Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Moderator: FDR-Team

Haipabianka
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Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

Guten Tag,
Mich würde interessieren:
Wenn eine Witwe (Alleinerbin durch Berliner Testament) ihr Haus nicht der einzigen Tochter (da diese Harz4 bezieht) sondern dem Enkel vererben möchte, so hat die Tochter/der Staat ja dennoch Anspruch auf den Pflichtteil, der in diesem Fall ja die Hälfte des Erlöses des Hauses aus machen würde...
Könnte man in dem Fall nicht genau so gut "böses Blut" vermeiden, in dem die Witwe im Testament fest hält, dass sie das Haus zu gleichen Teilen an die Tochter wie das Enkelkind vererben möchte? Oder käme das "Erbe" zum Pflichtteil noch in Top?, sprich, die Tochter würde 3/4 und das Enkelkind 1/4 bekommen?, welche Vor-/Nachteile könnten daraus entstehen?
Und wie verhält es sich für die beiden mit der Erbschaftssteuer und der Bezahlung für Beerdigung und Notar und Kosten die z. B. Für das Entrümpeln anfallen, wenn der Erbfall ein tritt?

Ich habe keine Antwort zur Rechtslage gefunden und Danke bereits vorab für Ihre qualifizierten Antworten.

CruNCC
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von CruNCC »

Die Frage wäre zunächst, ob die Witwe überhaupt anderweitig testieren kann. Bei einem gemeinschaftlichen Testamnt ist das nur möglich, wenn im Testament explizit steht, dass die Erbfolge vom Überlebenden geändert werden kann.

matthias.
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von matthias. »

Haipabianka hat geschrieben:
11.01.20, 19:18
Oder käme das "Erbe" zum Pflichtteil noch in Top?, sprich, die Tochter würde 3/4 und das Enkelkind 1/4 bekommen?,
Nein ein Pflichtteil kommt nicht "on Top". Grundsätzlich entweder Erbe oder Pflichtteil.

hambre
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von hambre »

Grundsätzlich entweder Erbe oder Pflichtteil.
Richtig. Und wenn das Erbe niedriger ist als der Pflichtteil, dann gibt es den Zusatzpflichtteil. Das ist die Differenz zwischen Erbe und Pflichtteil.
Und wie verhält es sich für die beiden mit der Erbschaftssteuer und der Bezahlung für Beerdigung und Notar und Kosten die z. B. Für das Entrümpeln anfallen, wenn der Erbfall ein tritt?
Erbschaftsteuer fällt nur an, wenn die Freibeträge überschritten werden (200.000€ für Enkelin, 400.000€ für Tochter). Die Beerdigungskosten sind von den Erben zu zahlen.

Steht denn die Enkelin finanziell auf eigenen Beinen oder ist sie sogar noch minderjährig?

lottchen
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von lottchen »

hambre hat geschrieben:
17.01.20, 10:33
Steht denn die Enkelin finanziell auf eigenen Beinen oder ist sie sogar noch minderjährig?
Wäre es nicht unsinnig, die Enkelin statt der Tochter wegen des HartzIV-Bezuges zur Erbin zu erklären wenn beide in einer Bedarfsgemeinschaft leben würden?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

FM
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von FM »

Haipabianka hat geschrieben:
11.01.20, 19:18
Wenn eine Witwe (Alleinerbin durch Berliner Testament) ihr Haus nicht der einzigen Tochter (da diese Harz4 bezieht)
Dass ein Haus kein anrechenbares Einkommen bei AlG II ist, ist bekannt?

hambre
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von hambre »

Dass ein Haus kein anrechenbares Einkommen bei AlG II ist, ist bekannt?
Das gilt aber nicht, wenn es geerbt wird. Und dass es von Tochter und/oder Enkelin selbst bewohnt wird, steht auch nirgendwo.

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

CruNCC hat geschrieben:
11.01.20, 21:27
Die Frage wäre zunächst, ob die Witwe überhaupt anderweitig testieren kann. Bei einem gemeinschaftlichen Testamnt ist das nur möglich, wenn im Testament explizit steht, dass die Erbfolge vom Überlebenden geändert werden kann.
Angenommen dies wäre festgehalten worden, da bereits beim gemeinsamen schreiben des Testamentes der Wunsch einer nicht gesetzlichen Erbfolge geäußert worden wäre?
Und falls dies nicht vermerkt worden wäre, obwohl dies geäußert worden wäre, hätte die Witwe irgend eine Möglichkeit ihr Testament so wie gewollt zu schreiben und das Enkelkind zu bedenken?

