Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

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GLu
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Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 30.07.19, 10:05

Hallo,

da die Suchfunktion zu diesem Thema als letzten Beitrag einen aus 2005 bringt,
und Gesetze sich auch schon mal ändern. Daher die

Frage:

Es besteht ein gemeinschaftliches Testament. Ist dies automatisch außer Kraft,
sobald eine Partei einen Scheidungsantrag stellt ?

GLu


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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 30.07.19, 10:52

Danke

GLu
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 30.07.19, 18:14

Also jetzt bin ich doch neugierig geworden.

1. Im Testament setzen sich A und B gegenseitig zum Alleinerben ein.

2. Aus dem Text des Testaments geht nicht hervor, daß

a) A und B verheiratet sind, sein oder bleiben müssen (beide tragen ihren Geburtsnamen
und werden im Text auch nur mit ihren Namen benannt)

b) eine Ehe (bestehend oder nicht) als Voraussetzung für das Testament genannt wird.
Das Wort "Eheleute" kommt nicht vor.

Träte nun ein Todesfall ein, ändern sich (aus meiner laienhaften Sicht) die Voraussetzung
für die Durchführung des letzten Willens solange nicht, solange dieses Testament nicht
jeweils widerrufen bzw. durch ein neues ersetzt wird. Oder können/dürfen Fremde kein
gemeinschaftliches Testament verfassen ?


Auswirkungen (meiner laienhaften Meinung nach) hätte eine Scheidung zwischen beiden,
bzw. die Zustellung eines S-Antrags, nur rein steuerlich (Freibetrag).

Was sieht der Gesetzgeber also vor ? Bleibt der "letzte Wille" als solcher erhalten ?
Sucht der Gesetzgeber nach sonstigen Erben im Familienkreis ? Gilt das Testament
als solches nicht oder nicht mehr ?

CruNCC
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von CruNCC » 30.07.19, 19:10

Oder können/dürfen Fremde kein gemeinschaftliches Testament verfassen ?
Richtig, nur Ehegatten können ein gemeinschaftliches Testament verfassen.

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2265.html
Bleibt der "letzte Wille" als solcher erhalten ?
Es steht doch in dem bereits zitierten § 2077 BGB, wann ein gemeinschaftliches Testament unwirksam ist.

GLu
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 30.07.19, 21:44

CruNCC hat geschrieben:
30.07.19, 19:10
Es steht doch in dem bereits zitierten § ...
Danke für den Hinweis ! Nicht vergessen: nicht alle Menschen sind Juristen !
Oder wissen Sie was ich meine, wenn ich einen Film "plus 4" entwickeln lasse ?
Nicht alle Menschen sind Profifotografen ! (hab' ich nicht vergessen)

Grüße 8)

SusanneBerlin
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von SusanneBerlin » 30.07.19, 21:44

Was sieht der Gesetzgeber also vor ? Bleibt der "letzte Wille" als solcher erhalten ?
Normalerweise Nein, aber im Einzelfall könnte die
Antwort auch Ja lauten (je nach inhaltlicher Ausgestaltung der letztwilligen Verfügung und mutmaßlichem Willen des Erblassers).
Sucht der Gesetzgeber nach sonstigen Erben im Familienkreis ?
Der Gesetzgeber sowieso nicht. Wenn dann interessiert sich das Nachlassgericht dafür, wer Erbe wird. Und zwar dann, wenn jemand einen Antrag auf Erbscheinerteilung einreicht.
Grüße, Susanne

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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 31.07.19, 20:43

SusanneBerlin hat geschrieben:
30.07.19, 21:44
Wenn dann interessiert sich das Nachlassgericht dafür, wer Erbe wird.
Und zwar dann, wenn jemand einen Antrag auf Erbscheinerteilung einreicht.
Und was, wenn einer stirbt und Keiner Muh oder Mäh sagt ?
Schon weil keiner der Erbscheinerteilungs-Anwärter überhaupt
erfährt, daß er einen Antrag stellen könnte (weil er viel zu
weit weg wohnt und/oder seit Jahrhunderten keinen Kontakt
mehr mit dem Erblasser hatte ? Tierheim ? Caritas ? Gemeinde ?

