Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

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T610
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Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von T610 » 05.09.19, 08:18

Folgender Fall:

Ein Herr A wandert in den 1960ern aus der BRD in die DDR ein, Herr A hat in der BRD mindestens ein oder mehrere Geschwister, durch die Teilung und vielleicht auch durch persönliche Beziehungen sind die Kontakte zur westlichen Verwandtschaft X schlecht bzw. nicht vorhanden.

Herr A gründet in den 1970ern eine Familie in der DDR, und heiratet Frau B und beide bekommen einen Sohn C.

Nach dem Mauerfall verbessern sich jedoch die verwandtschaftlichen Beziehungen kaum, im Gegenteil, es gibt ab dem Jahr 2005, nach dem Tod der Schwester von Herrn A gar keinen Kontakt mehr zur westlichen Verwandtschaft X.

2019 Herr A stirbt plötzlich und hinterläßt kein Testament (daher Erbschein). Frau B und Sohn C sind Erben, aber durch die schlechten Beziehungen bzw. durch geringe / bzw. keine Kontaktdichte zu der Verwandtschaft X, können sie weitere Erbberechtigte (Verwandtschaft X) weder bejahen, noch verneinen! Was müssen B und C einleiten? Auf dem Erbschein angeben?

In Adressbüchern und auch auf dem Handy des verstorbenen Herrn A befinden sich ebenfalls keine Angaben zur Verwandtschaft X.

hambre
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von hambre » 05.09.19, 08:30

Was müssen B und C einleiten? Auf dem Erbschein angeben?
Da es Erben 1. Ordnung gibt, ist das Vorhandensein von Erben 2. Ordnung (z.B. Geschwister) für den Antrag auf Erstellung eines Erbscheines nicht relevant. Bei der Frage geht es eher darum, ob Herr A noch nichteheliche Kinder hat.

SusanneBerlin
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von SusanneBerlin » 05.09.19, 08:31

Hallo,

wenn jemand ein Kind hat, sind alle anderen Verwandten aus der gesetzlichen Erbfolge raus, das Kind ist nämlich Erbe erster Ordnung und verdrängt die Erben aus zweiter und dritter Ordnung.

Außerdem erbt die Ehefrau.

Es erben also nur Sohn C und Witwe B. Im Erbscheinantrag gehören nur diese beiden Namen rein und keine weiteren.

Außer Herr A hätte weitere Kinder. Die müsste man dann ebenfalls angeben. Aber wenn keine weiteren Kinder von Herrn A bekannt sind, kann man auch keine eintragen.

Die Erbquoten von Sohn C und Frau B hängen davon ab, in welchem Güterstand die Ehe geführt wurde. Wenn man sich darüber nicht sicher ist, welcher Güterstand gilt, kann man beim Standesamt eine Auskunft einholen.


Man ist nicht verpflichtet einen Erbschein zu beantragen. Wenn Herr A keine Immobilien besaß und die Konten als Gemeinschaftskonten zusammen mit der Ehefrau geführt worden, benötigt man den Erbschein nicht unbedingt. Es kommt also auf die Vermögensverhältnisse und vertragliche Verpflichtungen des Verstorbenen an, ob die Hinterbliebenen einen Erbschein benötigten um den Nachlass zu regeln.
Grüße, Susanne

CruNCC
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von CruNCC » 05.09.19, 11:28

Wenn man sich darüber nicht sicher ist, welcher Güterstand gilt, kann man beim Standesamt eine Auskunft einholen.
Wenn der Güterstand geändert wurde (notarieller Ehevertrag), muss der Notar die Urkunde beim Zentralen Testamentsregister registrieren und das Nachlassgericht erhält "automatisch Kenntnis vom etwaigen Ehevertrag.

T610
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von T610 » 07.09.19, 08:56

Okay, vielen Dank für die hilfreichen Antworten.

Was passiert aber, wenn der erbende Sohn C sein Erbe ausschlägt, weil die 'stark renovierungsbedürftige' Immobilie des Verstorbenen Vaters & Ehemannes A ausschlägt - sein Budget & sein Einkommen zur Renovierung nicht ausreicht? Ehefrau des verstorbenen Ehemanns hätte vielleicht eher die Mittel zur Renovierung. Ist dann die Ehefrau alleinige Erbin, oder treten dann evtl. vorhandene Erben 2. und 3. Ordnung als Miterben auf?

Wäre die Möglichkeit, das Witwe B und Sohn C normal erben und dann Sohn C seinen Anteil ans Mutter B schenkt eine sinnvolle Variante?!

Weiteres Problem auch, Sohn B bezieht als Aufstocker Sozialleistungen nach SGB II.

SusanneBerlin
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von SusanneBerlin » 07.09.19, 09:09

T610 hat geschrieben:Was passiert aber, wenn der erbende Sohn C sein Erbe ausschlägt, weil die 'stark renovierungsbedürftige' Immobilie des Verstorbenen Vaters & Ehemannes A ausschlägt - sein Budget & sein Einkommen zur Renovierung nicht ausreicht? Ehefrau des verstorbenen Ehemanns hätte vielleicht eher die Mittel zur Renovierung. Ist dann die Ehefrau alleinige Erbin, oder treten dann evtl. vorhandene Erben 2. und 3. Ordnung als Miterben auf?
Wenn Sohn C die Erbschaft fristgemäß ausschlägt und C keine Kinder hat, rücken die Erben 2. Ordnung (=Eltern von Herrn A, danach Geschwister von Herrn A) in der Erbfolge nach.

