nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

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marlis77
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nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von marlis77 » 18.08.19, 13:44

Hallo,
1.Frage: besteht bei langjähriger nicht eingetragener Lebensgemeinschaft und gemeinsamen Wohnen nach Ableben eines Partners ein Nießbrauchrecht?

Die Partner leben seit 20 Jahren zusammen und haben vor 17 Jahren ein Eigenheim gebaut, vieles in Eigenregie; Grundbucheintrag nur der Name des einen Partners.
Von Heirat war desöfteren die Rede, dazu kam es aber nicht mehr.
Nach dem plötzlichen Todesfall des im Grundbuch eingetragenen Partners beantragen die 2 volljährigen Kinder dieses Partners aus einer vorherigen Beziehung ihren Erbanteil und
gleichzeitig meinen Auszug aus dem Eigenheim.
Kann ich mich dagegen wehren?
Im Testament des Verstorbenen stehe ich als alleinige Erbin. Das heißt aber , dass der Pflichtteilsanspruch der Kinder besteht.
Gelesen habe ich, dass ich auf meinen Erbanteil dann 50 % Erbschaftssteuerzahlen muß, diese aber das Erbgut insgesamt mindern, ist das richtig?

Müßte man als Beispiel so rechnen: wenn 500.000 EUR Erbmasse, davon mein Anteil 250.000 EUR und darauf 125.000 EUR Steuern.
Und weiter würde sich jetzt die Erbmasse verringern um die 125.000 , so daß die Kinder auch weniger als den 25%igen Teil von 500.000 EUR erhalten?
danke für Antworten Marlischen

matthias.
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Re: nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von matthias. » 18.08.19, 16:28

Haben die Kinder denn das Testament vorliegen?

Bist du evtl. als Vorerbe in dem Testament genannt, oder wie soll es nach deinem Tod weiter gehen, sollen die Kinder dann das Haus bekommen?

Wenn du Alleinrbe bist, gehört das Haus jetzt dir, du musst auch nicht ausziehen.

Den Kindern stünde dann aber tatsächlich das Pflichtteil zu.

Die Pflichtteile werden allerdings vom Wert abgezogen und müssen nicht versteuert werden.

Dazu ist in der Steuerklasse III die Erbschaftssteuer bis 6 Millionen 30%.

Trotzdem wären das wohl, wenn die Kinder den Pflichtteil wollen und die Erbschaftsteuer bezahlt ist 65% vom Wert des Hauses/Erbes, den du an sie und das Finanzamt letztlich zahlen müsstest.

Dann müsste man das wohl verkaufen und sich was kleiners kaufen/mieten, was aber evtl. auch sinnvoll wäre. Für einen allein sind die Häuser dann ja oft viel zu groß, zumal du von großen Summen redest.

Andere Möglichkeit wenn du evtl, dich mit den Kindern einigen kannst, du schlägst das Erbe aus und die Kinder erben dann und sie gewähren dir ein Nießbrauchsrecht bis zu deinem Tod, dafür bekommen sie das Haus danach. Evtl. eine gangbare Variante bei der alle gewinnen könnten.

marlis77
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Re: nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von marlis77 » 18.08.19, 18:46

Hat die Frage" haben die Kinder das Testament vorliegen?" eine Bedeutung?
Aber die Antwort auf die Frage ist nein, das Testament liegt den Kindern nicht vor (insgesamt kein gutes Verhältnis)
Zu dem Inhalt, speziell auch in Bezug auf das Eigenheim:........ "die langjährige Lebensgefährtin ist alleinige und uneingeschränke Erbin für mein gesamtes Vermögen in Form von Sach- und Geldwerten...." Das ist alles dazu.
Über alles, was eventuell in der Zukunft geschehen sollte, steht nichts.

Es ist ja schon sehr gut, dass mir das Wohnrecht noch bleibt, da mir als Auszugstermin schon die Frist zum 31.08.19 gesetzt worden ist.

Ist der Verkehrswert als Basis der Erbmasse festgeschrieben, weil der verstorbenen Partner allein im Grundbuch steht?
Ich frage das, weil wir zusammen ja alles und eben auch viel in Eigenregie aufgebaut haben und ich bei einigen Baupositionen nachweisen kann, dass die durch mich als Meistverdiener allein bezahlt worden sind? Oder kann der Gesamtwert für die Erbmasse doch geschmälert werden?