SusanneBerlin
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von SusanneBerlin » 31.07.19, 21:50

Wenn keiner einen Erbschein beantragt, dann passiert einfach weiter nichts.
GLu hat geschrieben: Tierheim ? Caritas ? Gemeinde ?
Nein, nein, nein (prell prell, prell).
Grüße, Susanne

GLu
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 01.08.19, 08:43

SusanneBerlin hat geschrieben:
31.07.19, 21:50
Wenn keiner einen Erbschein beantragt, dann passiert einfach weiter nichts.
OK, das ist jetzt zwar "akademisch", soll aber vorkommen:

Als nächstes will die Gemeinde Gebühren für Wasser, Abwasser
und Grundsteuer ... vierteljährlich ... von wem ? Was passiert
dann ?

matthias.
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von matthias. » 01.08.19, 08:56

Es kommt halt darauf an wie die Sache am Schluss abläuft.

Wenn jemand stirbt der evtl. nur sehr weit entfernte Verwandte hat die davon nichts mitbekommen.

Entweder ist dann jemand da der nicht verwandt ist und nicht erbberechtigt, der sich um die Beerdigung kümmert/bezahlt, und
der evtl. auch den Besitz der Sachen übernnimmt. Dann wartet der evtl. bis sich mal irgendwer meldet. Zumindest
theoretisch möglich. Kein Amt kümmer sich darum wenn mal die Beerdigung bezahlt ist sind alle froh mit der Sache nichts
zu tun zu haben.

Stirbt jemand und niemand kümmert sich um die Beerdigung, dann wird die Stadt aktiv, sie muss erstmal die Beerdigung
organisieren und bezahlen, sie sucht Erben, weil sie will das Geld für die Beerdigung von denen zurück. Evtl. wird
dann auch ein Nachhlasspfleger eingesetzt.

Was hier immer etwas bitter aufstösst, ist der Staat würde sich Erbschaften unter den Nagel reissen und wäre da ganz geil
drauf. Das absolute Gegenteil ist der Fall, in den allermeisten Fällen bleiben nämlich nur Schulden und Ärger
mit baufälligen Häusern u.ae.. Deswegen ist die Stadt um keinen Fall froh den sie da bearbeiten muss.
Man sollte nicht immer nur böse vom Staat denken.

GLu
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von GLu » 01.08.19, 16:54

matthias. hat geschrieben:
01.08.19, 08:56
Man sollte nicht immer nur böse vom Staat denken.
Hatte ich gar nicht vor. Mir wurde erst durch die Hinweise hier bewußt, daß
das verfasste "gemeinschaftliche" Testament seit Eingang des Scheidungs-
antrags Schall und Rauch ist. Daher meine Frage "was passiert weiter ?"

Weshalb ich auch mittlerweile ein neues, gültiges Testament verfasst habe.

Ich war der Meinung, daß ein gemeinschaftlich verfasstes T auch genauso
nur gemeinschaftlich geändert werden kann. Sicher hätte ein Richter im
Scheidungsverfahren beide Partner darauf hingewiesen. Daß alleine schon
der Eingang des (Sch)Antrags ein Testament außer Kraft setzen kann hat mich
verblüfft.

Zumindest hätten die jeweiligen Anwälte ihre Klienten darauf hinweisen sollen ?!
In meinem Falle geschah dies nicht ... und ich hatte zwei beratende RAs.

SusanneBerlin
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von SusanneBerlin » 04.08.19, 07:58

GLu hat geschrieben: Ich war der Meinung, daß ein gemeinschaftlich verfasstes T auch genauso
nur gemeinschaftlich geändert werden kann.
Solange beide Ehepartner leben, kann jeder der beiden (alleine!) das gemeinsame T widerrufen. Der Widerruf muss notariell beurkundet und dem anderen Ehepartner zur Kenntnis gebracht werden. (§§ 2271, 2296 BGB)
Grüße, Susanne

SusanneBerlin
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Re: Gemeinsames Testament - Scheidungsantrag

Beitrag von SusanneBerlin » 04.08.19, 10:16

GLu hat geschrieben:Sicher hätte ein Richter im
Scheidungsverfahren beide Partner darauf hingewiesen.
Nein, der Scheidungsrichter muss und darf die Parteien nicht darauf hinweisen, welche erbrechtlichen Folgen die Scheidung nach sich zieht. Oder auch die Auswirkung einer Scheidung auf andere Rechtsgebiete, beispielsweise versicherungsrechtliche, rentenrechtliche, steuerrechtliche Folgen. Auch darüber wird Sie der Richter im Termin nicht belehren. Rechtsberatung bekommen Sie von einem Anwalt. Richter haben über die ins Verfahren eingebrachten Anträge zu entscheiden, das Geben von Hinweisen welche Rechtsfolgen das Gerichtsverfahren nach seinem Abschluss auslösen wird, ist nicht die Aufgabe des Richters.
Grüße, Susanne

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