Sind keine Erben der 2.Ordnung vorhanden (oder schlagen die ebenfalls aus) und die Großeltern von Herrn A bereits tot, dann erbt die Ehefrau alleine (§ 1931 BGB).
T610 hat geschrieben:Wäre die Möglichkeit, das Witwe B und Sohn C normal erben und dann Sohn C seinen Anteil ans Mutter B schenkt eine sinnvolle Variante?!
Frau B hätte dann Schenkungssteuer zu entrichten. Der Freibetrag für Schenkungen von Sohn an Elternteil beträgt nur 20.000€, für den darüberliegenden Betrag fallen mindestens 15% Schenkungssteuer an.
T610 hat geschrieben:Weiteres Problem auch, Sohn B bezieht als Aufstocker Sozialleistungen nach SGB II.
Dann fällt die Option, sein Erbe zu verschenken schonmal flach. Das jobcenter würde die Schenkung zurückfordern.

Sollte es sich um eine "Was-wäre-wenn-Frage" habdeln, also Herr A in der realen Welt noch am Leben sein, dann wäre anzuraten, dass Herrn A nahegelegt wird ein Testament zu machen. Z.B. ein Berliner Testament zusammen mit seiner Ehefrau B.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 07.09.19, 09:24, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

T610
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von T610 » 07.09.19, 09:21

Okay, dann gibt es nur zwei Optionen

=> Sohn C wird seinen Erbteil ausschlagen und darauf setzen das seine Mutter die Ehefrau/Witwe B 'Alleinerbin' bleibt - sich keine "Westverwandtschaft" meldet ...

=> Sohn C - erbt normal, wird aber - je nachdem wieviel oder was er erbt alles in sinnvolle bzw. notwendige Renovierungsarbeiten der Immobilie ausgeben ... z. B. Dacherneuerung und Dämmungserneuerung /Reparatur ...

SusanneBerlin
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von SusanneBerlin » 07.09.19, 09:29

T610 hat geschrieben:=> Sohn C wird seinen Erbteil ausschlagen und darauf setzen das seine Mutter die Ehefrau/Witwe B 'Alleinerbin' bleibt - sich keine "Westverwandtschaft" meldet ...
Auf das aktive Sich-Melden der potentiellen Verwandtschaft kommt es nicht an. Derjenige, der den Erbschein beantragt, ist verpflichtet, alle weiteren potentiellen Erben anzugeben, damit das Nachlassgericht die Erben benachrichtigen kann. Wenn Frau B den Erbschein beantragt, muss sie eine eidesstattliche Versicherung über das Vorhandensein bzw. Nicht-Vorhandensein weiterer Erben abgeben. Eine bewusst falsche eidesstattliche Versicherung stellt eine Straftat dar.


Man darf/kann also legal keinen Erbschein als "Alleinerbe" beantragen und darauf setzen dass sich die anderen Erben nicht melden, wenn man Kenntnis von weiteren Erbberechtigten hat.


Der Erbschein wird im Fall dass kein Testament vorhanden ist, erst erteilt, nachdem alle weiteren gesetzlichen Erben entweder ausgeschlagen oder der Erbscheinerteilung (mit korrekter Nennung der Erben und der Erbquoten) zugestimmt haben.


Wenn es nicht sicher ist, ob weitere Erben vorhanden sind oder die Erben unbekannt sind, wird das Gericht einen Nachlasspfleger setzten, der bei Bedarf den Nachlass verwaltet und der die Erben ermittelt (§ 1960 BGB).



Zumal der Erbschein auch noch nach Jahrzehnten geändert werden kann, wenn die Geschwister von Herrn A irgendwann mitbekämen, dass sie übergangen wurden. Die Erbenstellung verjährt nicht.



T610 hat geschrieben:=> Sohn C - erbt normal, wird aber - je nachdem wieviel oder was er erbt alles in sinnvolle bzw. notwendige Renovierungsarbeiten der Immobilie ausgeben ... z. B. Dacherneuerung und Dämmungserneuerung /Reparatur
Option 3: Man kann ein Haus verkaufen, auch dann wenn Renovierungsbedarf besteht.
Grüße, Susanne

SusanneBerlin
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von SusanneBerlin » 07.09.19, 12:03

Option 4:

Man könnte über die Standesämter nachforschen, ob es lebende Eltern/Geschwister/Großeltern von Herrn A gibt und danach entscheiden, ob man die Erbschaft ausschlägt. Sohn C ist auskunftsberechtigt!
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Erbschein beantragen, genauere verwandtschaftliche Verhältnisse aber schwierig bzw. unbekannt

Beitrag von hambre » 29.09.19, 20:41

Sohn C wird seinen Erbteil ausschlagen und darauf setzen das seine Mutter die Ehefrau/Witwe B 'Alleinerbin' bleibt - sich keine "Westverwandtschaft" meldet ...
Es spielt keine Rolle, ob die Westverwandtschaft sich meldet. Es reicht, dass es sie gibt, damit die Ehefrau nicht Alleinerbin wird.
Weiteres Problem auch, Sohn B bezieht als Aufstocker Sozialleistungen nach SGB II.
Dann darf er nach meiner Auffassung die Erbschaft auch gar nicht ausschlagen, bzw. wenn er es macht, wird ihm das ALG II gestrichen.

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