Eine letzte Frage:
Ich habe eine Rechtsanwältin gewählt, die nach eigenen Aussagen eigentlich nicht so im Erbrecht Erfahrung hat. Ich würde doch gerne jemand anders beauftragen, aber es ist schwer, jemanden zu finden? Wie gehe ich am besten vor?

matthias.
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Re: nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von matthias. » 19.08.19, 10:02

Die Kinder wissen also gar nichts von dem Testament? Also gehen sie ja mal davon aus, dass sie erben oder würdest du das nicht?

Von daher würde ich erstmal eine Kopie des Testaments an die Kinder schicken.

Hast du das Testament ans Amtsgericht gegeben? Oder war es bei einem Notar (dann wird es direkt dahin geschickt).

Hast du einen Erbschein beantragt? Hast du darin angeben, dass es die Kinder gibt?

Ja das Haus gehörte leider deinem Lebensbefährten allein, da er allein im Grundbuch steht. :-( Anrechnen kann man da meines Wissens auch nichts. Das war ein Fehler Geld reinzustecken in etwas das dir nicht gehört, allerdings hast du dir ja auch sicher die Miete erspart, das muss man auch gegen rechnen trotzdem hast du halt leider kein Eigentum erworben, an dem Haus.

Anwälte stehen in den Gelben Seiten, man muss drauf achten, dass sie Fachanwalt für Erbrecht dabei haben. Was soll man sonst dazu sagen?
Gibt es in deiner unmittelbaren Umgebung keinen, muss man halt ein bisschen weiter schauen.

SusanneBerlin
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Re: nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von SusanneBerlin » 19.08.19, 10:48

Hallo,
1.Frage: besteht bei langjähriger nicht eingetragener Lebensgemeinschaft und gemeinsamen Wohnen nach Ableben eines Partners ein Nießbrauchrecht?
Im Testament des Verstorbenen stehe ich als alleinige Erbin.
Wenn ich den Sachverhalt richtig verstehe, war Partner 1 Alleineigentümer einer Immobilie. Partner 1 ist gestorben und hatte in seinem Testament Partner 2 als Alleinerben eingetragen.

Somit ist Partner 2 nach dem Tod von Partner 1 neuer und alleiniger Eigentümer der immobilie. Als Eigentümer kann Partner 2 mit der Immobilie nach Belieben verfahren, selbst bewohnen, vermieten oder auch die Immo verkaufen. Ein Eigentümer benötigt kein Nießbrauchsrecht, da man mit seinem Eigentum sowieso machen kann, was man will. Es ist auch gar nicht möglich, sich selber ein Nießbrauchsrecht zu geben.
Nach dem plötzlichen Todesfall des im Grundbuch eingetragenen Partners beantragen die 2 volljährigen Kinder dieses Partners aus einer vorherigen Beziehung ihren Erbanteil und
gleichzeitig meinen Auszug aus dem Eigenheim.
Kann ich mich dagegen wehren?
Es ist ja schon sehr gut, dass mir das Wohnrecht noch bleibt, da mir als Auszugstermin schon die Frist zum 31.08.19 gesetzt worden ist.
Also entweder habe ich den Sachverhalt falsch verstanden, oder die Kinder gehen davon aus, dass sie Erben geworden sind, obwohl das nicht der Fall ist.

Hat Partner 2 das Testament nicht beim Nachlassgericht abgegeben?
Hat Partner 2 keinen Erbschein beantragt?

Wenn man das Testament nicht beim Nachlassgericht abgibt und keinen Erbschein beantragt, den Kindern auch nicht erzählt dass es ein Testament gibt und dass sie enterbt sind, muss man sich nicht wundern dass die Kinder mangels Kenntnis von einem Testament davon ausgehen, dass sie die Erben sind und die Lebensgefährtin auffordern die Immobilie zu verlassen.

Falls es ein Testament gibt, das Partner 2 zum Alleinerben macht, dann gilt das oben geschriebene für Partner 2
und für die Kinder gilt:
Die Kinder sind enterbt. Die Kinder haben keinen Erbteil. Die Kinder haben bezüglich der Immobilie nichts zu melden, da Partner 2 alleiniger Eigentümer der Immobilie ist.
Die Kinder können ihren Pflichtteil von Partner 2 verlangen. Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch. Der Pflichtteil pro Kind beträgt 1/4 des Nachlasswerts. Die Kinder erhalten keine Eigentumsanteile an der Immobilie.
Gelesen habe ich, dass ich auf meinen Erbanteil dann 50 % Erbschaftssteuerzahlen muß, diese aber das Erbgut insgesamt mindern, ist das richtig?
Wenn der Nachlass mehr als 6 Millionen Euro beträgt, wäre 50% Erbschaftssteuer richtig. Ansonsten "nur" 30% Erbschaftssteuer.

