibringen.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Kündigungen

Beitrag von FM » 08.05.19, 13:22

Gugleo hat geschrieben: Kontoauszüge sind nicht zu finden. Der Mann scheint übermäßig vorsichtig gewesen zu sein. Er hat sicher keine online-Überweisungen getätigt (alles händisch) und Kontoauszüge wahrscheinlich am Automaten abgeholt und sofort vernichtet. Ja, man kann sich nur wundern was es für Menschen gibt. Auf jeden Fall, vielen Dank.
Wenn man wenigstens weiß welche Bank, kann man dort Kopien bekommen, meist aber gegen Bezahlung. Aber eine Kundenkarte muss ja da sein, wenn er Auszüge am Automaten holte.

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