Ermittlung Zugewinnausgleich

Moderator: FDR-Team

Antworten
Gerd Gutner
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 26.09.14, 09:51

Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von Gerd Gutner » 09.08.19, 18:00

Bei einem fiktiven Ehepaar verstirbt der Ehemann. Es existieren 3 Kinder aus erster Ehe. Die Ehefrau ermittelt den Zugewinn , um ihn vom Erbe abzuziehen. Hierbei werden allerdings die Anfangsbestände bei beiden mit 0 angesetzt.( Die Endbestände sind klar) .Dies entspricht beim Ehemann nicht der Wahrheit. Da die Ehe jedoch in den 80er Jahren geschlossen wurde , ist dies schwer nachzuweisen. Würde ein Richter hier schätzen oder die Anfangsbestände mit 0E glauben ? Wie ist das Vorgehen in solchem Fall ?

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15743
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von SusanneBerlin » 09.08.19, 18:58

Wenn die Witwe Erbin ist, dann wird der Zugewinn nicht vom Erbe abgezogen. Denn wenn die Witwe den Zugewinnausgleich in Anspruch nehmen will, muss sie die Erbschaft ausschlagen.

Beides gleichzeitig, als Witwe die Erbschaft anzunehmen und den Zugewinnausgleich zu beanspruchen, ist nicht möglich.

Gibt es ein Testament? Wurden die Kinder aus erster Ehe enterbt? Wenn sie nicht enterbt wurden, bilden sie mit der Witwe eine Erbengemeinschaft. Die Aufteilung des Nachlasses muss mit allen Erben abgesprochen werden.
Gerd Gutner hat geschrieben: Wie ist das Vorgehen in solchem Fall ?
Fangen wir doch mit dem Anfang an: Man würde zuerst ermitteln, wer alles Erbe geworden ist, mit welchem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser, und wer Pflichtteilsberechtigter ist, ebenfalls mit Verwandtschaftsgrad. Mit diesen Angaben kann man dann die Erbquoten und die gegebenfalls Pflichtteile bestimmen.
Grüße, Susanne

Gerd Gutner
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 26.09.14, 09:51

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von Gerd Gutner » 09.08.19, 20:30

Danke Susanne , das hilft sehr . :lol:
Da droht doch die Witwe mit dem Abzug des Zugewinnausgleichs , wenn die anderen Erben nicht einen zu niedrigen Grundstückswert für die Wohnung akzeptieren .Sie hat sogar eine Berechnung gemacht. :lol:
Allgemeine Info : Kein Testament , Erbengemeinschaft Witwe 3/6 Kinder ja 1/6.
Die Verkehrswertermittlungen wurden bisher nicht zugesandt , nur erwähnt. Vermutlich sind diese veraltet.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15743
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von SusanneBerlin » 09.08.19, 20:42

Wenn eine Immobilie im Nachlass ist, benötigt man ohnehin einen Erbschein. Die Kinder sind zusammen mit der Witwe Eigentümer der Wohnung geworden. Mit dem Erbschein können die Kinder die Erbengemeinschaft im Grundbuch eintragen lassen. Die Umschreibung des Grundbuchs ist in den ersten 2 Jahren nach dem Tod kostenlos.

Die Wertermittlung ist Sache aller Erben, das ist kein Privileg der Witwe und auf unbelegte Angaben braucht man sich nicht einlassen.
Grüße, Susanne

Gerd Gutner
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 26.09.14, 09:51

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von Gerd Gutner » 09.08.19, 20:45

Der Erbschein liegt schon vor. Allerdings will die Witwe gleich einen Erbauseinandersetzungsvertrag aufsetzen lassen.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15743
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von SusanneBerlin » 10.08.19, 07:05

Ein Erbauseinandersetzungsvertrag ist ja nichts falsches. Über die vorgeschlagenen Beträge kann man ja noch feilschen (natürlich bevor man unterschreibt).
Grüße, Susanne

Gerd Gutner
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 26.09.14, 09:51

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von Gerd Gutner » 10.08.19, 08:05

Sehe ich auch so . Als erstes sollte mal ein aktuelles VErkehrswertgutachten vorgelegt werden. Und die Witwe soll erfahren , dass ihre Drohung " sonst verrechne ich mit dem Zugewinnausgleich" nicht fruchtet. :lol: Danke Susanne.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15743
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von SusanneBerlin » 10.08.19, 08:35

Die Kinder können der Witwe ihre Fehlansicht mit den §§ 1931 und 1371 des BGB vor Augen führen:

§ 1931: Der Erbteil eines Ehegatten beträgt 1/4 (in Gütertrennung).

§ 1371 Abs 1: Im Güterstand der Zugewinngemeinschaft erhöht sich der Erbteil des Ehegatten um 1/4, gesamt also 1/2 des Nachlasses. Darin ist der pauschalisierte Zugewinnausgleich bereits enthalten.

§ 1371 Abs 3: Will der Ehegatte im Todesfall des anderen Ehegatten den tatsächlichen, errechneten Zugewinnausgleich beanspruchen, dann muss er zuvor die Erbschaft ausschlagen.
Grüße, Susanne

CruNCC
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3584
Registriert: 01.01.07, 21:55
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von CruNCC » 10.08.19, 17:00

§ 1931: Der Erbteil eines Ehegatten beträgt 1/4 (in Gütertrennung).
Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft beträgt der Anteil des Ehegatten 1/4.

Bei Gütertrennung erbt der Ehegatte zu gleichen Teilen (neben bis zu zwei Kindern).

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1931.html

Eine Ausschlagung ist nur innerhalb von 6 Wochen möglich. Sollte diese Frist bereits verstrichen sein, ist die Witwe ist zur Hälfte Erbin geworden (gesetzlicher Güterstand). Darin ist 1/4 pauschalisierten Zugewinn enthalten.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15743
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Ermittlung Zugewinnausgleich

Beitrag von SusanneBerlin » 10.08.19, 17:05

Ja stimmt, für die Gütertrennung haben Sie recht.

Bei Zugewinngemeinschaft beträgt der Erbteil des überlebenden Ehegatten neben Abkömmlingen des Erblassers: 1/2.
Grüße, Susanne

Antworten