"Erbgut" ist ein Begriff aus der Biologie. In einem juristischen Zusammenhang sagt man "Nachlass".
Die Erbschaftssteuer mindert den Wert des Nachlasses nicht.
Müßte man als Beispiel so rechnen: wenn 500.000 EUR Erbmasse, davon mein Anteil 250.000 EUR und darauf 125.000 EUR Steuern. Und weiter würde sich jetzt die Erbmasse verringern um die 125.000 , so daß die Kinder auch weniger als den 25%igen Teil von 500.000 EUR erhalten?
Das ist falsch.

Wenn der Nachlasseinen Wert von 500.000 Euro hat, dann gehört zunächst alles dem Alleinerben. Die Kinder verlangen ihre Pflichtteile, also gehen 250.000€ weg und dem Erben verbleiben noch 250.000 €. Aus diesen 250.000 € Erbschaft errechnet sich die Erbschaftssteuer.

Von der Erbschaft wird noch ein steuerlicher Freibetrag abgezogen. 250.000 -20.000 € Freibetrag = 230.000 €
Auf diese 230.000 fallen 30% Steuer an, das sind 69.000 €.

Nach dem Auszahlen der Pflichtteile und nach dem Bezahlen der Steuer bleiben dem Erben Partner 2 also noch 181.000 €.
Ich habe eine Rechtsanwältin gewählt, die nach eigenen Aussagen eigentlich nicht so im Erbrecht Erfahrung hat. Ich würde doch gerne jemand anders beauftragen, aber es ist schwer, jemanden zu finden? Wie gehe ich am besten vor?
Man schaut in die Gelben Seiten oder benutzt eine Suchmaschine im Internet. In das Suchfenster schreibt man rein "Anwalt Erbrecht Wohnort". Heutzutage hat jeder Anwalt eine Homepage. Auf der Homepage des Anwalts steht, mit welchen Rechtsgebieten er sich beschäftigt.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 19.08.19, 11:24, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße, Susanne

alana4
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Re: nicht eingetragene Lebensgemeinschaft und Nießbrauch?

Beitrag von alana4 » 19.08.19, 11:08

SusanneBerlin hat geschrieben:
19.08.19, 10:48
.....
Wenn man das Testament nicht beim Nachlassgericht abgibt und keinen Erbschein beantragt, muss man sich nicht wundern dass die Kinder mangels Kenntnis von einem Testament davon ausgehen, dass sie die Erben sind und die Lebensgefährtin auffordern die Immobilie zu verlassen.
und obendrein kann man richtig Ärger bekommen. Es ist nämlich PFLICHT, das Testament unverzüglich beim Nachlassgericht abzugeben. HIER und § 2259 Abs.1 BGB
......
Wenn der Nachlasseinen Wert von 500.000 Euro hat, dann gehört zunächst alles dem Alleinerben. Die Kinder verlangen ihre Pflichtteile, also gehen 250.000€ weg und dem Erben verbleiben noch 250.000 €. Aus diesen 250.000 € Erbschaft errechnet sich die Erbschaftssteuer.

Die Erbschaftssteuer beträgt 250.000 -20.000 € Freibetrag = 230.000 €
Auf diese 230.000 fallen 30% Steuer an, das sind 69.000 €.

Nach dem Auszahlen der Pflichtteile und nach dem Bezahlen der Steuer bleiben dem Erben Partner 2 also noch 181.000 €.
.....
Wenn natürlich außer der Immobilie kein nennenswerter verfügbarer Bargeldbetrag im Erbe steckt, kann es tatsächlich notwendig sein, die Immobilie zu verkaufen, um die Pflichtteilsansprüche zu befriedigen. Der Erbe muss also irgendwie die erforderlichen Geldbeträge aufbringen (für Steuer und Pflichtteile).
Etwas "nettere" Steuerregeln gibt es nur für den Ehepartner bzw. den eingetragenen Lebenspartner oder Kinder, die die geerbte dann selbst bewohnen.

Denn ein "Wohnrecht" hat man nicht geerbt.

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