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

hambre hat geschrieben:
17.01.20, 10:33
Grundsätzlich entweder Erbe oder Pflichtteil.
Richtig. Und wenn das Erbe niedriger ist als der Pflichtteil, dann gibt es den Zusatzpflichtteil. Das ist die Differenz zwischen Erbe und Pflichtteil.


Wie Kann das Erbe niedriger ausfallen, als der Pflichtteil?, angenommen das Haus ist 300.000€ wert, so würde sich der Pflichtteil ja auf 150.000€ belaufen, das Enkelkind würde 150.000€ reguläres Erbe erhalten...

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

hambre hat geschrieben:
17.01.20, 10:33
Grundsätzlich entweder Erbe oder Pflichtteil.
Richtig. Und wenn das Erbe niedriger ist als der Pflichtteil, dann gibt es den Zusatzpflichtteil. Das ist die Differenz zwischen Erbe und Pflichtteil.
Und wie verhält es sich für die beiden mit der Erbschaftssteuer und der Bezahlung für Beerdigung und Notar und Kosten die z. B. Für das Entrümpeln anfallen, wenn der Erbfall ein tritt?
Erbschaftsteuer fällt nur an, wenn die Freibeträge überschritten werden (200.000€ für Enkelin, 400.000€ für Tochter). Die Beerdigungskosten sind von den Erben zu zahlen.

Steht denn die Enkelin finanziell auf eigenen Beinen oder ist sie sogar noch minderjährig?

Das Enkelkind ist erwachsen, berufstätig und hat eine eigene Familie und Eigenheim in Abzahlung.

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

lottchen hat geschrieben:
17.01.20, 10:46
hambre hat geschrieben:
17.01.20, 10:33
Steht denn die Enkelin finanziell auf eigenen Beinen oder ist sie sogar noch minderjährig?
Wäre es nicht unsinnig, die Enkelin statt der Tochter wegen des HartzIV-Bezuges zur Erbin zu erklären wenn beide in einer Bedarfsgemeinschaft leben würden?

Bis zu welchem Immobilienwert dürfen Harz4 Bezieher ein Eigenheim bewohnen und weiterhin Geld beziehen, ohne, dass sie vom Immobilienverkaufspreis statt der staatlichen Stütze leben müssen?

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

FM hat geschrieben:
17.01.20, 10:52
Haipabianka hat geschrieben:
11.01.20, 19:18
Wenn eine Witwe (Alleinerbin durch Berliner Testament) ihr Haus nicht der einzigen Tochter (da diese Harz4 bezieht)
Dass ein Haus kein anrechenbares Einkommen bei AlG II ist, ist bekannt?
Heißt das, dass die Tochter mit Familie ohne weiteres in das Haus ziehen könnte, weiterhin Harz4 beziehen könnte und der Staat die laufenden Kosten im und um das Haus herum übernehmen würde? (so eine Immobilie hat ja viele versteckte Kosten, die einem erst bewusst werden, wenn man dort wohnt, Schornsteinfeger, Heizkosten ect.)

CruNCC
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von CruNCC »

Angenommen dies wäre festgehalten worden
Was genau ist diesbezüglich festgehalten worden? Wie lautet die Formulierung?
Und falls dies nicht vermerkt worden wäre, obwohl dies geäußert worden wäre, hätte die Witwe irgend eine Möglichkeit ihr Testament so wie gewollt zu schreiben und das Enkelkind zu bedenken?
Nein, dann kann das gemeinschaftliche Testament nicht mehr geändert werden.

Haipabianka
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Haipabianka »

Die Formulierung wäre z. B.: In der Verfügung über unseren Nachlass sind wir weder durch erbvertragliche noch durch wechselbezügliche Verfügungen von Todes wegen mit dritten eingeschränkt.

Jdepp
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Re: Wer Erbt wie viel/Wer hat welche Kosten zu tragen?

Beitrag von Jdepp »

Haipabianka hat geschrieben:
21.01.20, 12:02
Die Formulierung wäre z. B.: In der Verfügung über unseren Nachlass sind wir weder durch erbvertragliche noch durch wechselbezügliche Verfügungen von Todes wegen mit dritten eingeschränkt.
Das bedeutet noch lange nicht, dass der Längstlebende frei neu testieren kann, wenn der Satz so im Ursprungstestament steht.

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